Geburt des ersten Kindes, Großprojekte und Geplantes: Alexandra Riedl im Interview

Ohne Spontanität geht es nicht als Bürgermeisterin – das hat Alexandra Riedl, die seit 1. Mai 2020 die Geschicke im Rodinger Rathaus leitet, schon häufig erfahren. Denn oft kommt es anders als geplant, auch ohne Einfluss der Stadt. So ist nach einem Eigentümer-Wechsel die angedachte Edeka-Ansiedlung am Mußkönig Geschichte, Riedl hofft nun, im Gewerbegebiet an der Kagerstraße oder an anderen Stellen in der Stadt Möglichkeiten für großflächigen Einzelhandel ermöglichen zu können.
Aber es gab für sie im zu Ende gehenden Jahr auch viel Grund zur Freude, vor allem wegen der Geburt ihres Söhnchens Theo, aber auch in der Stadtpolitik, wo viele Großprojekte umgesetzt werden konnten. Was sie besonders bewegt hat und wo die Herausforderungen für das kommende Jahr sind, verriet sie in einem Interview mit unserer Zeitung.
Ihr großes Highlight in diesem Jahr ist sicher nicht schwer zu erraten.
Riedl: Das stimmt, es war natürlich die Geburt unseres ersten Kindes. Theo ist unser großer Sonnenschein, der uns jeden Tag unglaublich viel Freude macht.
Familie und Beruf
Sie haben die Herausforderung angenommen, Familie und Beruf zu verbinden, als Bürgermeisterin nicht unbedingt alltäglich. Wie läuft´s bisher?
Riedl: Sehr gut, sogar besser, als ich erwartet habe. Wir haben uns das so eingerichtet, dass es passt. Mittwochs bin ich immer im Homeoffice und erledige die Büroarbeiten, die anderen Wochentage im Büro sind meist voll mit Terminen. Zugute kommt uns, dass Theo sehr unkompliziert und gerne unter Leuten ist. Und mein Mann und die beiden Großeltern-Paare helfen uns sehr.
Nach dem Mutterschutz wieder ins Büro zurückzukehren war also nicht schwierig?
Riedl: Natürlich fällt es mir als Mutter schwer, wenn ich morgens ins Rathaus fahre und Theo daheim bleibt. Aber ich mache den Job sehr, sehr gerne, es macht mir viel Spaß und ich will für die Rodinger Bürger da sein und helfen, wo es geht. Und wie gesagt, wir haben das so organisieren können, dass es sehr gut funktioniert. Danken möchte ich in diesem Zusammenhang noch einmal meinen Stellvertretern und der Mannschaft im Rathaus, die die Dinge während meines Mutterschutzes so toll am Laufen gehalten haben. Und vor allem auch den Bürgern, die sich so mit uns über die Geburt von Theo gefreut haben, wir haben unzählige Glückwünsche bekommen.
Zuversicht bei Freibad
Zur Lokalpolitik: In Roding hat sich in diesem Jahr viel getan, die weitere Planung gestaltet sich aber als schwierig, da wegen des großen Haushaltslochs im Etat der Bundesregierung noch nicht klar ist, welche Förderungen eventuell gekürzt werden oder wegfallen.
Riedl: Das stimmt, wir haben deshalb auch die Haushaltsberatung im Stadtrat auf Januar geschoben, zumal der Bescheid mit den Vorgaben für die Stabilisierungshilfen erst vor kurzem gekommen ist. Wir werden unsere laufenden Projekte durchziehen, ob und wo wir künftig Einsparungen machen müssen, wird sich zeigen. Es kann sein, dass wir Prioritäten setzen und einige Projekte verschieben oder sogar vorerst darauf verzichten müssen, was ich aber nicht hoffe.
Das größte derzeit laufende Projekt ist die Sanierung und Attraktivierung des Freibads. Wie ist die Lage auf der „Platschare“-Baustelle?
Riedl: Wir sind ein wenig hinter dem Zeitplan zurück, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir wie geplant am 1. August wieder eröffnen können. Es muss noch nicht alles perfekt sein, aber das Freibad soll in den Ferien unbedingt von Familien genutzt werden können. Die Firmen arbeiten sehr gut, ich denke, es wird klappen.
Große Investitionen stehen und standen auch bei den Feuerwehren im Stadtgebiet an.
Riedl: Ja, die Feuerwehr Mitterdorf ist fertig, in Altenkreith haben wir vor kurzem das Richtfest feiern können. Und in Wetterfeld steht der Neubau des Feuerwehrgerätehauses an, die Pläne sind im Stadtrat einstimmig genehmigt worden.
Genutzt werden kann nun die Fußgänger- und Radwegbrücke über den Regen, nachdem die Stadt auf der Mitterdorfer Seite eine provisorische Rampe gebaut hat.
