Diebstahl beim Kuchlbauer in Abensberg: Wie viel Bier zapften Mitarbeiter ab?

Von Martin Rutrecht · 24. Mai 2023 um 15:00

Sie beklauten ihren eigenen Arbeitgeber: Vier Mitarbeiter der Brauerei Kuchlbauer in Abensberg (Landkreis Kelheim) stehen unter dem Verdacht, Bier entwendet und weiter verkauft zu haben. Die Ermittlungen steuern nach einem halben Jahr auf den Abschluss zu.

Dem Vorwurf des „schweren Bandendiebstahls“ sehen sich drei Bierfahrer und ein Lagerist der Brauerei ausgesetzt. Seit mindestens September 2022 zweigten sie Getränke in größeren Mengen ab und verkauften diese weiter, so die Anschuldigung. Im November flog das Quartett auf. Autos, Wohnungen und die Spinde der vier Mitarbeiter, die alle aus dem Landkreis Kelheim stammen, wurden durchsucht, um ihrem Treiben auf die Schliche zu kommen. Zudem wurden Handys ausgewertet.

„Die Ermittlungen sind im Wesentlichen abgeschlossen“, erklärt der Regensburger Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher zum aktuellen Stand. Unter anderem mussten Polizei und Staatsanwaltschaft noch der Nachfrage eines Verteidigers nachgehen, welcher der Mitarbeiter bei einer konkreten Ausfahrt der Bierfahrer war. Wie Rauscher auch sagt, „ist es nicht ganz einfach festzustellen, ob bzw. welche Mengen in der Vergangenheit abhandengekommen sind“.

Wie konnten sie es verschleiern?

Öffentlich benannt wurde bislang ein Fall von einer Palette mit 40 Kasten Bier. Die Frage der Mediengruppe Bayern, ob es nicht Aufzeichnungen über Auslieferungen geben müsse, ließ der Oberstaatsanwalt unbeantwortet. Wie die vier Mitarbeiter bei ihren Diebstählen vorgingen und wie sie das Entwenden verschleiern konnten, beschäftigt die Ermittler nachhaltig.

Als Abnehmer des Diebesguts sind bisher laut Oberstaatsanwalt zwei Personen bekannt. Gegen sie wird wegen des Anfangsverdachts der Hehlerei ermittelt. Nicht in allen Fällen verkauften die beschuldigten Beschäftigten die geklauten Getränke weiter.

Brauerei-Chef äußert sich nicht

Die Brauerei in Abensberg äußert sich gegenüber unserer Zeitung trotz mehrerer Anfragen bislang nicht zu den Vorgängen. Geschäftsführer Jacob Horsch verweist auf laufende Ermittlungen. „Erst wenn diese abgeschlossen sind, kann über tatsächliche Sachverhalte gesprochen werden.“ Er will auch „zum Schutz der Angehörigen“ der Belangten nichts sagen. Kuchlbauer zählt rund 80 Beschäftigte und eine Jahresproduktion von 130.000 Hektoliter.

„Der zuständige Staatsanwalt wird das Verfahren nunmehr abschließend bearbeiten“, erklärt Rauscher. Die sogenannte Abschlussverfügung (Anklage, Strafbefehl, Einstellung des Verfahrens) setzt einen vorläufigen Haken unter die Tätigkeit der Ermittlungsbehörde. Einem „Bandendiebstahl“ macht sich laut Strafgesetzbuch (§ 244) schuldig, „wer als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Raub oder Diebstahl verbunden hat, unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitglieds stiehlt“.