Landratsamt Kelheim ist auf Herbergssuche für Geflüchtete – will aber Turnhallen meiden

Von Martina Hutzler · 21. Dezember 2023 um 15:37

Trotz angespannter Unterkunfts-Situation sollen im Landkreis Kelheim im Winter möglichst keine Turnhallen als Notunterkünfte für Geflüchtete beansprucht werden. Aktuell sind knapp 3400 Menschen mit Flüchtlingsstatus im Landkreis untergebracht.

Aktuell steht – wie das ganze Land – der Landkreis Kelheim vor deutlich größeren Herausforderungen als in der „Flüchtlingskrise“ 2015. Mit 3366 Geflüchteten (Stand 24. November) beherbergt Kelheim derzeit fast doppelt so viele Menschen wie damals (1805).

Die meisten Schutzsuchenden stammen nach wie vor aus Syrien (1285), gefolgt von derzeit 1122 Menschen aus der Ukraine. Diese bekommen, gemäß einer EU-Richtlinie, direkt, ohne Asylverfahren, vorübergehenden Schutz und Aufenthaltsberechtigung. 565 Personen im Landkreis fallen aktuell als Asylbewerber oder „Geduldete“ unter das Asylbewerber-Leistungsgesetz. Die übrigen in der Flüchtlingsstatistik sind bereits anerkannt bzw. kamen im Rahmen des Familiennachzugs nach Deutschland.

Gemeinschaftsunterkünfte in Abensberg, Riedenburg, Kelheim,Saal

Somit wird es eng in den Quartieren im Landkreis, berichteten Abteilungsleiterin Alexandra Adolph und Sachgebietsleiter Christoph Dietl vom Landratsamt nun dem Kreistag. Die Regierung von Niederbayern betreibt vier Gemeinschaftsunterkünfte in Abensberg, Kelheim, Saal und Riedenburg mit insgesamt 540 Plätzen. Davon sind 481 belegt, wobei die übliche Fluktuation für einen Teil der freien Plätze verantwortlich ist.

„Brandhalle“ in Mainburg ist Notunterkunft

Knapp werden auch die Kapazitäten in den dezentralen Unterkünfte, die das staatliche Landratsamt im Auftrag des Freistaats zu organisieren hat. 42 hat das Team von Christoph Dietl aktuell im Register, dazu als Notunterkunft die „Brand-Halle“ in Mainburg. Unterm Strich sind das rechnerisch 958 Plätze, von denen im November 720 Plätze belegt waren. Der rechnerische Leerstand von 238 Plätzen ist in der Realität kleiner – fluktuationsbedingt, und weil z.B. aufgrund von Familiengrößen nicht alle Plätze einer Unterkunft belegt werden können. Aktuell seien dezentral noch 19 Plätze frei, schilderte Sachgebietsleiter Dietl.

Ein großes Problem stellt weiterhin die Fehlbelegung in den Unterkünften dar: 467 Personen könnten und sollten sich eigentlich eine eigene Bleibe suchen, finden auf dem freien Wohnungsmarkt aber nichts. Zudem hinkt der Landkreis derzeit seinen Aufnahmeverpflichtungen hinterher: Seine Quote gemäß bayerischer „Asyl-Durchführungsverordnung“ erfülle Kelheim derzeit nur zu 83 Prozent, sagte Christoph Dietl. Zumindest bei minderjährigen Geflüchteten gab es jetzt eine gewisse Entspannung: Wie berichtet, hat für sie das BRK eine Einrichtung an der Regensburger Straße in Kelheim eröffnet.

Objekte als „Winterreserve“ gesucht

Ansonsten aber sucht das Landratsamt laufend nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten. Nicht zuletzt für die von der Bezirksregierung geforderten 170 Plätze „Winternotfallreserve“: Das sind ein oder mehrere Objekte mit 500 bis 1000 Quadratmetern Fläche, die einerseits binnen weniger Tage „aktivierbar“ sein sollen, falls die Flüchtlingszahlen sprunghaft steigen; andererseits sollen diese Objekte bis zu ihrer Aktivierung möglichst keine Kosten verursachen, schilderte Sozial-Abteilungsleiterin Adolph.

Viele Landkreise meldeten dafür Schulturnhallen und ähnliches; „das wollen wir in Kelheim vermeiden“, bekräftigte Adolph: „Wir hoffen, dass wir ein, zwei sonstige Objekte anmieten können“, sagte sie in der Kreistagssitzung. Als schwer zu kalkulierende Größe bezeichnete Landrat Martin Neumeyer den Familiennachzug. Er dankte dem Sachgebiet für die „geräuschlose Bewältigung dieser Situation“.