Vergütung für Notarztdienst steigt: Therapiert das die Versorgungslage im Kreis Kelheim?

Von Martina Hutzler · 28. Dezember 2023 um 19:01

Einen „Notarzt-Einsatz in eigener Sache“ gab es im im Frühsommer 2023 in Mainburg: ein Gespräch mit Bayerns Innenminister Herrmann über Arbeitsbedingungen, Vergütungen und Besetzungslücken im Notarztdienst.

Auch deshalb steige nun zum 1. Januar die Vergütung, freut sich jetzt die damalige Organisatorin des Gesprächs, Kelheims Landtagsabgeordnete Petra Högl. Herrmanns damaliger Gesprächspartner und Mainburger Notarzt Dominik Treffer, sieht hingegen die Lage weiter angespannt – und hat für sich Konsequenzen gezogen.

In zwei Etappen steigt in Bayern die Gesamtvergütung für den Notarztdienst, teilt die Kelheimer Landtagsabgeordnete Petra Högl unter Berufung auf Innenminister Herrmann mit: „Die zuständigen Verhandlungspartner, die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) und die in Bayern tätigen Sozialversicherungsträger als Kostenträger des Rettungsdienstes, haben sich auf eine Anhebung der Gesamtvergütung für den Notarztdienst um 17,6 Prozent ab dem 1. Januar 2024 und um weitere 7 Prozent im Jahr 2025 verständigt.“ So steige die Grundpauschale, mit der der Bereitschaftsdienst vergütet wird, von aktuell 25 auf 27,50 Euro pro Stunde; der Nachtzuschlag in der Zeit zwischen 20 und 8 Uhr von 2,50 auf 7,50 Euro pro Stunde. Auch die Zuschläge für den Notarztdienst an Wochenenden und Feiertagen sowie die einheitliche leistungsbezogene Einsatzpauschale je behandeltem Patienten würden „deutlich erhöht“.

„Freue mich über Einigung“

Dass solche Verbesserungen nötig seien, habe auch das Fachgespräch im Mai deutlich gemacht, bei dem Minister Herrmann auf regionale Akteure aus dem Rettungs- und Notarztdienst traf, schreibt Högl, die damals nach Mainburg eingeladen hatte: „Einer der Schwerpunkte des Expertengesprächs war die langfristige Sicherstellung der notärztlichen Versorgung in der Region“ – dafür brauche es auch eine leistungsgerechte Vergütung, die den Dienst für Notärztinnen und Notärzte wieder attraktiver mache.

Deutlich weniger euphorisch äußert sich der damalige Teilnehmer am Runden Tisch, Notarzt Dominik Treffer, der bis Ende August als Notarzt am Mainburger Krankenhaus angestellt war. Die neuen Vergütungssätze seien „ein ,Weiter so‘“ für etwas mehr Geld. Zum Beispiel 2,50 Euro mehr in der Stunde im Bereitschaftsdienst seien kein großer Wurf. Vor allem „am Land“ bleibe das Problem, dass pro Schicht oft nur wenig Einsätze anfallen und diese damit mager vergütet wird.

„Reform wäre nötig“

Treffer kritisiert aber auch fehlende Bereitschaft, den Notarztdienst zu reformieren. Der promovierte Mediziner hatte vor und in dem Gespräch mit Herrmann auf die großen Schwierigkeiten hingewiesen, alle Notarzt-Standorte rund um die Uhr zu besetzen. Das erhöhe die Zahl der Vertretungs-Einsätze an Nachbar-Standorten und damit auch die Anfahrtszeit zum Notfallpatienten.

Deshalb müsse man sich auch fragen, „ob wir noch zu jedem Bluthochdruck den Notarzt hinschicken können?“ Sinnvoller sei es, den Notfallsanitätern mehr Kompetenzen zubilligen. Dazu ermutigte in dem Mainburger Gespräch auch Kelheims BRK-Kreisgeschäftsführer Christoph Kühnl: „Trauen Sie unseren Leuten was zu“, hatte er beim Innenminister für mehr Befugnisse des „gut ausgebildeten Rettungsdienst-Personals“ geworben.

In einem sind sich Politik und Akteure einig: Die Notarzt-Standorte rund um die Uhr zu besetzen, werde eine große Herausforderung bleiben – Gründe dafür seien neben dem Geld auch „die sich verändernde Work-Life-Balance bei den Ärzten, der vorhandene Fachkräftemangel oder auch der demografische Wandel, mit immer mehr älteren Menschen, die medizinisch versorgt werden müssen“, so MdL Högl.

Einer jedenfalls ist dem präklinischen Versorgungssystem abhanden gekommen: Dominik Treffer arbeitet zwar an einer anderen Klinik wieder als angestellter Notarzt. Aber freiberufliche Notarzt-Schichten im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung schiebt er nicht mehr. Und auch standespolitisch engagiere er sich nicht mehr, schiebt er hinterher: „Das Thema Notarzt-System findet meiner Meinung nach in der Politik und in der Öffentlichkeit keinen Anklang – obwohl es so wichtig wäre.“