Neustadt a.d. Donau feierte einen Geburtstag, wie es ihn nur alle 750 Jahre gibt

Es war das große, das seit langem geplante Jubiläumsjahr, die die Bürgerinnen und Bürger haben es genossen. Vor 750 Jahren wurden Neustadt a.d. Donau (Landkreis Kelheim) die Stadtrechte verliehen und die Prominenz gab sich ein Stelldichein. Die Menschen feierten und wurden vortrefflich unterhalten.
„Dieses Jahr hat uns gezeigt, wie stolz wir sein können auf unsere Geschichte, unsere Stadt und die Menschen in Neustadt“, stellte Bürgermeister Thomas Memmel zum Ende des Jubiläumsjahres fest. Es waren aufregende Monate, die die Neustädter erlebten. Es war alles etwas größer und üppiger als sonst und es gab einfach mehr zu erleben. Konzerte, Vorträge, herrschaftlicher Besucher und vieles mehr.
Die Geschichte der Stadt stand im Mittelpunkt des Jahres. Mitte April wurde der Geschichtsweg eröffnet – ein Rundweg in der Innenstadt, der mit kurzweiligen Hörspielen, die übers Smartphone abgespielt werden können, Themen aus der Stadtgeschichte erzählt. Eintauchen in die Geschichte konnte man auch bei zahlreichen Vorträgen, die die Mitarbeiter des Stadtarchivs in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule und Georg Köglmeier von der Universität Regensburg organisiert hatten.
Doch es ging nicht nur um Fakten. Immer wieder wurde Musik geboten – zum Beispiel beim Musikalischen Stadtspaziergang, bei dem Ensembles der Neustädter Musikschule ihr Können zeigten. Oder an lauen Sommerabenden mit den „Blasmusik-Serenaden“.
Ein erster Höhepunkt der Feierlichkeiten war der Festakt am 11. Mai – dem Tag, an dem Herzog Ludwig der Strengen vor 750 Jahren die Stadtrechte verlieh. Zahlreiche Ehrengästen aus Vereinen, Kirche, Politik, Wirtschaft und Verwaltung nahmen daran teil – auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und Prinz Wolfgang von Bayern aus dem Hause Wittelsbach.
Ein sportliches Großereignis folgte im Juni. Zum ersten Mal fand ein Triathlon in Neustadt a.d. Donau statt. Die Triathlon-Abteilung des TSV Bad Gögging organisierte das Sportevent. 150 Sportlerinnen und Sportler nahmen teil. Aufgrund des Erfolgs soll es im kommenden Jahr erneut einen Triathlon geben.
Drei Tage gefeiert
Das Jubiläumsjahr setzte auch sonst Energien frei. Das Stadtfest wurde größer als je zuvor. Es erstreckte sich nicht nur über Stadtplatz und Kirchplatz sowie die Herzog-Ludwig-Straße sondern über die Wallanlage bis zum Volksfestplatz. Drei Tage lang wurde gefeiert. Höhepunkt war der große Festzug am Samstagnachmittag. Rund zwei Stunden lang schlängelte sich der Zug, den nach Schätzung von Bürgermeister Thomas Memmel 20.000 Zuschauer miterlebten, durch die Innenstadt.
Zum Stadtfest gehörte auch das Neustadt-Treffen, zu dem 1000 Gäste aus den Neustadts, die Teil der Städtefreundschaft „Neustadt in Europa“ sind, kamen. Außerdem kamen auch in diesem Jahr zum Stadtfest die Freunde aus der italienischen Partnerstadt Recoaro Terme. Gemeinsam mit vielen Neustädter Vereinen sorgten sie für eine bis dahin nicht erlebte Vielfalt beim Stadtfest.
Auch der Stadtgraben spielte eine große Rolle im Programm des Jubiläumsjahres. Auf der Bühne im Stadtgraben gab es Lesungen und Konzerte – auch mit hochkarätigen Künstlern wie Werner Schmidbauer und Luise Kinseher.
Einen besonderen Blick auf die Geschichte der Stadt bot schließlich das eigens für das Jubiläumsjahr verfasste Stück „Stadt der Seligen“: Autorin Steffi Kammermeier entwickelte rund um das historische Ereignis eine unterhaltsame Geschichte.
Mit über vierzig Darstellern sowie weiteren Helfern wurde die Entstehung Neustadts als Volksstück mit historischem Bezug kurzweilig und vor allem humorvoll erzählt, wobei insofern das Talent Steffi Kammermeiers als Autorin unter anderem für das Chiemgauer Volkstheater zum Tragen kam. Die Geschichte rund um Ulrich, den Grill von Marching, spielte nicht nur im Steinbruch in Marching, sie wurde auch dort aufgeführt.
Silberschatz in Heiligenstadt
Für Familien und Kinder gab es zudem ein besonderes Programm: Die „Familienkulturwoche“ vom 5. bis 10. September und damit am Ende der Sommerferien hatte jeder Tag ein anderes Angebot rund um Musik, Kultur und Kreativität im Gepäck.
Zum Abschluss des Jubiläumsjahres kam auch noch die Kunst. Im Kulturhaus Storchenwirt wurden Werke von Li Helma Trieb gezeigt. Die gebürtige Neustädterin war in der Welt der Kunst ein großer Name: Die Werke von Li Helma Trieb genießen internationales Renommee. Unter anderem wird auch der ehemalige Arbeitsplatz der Künstlerin wiederaufgebaut – mit einem unvollendeten Werk. Und ganz zuletzt gab es sogar noch einen echten Schatz zu bewundern. Ein Ehepaar aus Heiligenstadt hatte bei Erdarbeiten auf dem eigenen Grundstück 313 Silbermünzen gefunden. Die Prägungen stammen alle aus dem 13. Jahrhundert, dem Jahrhundert also, in dem Neustadt gegründet wurde.
„750 Jahre Stadtrechte“ waren ein großer Geburtstag. Es wurde viel gefeiert. Sicher ist, so eine Feier wird es nicht so schnell wieder geben.






