Freie Fahrt fürs Deutschlandticket im Landkreis Kelheim – zumindest bis Ende April 2024

Das Deutschlandticket hat auf alle Fälle bis 30. April 2024 freie Fahrt in Kelheim: Anders als im Landkreis Stendal sieht man in Kelheim keine finanziellen Belastungen für die Landkreis-Kasse. Ganz im Gegenteil, erklärt der ÖPNV-Fachmann des Landratsamts, Stefan Grüttner.
Mit dem Deutschland-Ticket (DT), das 49 Euro im Monat kostet, kann man bundesweit den Öffentlichen Nahverkehr nutzen. Es erspart Passagieren, sich in die kleinräumigen Tarifsysteme der einzelnen Verkehrsverbünde hineinzufuchsen und ist für alle, die öfter mal mit Bus und Bahn regional unterwegs sind, kostengünstiger. Letzteres bekommen auch Landkreise wohlig zu spüren – insbesondere bei der Schülerbeförderung.
Wer als Fahrschüler/in eine weiterführende Schule besucht, bekam vom Landkreis Kelheim früher meist eine VLK-Schülermonatskarte. Heute stattet das Landratsamt Kids mit Beförderungsanspruch mit einem DT aus – und fährt mit dem Kauf dieses 49 Euro-Tickets in aller Regel kostengünstiger als früher mit den entfernungsabhängig berechneten Monatskarten. In der ÖPNV-Sitzung im Juli wurde die Ersparnis mit 650.000 Euro jährlich beziffert.
Bund und Länder subventionieren
Damit solche bundesweit entstehenden Einnahmeverluste nicht an den Verkehrsunternehmen hängen bleiben, hatten sich Bund und Länder 2023 darauf geeinigt, die Mehrkosten je zur Hälfte zu übernehmen. Maßstab für die Berechnung des Differenzbetrags sind derzeit, vereinfacht gesagt, die Fahrgeld-Einnahmen des Jahres 2019 – es war das letzte „normale“ ÖPNV-Jahr vor Corona und vor der DT-Einführung, erklärt Stefan Grüttner, Leiter der Stabsstelle Mobilität am Kelheimer Landratsamt.
Der Ausgleich zwischen den DT-Verkaufseinnahmen und den tatsächlichen Beförderungskosten, die den vielen Akteuren in der ganzen Republik entstehen, ist im Detail ziemlich kompliziert. Die Landratsämter fungieren dabei als eine Drehscheibe für die Abrechnung zwischen den Verkehrsunternehmern und dem Staat.
Kein Zuschussbedarf aus Kelheims Kreiskasse
Das verursacht laut Grüttner zwar Personalkosten; unterm Strich aber fahre der Landkreis mit dem DT kostengünstiger, bestätigte er auf Nachfrage von Kreisrat Josef Reiser in der jüngsten Kreistagssitzung. Ungedeckte Kosten für den Kreishaushalt gebe es unterm Strich deshalb bislang nicht, weshalb im Haushaltsentwurf für 2024 dafür auch kein Geld eingeplant sei. Der Ausstieg des Landkreises Stendal aus dem System sei bislang einmalig in Deutschland und kaum nachvollziehbar; „dort gibt es vermutlich wenig ÖPNV“, konnte Grüttner nur mutmaßen.
Der Kelheimer Kreistag stimmte denn auch der verwaltungsmäßigen Umsetzung des DT-Systems im Landkreis Kelheim (in Form einer „allgemeinen Vorschrift“) fast einstimmig zu.
Diese „allgemeine Vorschrift“ gilt bis zum 30. April 2024 – denn vorerst nur bis zu diesem Datum gilt auch die grundsätzliche Verständigung von Bund und Ländern, die Mehrkosten des DT gemeinsam zu tragen. Wie es dann – angesichts der massiven Haushalts-Probleme der Bundesregierung – mit dem 49-Euro-Ticket weitergeht, steht noch in den Sternen. Fachleute wie Stefan Grüttner erwarten, dass der Preis fürs DT wohl steigen wird; sie gehen aber nicht davon aus, dass das DT wieder abgeschafft wird und Deutschland zur Ticket-Kleinstaaterei zurückkehrt.