Asyl-Hilferuf aus Regensburg: Hochrangiger Politiker will Edeka-Chef treffen

Die bundesweite Diskussion ebbt langsam ab – das Problem bleibt: Aus dem Edeka im Donaueinkaufszentrum stehlen Asylbewerber tütenweise Waren. Supermarkt-Chef Konstantin Gatzke hat die Vorgänge kurz vor Weihnachten auf Facebook öffentlich gemacht – den Post später aber wieder gelöscht. Bekommt nun aber Zuspruch aus der Politik.
Nach Vize-Ministerpräsident Hubert Aiwanger springt dem Kaufmann nun auch der Regensburger Wirtschaftsstaatsekretär Tobias Gotthardt (FW) zur Seite. Der Politiker aus Kallmünz schrieb auf Facebook, dass er sich seinem Parteifreund Hubert Aiwanger nur anschließen könne. Der hatte vor einigen Tagen gefordert, die stehlenden Asylbewerber abzuschieben. Gotthardt wörtlich: „Was da passiert, schädigt unseren Einzelhandel massiv und ist auch nicht als Lappalie zu entschuldigen.“ Er sei der Ansicht, dass Asylbewerber Regeln akzeptieren müssten. „Wer diese Regeln massiv und mutwillig ignoriert, hat sein Gastrecht in Eigenverantwortung verwirkt. Die Folge kann nur Abschiebung sein.“
Edeka-Chef aus Regensburg: Das war das Ziel meines Asyl-Appells
Edeka-Kaufmann Konstantin Gatzke tut der Beistand aus der Politik gut. „Das freut mich natürlich“, sagt er der MZ. „Das war ja genau das Ziel meines Appells: dass die Politik etwas macht.“ Tobias Gotthardt habe sich bereits direkt an ihn gewandt, sagt Gatzke. Die beiden wollen sich treffen − fix sei allerdings noch nichts. Das bestätigt auch Gotthardt auf MZ-Anfrage. Ein Treffen sei ohnehin schon länger vereinbart gewesen.
Was die Asylpolitik angeht, sei das Land meist nur „Mittler der Bundesregierung“, betont Gotthardt, der Staatssekretär im Wirtschaftsministerium ist. Allerdings könnten Landesbehörden wie die Polizei dafür sorgen, die bestehenden Regeln durchzusetzen.
Post sorgte für Aufmerksamkeit
Gatzkes Post hatte kurz vor Weihnachten für viel Aufmerksamkeit gesorgt, nach einem MZ-Bericht griffen viele überregionale Medien den Fall auf. Die mediale Aufmerksamkeit hatte zum Teil unschöne Folgen für Gatzke. Der Edeka-Kaufmann wurde im Internet bedroht. Zum Teil erhielt er persönliche Anfeindungen – auch gegen seine Familie, sagt er. Im Fall einer sehr konkreten Bedrohung geht er von einem linken Hintergrund aus, so Gatzke. Der Edeka-Kaufmann löschte daraufhin den Post – auch um sich vor weiteren Anfeindungen zu schützen.
Auf MZ-Anfrage teilt Edeka mit, dass Gatzke für sich selbst spricht – und nicht für den Verbund der Supermärkte. Bei der Edeka ist es so, dass die Filialen meist von selbstständigen Kaufleuten geführt werden, die in ihren Entscheidungen sehr frei sind. Das gilt auch für Gatzke. Er betont, dass er sich durch das Edeka-Statement nicht im Stich gelassen fühle. „Die stehen hinter mir.“ Er stehe im regelmäßigen Austausch mit der Pressestelle.
Polizei bestätigt Problem mit Asylbewerbern
Die Behörden bestätigen den Eindruck Gatzkes, der von Flüchtlingen berichtet, die täglich Waren im Wert von rund 300 Euro stehlen. Laut Polizei komme es seit Herbst vermehrt zu Diebstählen im Einzelhandel. Dahinter stecken den Beamten zufolge häufig Menschen aus den Maghrebstaaten, also aus dem nordafrikanischen Raum. Die Staatsanwaltschaft hat für diese Mehrfach-Intensivstraftäter eine eigene Stelle gebildet, die sich ausschließlich mit dieser Gruppierung beschäftigt.