Bandendiebstahl beim Kuchlbauer: Bier im Wert von 100.000 Euro in Depot geschafft?

Vor einem Jahr flog der mutmaßliche Bandendiebstahl auf: Vier Mitarbeiter der Brauerei Kuchlbauer in Abensberg (Landkreis Kelheim) sollen Bier in großen Mengen geklaut und teils weiterverkauft haben. Die jetzt abgeschlossenen Ermittlungen liefern auch Erkenntnisse, wie die Beschuldigten vorgingen.
Drei Bierfahrer und ein Lagerist – im Alter zwischen 50 und 64 Jahren – taten sich zusammen, um ihren Arbeitgeber zu bestehlen. Davon geht zumindest die Staatsanwaltschaft Regensburg aus. Alle vier Beschuldigten stammen aus dem Landkreis Kelheim. In wechselnder Zusammensetzung klauten sie palettenweise Bier, um es selbst zu verbrauchen oder weiterzuverkaufen, so laut Strafverfolgungsbehörde die Tatvorwürfe.
Nach den Ermittlungserkenntnissen gingen die vier Männer dabei so vor: Stand eine Bier-Ausliefertour an, luden die Beschuldigten jeweils eine oder zwei Paletten mehr auf den Lkw der Brauerei als benötigt wurden. Auf der Tour legten sie einen Zwischenstopp an einem angemieteten Container bei einem Wertstoffhof im Landkreis ein. Dort sollen sie die überzähligen Bierpaletten deponiert haben. Später bedienten sie sich in ihrem Lager – wie erwähnt für den Eigenbedarf oder zum Weiterverkauf. Einer der Beschuldigten soll nach Informationen der Mediengruppe Bayern über diese Bezugsquelle seinen eigenen Gastronomiebetrieb versorgt haben.
Vorwurf: Ein Beschuldigter an über 150 Fällen beteiligt
Hinter den Ermittlern liegt eine akribische Arbeit. „Die Fahrtenbücher mussten aufwendig ausgewertet werden, um festzustellen, wann welche Beschuldigten welche Touren fuhren“, erklärt der Regensburger Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher. Zudem lagen zwei Nachermittlungsanträge von Verteidigern vor. Letztlich wurde Tour für Tour herausgefiltert – bei einem aus dem Quartett soll die Beteiligung bei über 150 Einzelfällen liegen. Damit reichen die Tatvorwürfe in den „schweren Bandendiebstahl“ hinein. Ein anderer Belangter wiederum war nur bei wenigen Touren zugegen.
Ähnlich mühsam wie die Erhebung der Touren war die Feststellung der gestohlenen Biermenge. Hier spricht die Staatsanwaltschaft in Regensburg von rund 180 Paletten (zu je 40 Kästen, was 7200 Kästen ergebe) in einem Gesamtwert von 100.000 Euro. Als Tatzeitraum wurden die Jahre 2019 bis 2022 eingegrenzt. Als die Taten im November 2022 aufflogen, wurden Wohnungen, Autos und Spinde der vier Mitarbeiter durchsucht.
Auch ein Verfahren wegen Hehlerei
Einem der Beschuldigten wird zudem gewerbsmäßige Hehlerei zur Last gelegt. Hinsichtlich der Abnehmer konnten keine Anhaltspunkte gefunden werden, die ausreichend für ein Ermittlungsverfahren gewesen wären, erläutert Rauscher. Gegen zwei Personen wurde zunächst wegen des Anfangsverdachts der Hehlerei ermittelt.
Von den vier beschuldigten Mitarbeitern sollen sich zwei zu den Vorwürfen geäußert und Tatbestände eingeräumt haben. Ein Geständnis kann sich strafmildernd auswirken. Einem „Bandendiebstahl“ macht sich laut Strafgesetzbuch (§ 244) schuldig, „wer als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Raub oder Diebstahl verbunden hat, unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitglieds stiehlt“. Bei einer Verurteilung kann die Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahre betragen.
Brauerei-Chef: Mitarbeiter nicht mehr im Betrieb
Jacob Horsch, Inhaber und Geschäftsführer der Brauerei Kuchlbauer (rund 80 Beschäftigte), erklärte auf Anfrage der Mediengruppe Bayern, „dass die vier beschuldigten Mitarbeiter nicht mehr dem Unternehmen angehören“. Weitere Angaben machte er mit Verweis auf die laufenden Verfahren nicht.
Für die Beschuldigten gilt auch nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen, selbst soweit sie geständig sind, die Unschuldsvermutung, hält die Staatsanwaltschaft fest.