Asklepios-Klinik Burglengenfeld droht Rauswurf aus Netzwerk

Von Thomas Rieke · 26. Mai 2023 um 05:00

„Bürgermeister sorgen sich um Zukunft der Klinik im Städtedreieck“ – so lautete Anfang Mai eine Überschrift im Lokalteil der MZ. Nun verdichten sich die Hinweise, dass die Sorgen mehr als berechtigt sind, zumindest was die Versorgung von Schlaganfallpatienten betrifft.

Wie berichtet, hatten ursprünglich die Reform-Pläne von Bundesminister Karl Lauterbach (SPD) die Rathauschefs aus Burglengenfeld, Maxhütte-Haidhof und Teublitz verunsichert. Daher suchten sie das Gespräch mit der Leitung der Asklepios-Klinik. Erleichterung brachte das Ergebnis für sie nicht, im Gegenteil. Gegenstand der Unterredungen war auch das Telemedizinische Schlaganfallnetzwerk (TEMPiS), dem die Asklepios-Klinik Burglengenfeld seit 20 Jahren angehört. Die Mitgliedschaft ist allem Anschein nach akut gefährdet.

Krankenhaus St. Barbara als harte Konkurrenz

Als zertifizierte Stroke Unit erfüllt das Krankenhaus im Städtedreieck, so bestätigen Fachverbände, zwar höchste Anforderungen für die Schlaganfallversorgung. Die Zusammenarbeit mit der Regensburger Uniklinik sowie den Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (medbo) wird als „hervorragend“ gepriesen. Das scheint jedoch nicht vor dem Rauswurf zu schützen.

Der Grund: Seit Anfang dieses Jahres gibt es mit dem Krankenhaus St. Barbara der Barmherzigen Brüder im Landkreis ein zweites TEMPiS-Mitglied. Das Konzept sieht aber nur eines je Kreisgebiet vor.

Die Bürgermeister im Städtedreieck, die die Telemedizinische Versorgung als Standortfaktor sehr schätzen, sahen sich daher veranlässt, sich auch diesbezüglich an Abgeordnete aus der Region sowie verschiedene Ministerien zu wenden und für den Erhalt des Angebots zu werben.

Antwort des Ministers für Gesundheit stimmt nachdenklich

Die Antwort von Staatsminister Klaus Holetschek, die seit kurzem auf dem Tisch liegt, ist aus Städtedreiecks-Sicht enttäuschend. Sie lässt vermuten, dass Burglengenfeld zumindest mittelfristig keine Chance haben wird, weiter Teil des Netzwerks zu bleiben.

Im Anfang ging es hauptsächlich um die von Karl Lauterbach ins Feld geführte große Krankenhausreform. Lesen Sie dazu: Bürgermeister sorgen sich um die Zukunft der Klinik im Städtedreieck

Holetschek bestätigt, dass sich der Krankenhausplanungsausschuss (KPA) mit Blick auf Einwohnerzahl und Größe der Landkreise sowie die Schlaganfallinzidenz dafür ausgesprochen hat, grundsätzlich nur ein Krankenhaus pro Landkreis als Kooperationspartner in TEMPiS aufzunehmen. Zwar sei es korrekt, dass im Kreis Schwandorf ursprünglich die Burglengenfelder Klinik dafür ausgewählt worden sei. Doch dem Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf sei es mittlerweile ebenfalls gelungen, eine leistungsfähige Schlaganfalleinheit aufzubauen – trotz fehlender Netzwerkanbindung. Seine Fallzahlen seien kontinuierlich gestiegen und hätten zuletzt die der Asklepios-Klinik „deutlich übertroffen“.

Erst kürzlich wurde am Krankenhausberg eine Millioneninvestition in Angriff genommen – trotz vieler Unsicherheiten. Dazu ist folgender Text erschienen: Spatenstich für Anbau: Asklepios-Klinik in Burglengenfeld wird weiter aufgewertet

Vor diesem Hintergrund, so Holetschek weiter, habe der KPA der temporären Ausweisung von zwei Kooperationskliniken im Kreis Schwandorf zugestimmt. Im Ergebnis spreche allerdings vieles für eine Zentrierung der Schlaganfallversorgung – und zwar in Schwandorf. Ein Vorteil des Barbara-Krankenhauses sei die Lage. Insbesondere für die Bevölkerung aus der nördlichen Hälfte des Kreisgebiets sei es „deutlich schneller“ zu erreichen als Burglengenfeld.