Riedl: Das war die absolut richtige Entscheidung. Es ist nicht absehbar, wann die eigentliche Lösung, die im Zuge des Hochwasserschutzes umgesetzt werden sollte, kommt. Ein halbfertiges Projekt und eine Brücke, die nicht genutzt werden kann, nützt aber niemanden. Also mussten wir als Stadt Geld in die Hand nehmen und es selber machen. Vor allem im Sommer wurde die Brücke auch sehr rege genutzt, das zeigt, wie wichtig sie als zusätzliche Verbindung von Roding und Mitterdorf ist.
Ein weiteres Großprojekt, das der Stadtrat beschlossen hat, ist der Bau einer neuen Grundschule mit Kindergarten und -krippe. Wie ist der aktuelle Sachstand?
Riedl: Wir sind nach wie vor auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück, was alles andere als einfach ist. Dass wir die neue Schule brauchen, steht außer Frage.
Thema Einzelhandel: Viele Rodinger wünschen sich einen Edeka-Markt im Stadtgebiet zurück. Ursprünglich war eine Ansiedlung Am Mußkönig geplant, zuletzt wurde das Thema aber nicht mehr aufgegriffen.
Riedl: Das Grundstück hat jetzt einen anderen Besitzer. Die Stadt hat damit keinerlei Einfluss mehr, was dort passiert. Wir möchten aber trotzdem wieder einen Edeka in Roding, es kann nicht der Sinn der Sache sein, dass die Bürger nach Schorndorf oder Cham fahren müssen, um Lebensmittel einzukaufen. Auch von Edeka kommt nach wie vor das klare Signal, nach Roding zu wollen. Also müssen wir eine andere Lösung suchen.
Edeka an der Kagerstraße?
Beispielsweise an der Kagerstraße Nord, wo im Bebauungsplan nun auch die Ansiedlung von großflächigem Einzelhandel vorgesehen ist?
Riedl: Das könnte eine Lösung sein, direkt neben der Bundesstraße und durch die Synergieeffekte, die mit den anderen Projekten wie Baumarkt oder Fast-Food-Lokal dort entstehen würden. Wir hoffen, dass wir die entsprechenden Genehmigungen von der Regierung der Oberpfalz und den Fachstellen bekommen.
Bis wann wird eine Entscheidung fallen?
Riedl: Spätestens im Frühjahr werden wir klarer sehen.
Wann wird sich an der Kagerstraße Nord allgemein etwas tun?
Riedl: Es zieht sich alles, einen Bebauungsplan aufzustellen und die Einwände abzuarbeiten dauert seine Zeit. Aber ich bin sicher, dass wir spätestens Ende des kommenden Jahres dort Bagger sehen werden.
Im Stadtrat werden meist einstimmige Beschlüsse gefällt. Wie würden Sie die Stimmung im Gremium bewerten?
Riedl: Gut, ich bin sehr zufrieden. Es wird oft diskutiert, aber das soll auch so sein. Ich möchte, dass jeder seine Meinung sagt. Oft finden sich so auch noch Verbesserungen, die eingebaut werden können.
Trotz aller Spontanität, die gefragt ist, ist auch schon ein bisschen Routine, etwa bei der Sitzungsführung, eingekehrt?
Riedl: Ja, natürlich. Am Anfang war es neu, vorne zu sitzen und mit vielen Fragen konfrontiert zu werden. Mittlerweile bin ich da aber denke ich schon routinierter geworden, das Gremium macht es mir auch nicht schwer. Und ich weiß jetzt auch bei vielen Dingen, wen ich dazu fragen kann und kenne die Hintergründe aus der Vergangenheit.
Edeka: „Roding spielt bei Überlegungen eine Rolle“
„Keine Spekulationen“: „Wir beteiligen uns grundsätzlich nicht an Spekulationen“, heißt es auf Anfrage von der Pressestelle der Edeka Südbayern Handels Stiftung & Co. KG.
„Wird rechtzeitig kommuniziert“: Sofern eine Entscheidung für einen Standort getroffen wurde, werde dies rechtzeitig an unsere Kunden kommuniziert.
Immer wieder eröffnen neue Märkte: Das gesamte Verkaufsstellennetz werde regelmäßig auf Optimierungspotenzial überprüft. Aufgrund unterschiedlicher Veränderungen sei das Verkaufsstellennetz nicht statisch. Märkte würden modernisiert, verlagert, geschlossen und immer wieder würden auch neue Märkte eröffnet.
Roding im Fokus: Vor diesem Hintergrund teilt das Unternehmen mit, dass auch Roding innerhalb der Überlegungen eine Rolle spielt.