Die Entscheidung über eine etwaige Fortführung der Zusammenarbeit mit dem Burglengenfelder Haus liege letztlich beim Netzwerk TempiS, betont Holetschek. Dieses habe jedoch feste Kriterien entwickelt, nach denen eine Kooperation auch beendet werden sollte, „wenn sich durch tatsächliche Patientenströme ein Alternativkrankenhaus in der Region dauerhaft als führender Versorger etabliert hat“.

Burglengenfelder Klinikleitung versucht zu kontern

Die Leitung der Klinik Burglengenfeld gibt sich keinen Illusionen hin. Geschäftsführerin Kathrin Hofstetter und der Ärztliche Direktor Josef Zäch erklärten auf Anfrage, die Stellungnahme des Ministers bestätige ihre Befürchtung, „dass hier offensichtlich die Meinungsbildung bereits abgeschlossen ist“. Die Argumentation des Ministers könnten sie jedoch weder nachvollziehen, geschweige teilen.

Aus Hofstetters und Zächs Sicht übersieht Holetschek eine Reihe von Punkten, die für das Burglengenfelder Krankenhaus sprechen. Als Gründungsmitglied des Telemedizinischen Netzwerks verfüge es nicht nur über entsprechende medizinische, pflegerische und therapeutische Erfahrung und Qualität, sondern auch über hochwertige Ausstattung. Auch auf den Vorteil der „interdisziplinären kurzen Wege vor Ort“ wird hingewiesen. Durch regelmäßige Zertifizierungen sei belegt, „dass wir alle Vorgaben und bis ins kleinste Detail die Qualitätsstandards der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe vollumfänglich erfüllen“, betonen Hofstetter und Zäch.

Zahl der Patienten steigt auch wieder in Burglengenfeld

Zu den von Holetschek ins Feld geführten gesunkenen Fallzahlen merken die Klinikvertreter an, der kritisierte „Einbruch“ in der Corona-Zeit sei vor allem dem Umstand geschuldet gewesen, dass man als vergleichsweise kleine Klinik viele Plätze und Kräfte für Covid-19-Patienten habe bündeln und vorhalten müssen. Dazu sei das Haus speziell als Corona-Schwerpunktversorger benannt worden. Mittlerweile aber würden die Zahlen der Schlaganfallpatienten wieder steigen – trotz der zweiten TEMPiS-Klinik im Landkreis.

Hofstetter und Zäch betonen außerdem, es liege ihnen fern, eine öffentliche Debatte über das Thema anzuheizen. Die Forcierung einer Konkurrenz-Situation zwischen zwei Häusern führe nämlich nicht zu einer Verbesserung der Versorgungsqualität. Gerade die wolle man aber gewährleisten. Ferner hofft die Klinikleitung darauf, dass die Verantwortlichen des Netzwerks TEMPiS weiter auf die in Burglengenfeld gebotene Leistungskraft bauen – „und nicht den Rechenspielereien des Krankenhausplanungsausschusses folgen“.

Auch Netzwerk-Sprecher betont den Wert der Fallzahlen

Für TEMPiS nimmt Pressesprecher Raphael Diecke von der München Klinik Stellung. Diecke bestätigt, dass alle Partnerkliniken regelmäßigen Audits unterzogen werden. Sowohl für Neuaufnahmen, als auch die Verlängerung von Partnerschaften spiele eine Vielzahl an Qualitätsindikatoren eine Rolle. Eine maßgebliche Größe sei die Zahl der versorgten Schlaganfallpatienten. Und das aus gutem Grund.

Die Versorgungsqualität, so Diecke weiter, sei in hohem Maße von der Erfahrung und damit von den Fallzahlen abhängig. In Zentren mit mehr versorgten Fällen steige sie. Weitere Kriterien seien Zertifizierungen oder die Verteilung der Partnerkliniken innerhalb des Netzwerks. Der Katalog an Bewertungskriterien und deren Gewichtung sei freilich deutlich umfangreicher, berichtet der Pressesprecher. Über die künftige Ausrichtung im Landkreis Schwandorf sei „zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine Entscheidung gefallen“.