Schmink- und Lebenskünstlerin kehrt zu ihren Waldmünchner Wurzeln zurück

Es ist die Geschichte eines besonderen Heim- und Ankommens, das so nicht zu erwarten war, schließlich zog es Alexandra Maria Bayer jahrelang hinaus in die Welt. Die gebürtige Waldmünchnerin lebte ein Leben im Wohnwagen. Nun hat sie ihre Zelte in Untergrafenried aufgeschlagen – um zu bleiben und ihren künstlerischen Weg hier weiter zu gehen.
Waldmünchen. Da werden Erinnerungen wach. Einkaufen mit der Oma, beim Bäcker, Metzger, im Lebensmittelmarkt am Marktplatz. Anfangs war der große Bruder noch mit dabei, später bestieg sie den Bus von Regensburg nach Waldmünchen alleine. Das Sommerhaus der Großeltern Rosa und Karl in Nähe der heutigen Heiligenfeldklinik. „Ich bin immer gerne hergekommen“, sagt sie rückblickend.
Zu Fuß zur nächsten Telefonzelle
Aufgewachsen ist Alexandra Maria Bayer dann im Regensburger Ortsteil Lorenzen, als eines von drei Kindern einer Arbeiterfamilie. „Das war oft nicht leicht“, erinnert sie sich. Eingeprägt hat sich der Gang in den Nachbarort zum Telefonhäuschen, in der die Mama dann mit der Oma in Waldmünchen telefoniert hat.
Kinderpflegerin, Kinderkrankenschwester
Wohin es beruflich gehen sollte, war ihr lange nicht klar. Der erste Gedanke: Frisörin wie die Mama. Der zweite: Säuglingsschwester wäre schön. Aber da war das Mindestalter 17, sie aber erst 15. „Also habe ich Kinderpflegerin gelernt.“
Die kreative Ader, sie hat sie wohl vom Vater, einem technischen Zeichner. „Wir haben zuhause immer gebastelt und gemalt“, rückbesinnt sich Bayer. In ihrem Leben hat sich dies erst viele Jahre später Raum verschafft. Schuld: die Liebe.
Traum Intensivpflege
Dabei hatte sie andere Pläne, war einem anderen Traum ganz nah. Die Qualifikation zur Intensivkraft, sie war nach „hartem Kampf“ endlich in greifbare Nähe gerückt. „Aber es kam anders.“ Die junge Krankenschwester der Regensburger Hedwigsklinik lernt einen Künstler kennen. Seine Saisonpause im Winter gemeinsam verbringen, das eine. Aber danach?
„Trennen oder mitfahren“
„Die Frage war, trennen oder mitfahren“, taucht die Künstlerin in vergangene Zeiten ein. Sie beschloss, drei Monate unbezahlten Urlaub zu nehmen, „um das Ganze mal auszutesten.“ Es folgt Kirmes auf Kirmes, ein neues Leben unter Schaustellern. Und dann die Entscheidung: Es gibt kein Zurück. Das entsprechende Telefonat mit ihrem Arbeitgeber hat sich eingebrannt. „Ich hab‘ angerufen und gesagt, dass ich nicht mehr komme.“
Ein Leben zwischen Kirmes und Kunst
Von diesem Tag an war sie Alles: Muse des Künstlers, Organisatorin, Managerin, Moderatorin, in halb Europa. „Ich habe viel gesehen und gelernt.“
Dann der Bruch. Nach sieben Jahren beschloss sie, sich freizuschlagen und sich als Animateurin mit Schwerpunkt Kinder aus- und weiterzubilden. Was sie seinerzeit gelernt hat, in Theorie und Praxis hilft ihr noch heute. Es folgt der Entschluss, in Frankfurt ein neues, selbstbestimmtes Leben zu führen.
Dann kann der Zauberer
Dort ein neuer Wendepunkt, als sie von einer Freundin und zugleich Kindergartenleiterin animiert wird, die Kleinen beim Sommerfest zu schminken. Ein Engagement mit Folgen, entstand so über Ecken doch der Kontakt zu einem Zauberer, der noch eine Schminkerin suchte, die mit ihm auf Tournee gehe... Also erneut ein rastloses Leben. Das der erste Corona-Lockdown jäh beendete: Der Wohnmobilstellplatz wurde gekündigt.
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In den Wochen auf der Straße vor dem Haus der Mutter der Entschluss: wir suchen etwas Dauerhaftes. Aus der Zwieseler Ecke, einer ersten Idee, tasteten sie über Richtung Richtung Oberer Bayerischer Wald vor. Letztenendes wurde es Untergrafenried. „Jetzt bin ich froh“, sagt Bayer, zumal sie ihre Stammkunden in und um Schwandorf, Regensburg und Weiden gut erreichen kann. Seit das Haus 2021 auf Vordermann ist, versucht sie, auch hier mehr und mehr Fuß zu fassen.
Bei Null angefangen
Als Schmink-Künstlerin und Gesichtsmalerin hat sie „bei Null angefangen“, sich von Veranstaltung zu Veranstaltung hochgearbeitet, Klinken geputzt, sich bei Volksfesten beworben. Aber sie hat auch gemerkt: Das ist das, was ich tun möchte. Das Strahlen in den Kinderaugen, die Freude der Erwachsenen, ein wunderschönes, erfüllendes Gefühl.
Sie bildet mittlerweile aus
Mittlerweile hat es die erste Hauptberufliche ihres Standes so weit gebracht, dass sie sogar eine junge Frau ausbildet, fördert. „Sie soll mehr Starthilfe haben als ich sie hatte.“ Positiver Nebeneffekt: Die kann bei Terminüberschneidungen dann als Teil ihres Teams eingreifen. An Faschingstagen etwa könne sie sich vierteilen und die Nachfrage dennoch nicht erfüllen.
Neuer Schwerpunkt Veranstaltungen
Seit der Pandemie nimmt sie mit liebgewonnenen Ausnahmen von Volksfesten – auf eigenes Risiko – Abstand und versucht, sie durch Buchungen für Jubiläen, Feste, Veranstaltungen und durch Unternehmen zu ersetzen. Dankbar ist sie denen aus Cham, die ihre Dienste zu schätzen wüssten.
Piraten, Einhörner, alles machbar
Wenn Alexandra Maria Bayer ihren Schminkstand aufbaut, hat sie Tattoos von Schrift- und Sternzeichen bis keltischen Motiven im Angebot. Das ergänzt sich um Luftballon-Modellage und Animation. Ein Nachmittag unter dem Motto Pippi Langstrumpf, Piraten, dem Lieblingsverein oder Zirkus? Alles „lieferbar“.
Keine Angst vorm Preis
Der Preis? „Ich muss was verlangen“, sagt die Selbstständige selbstbewusst. Schließlich liefere sie ganz andere Qualität ab als „die Hausfrau oder Mama“, ohne deren Bemühungen zurückzustufen. Zudem sei der Aufwand nicht zu unterschätzen. Angst vor „Unbezahlbarkeit“ müsse niemand haben, betont sie mit Verweis auf verschieden große „Pakete“.
Hohe Qualitätsansprüche an die Farben
Ihre Tattoos – bei den Schlablonen sind Einhörner derzeit der Renner – halten bis zu einer Woche, sind dennoch in Minutenschnelle gemalt. Zudem als Prämisse aus hautfreundlicher, intensiver, schnell trocknender und waschfester Farbe, die Pflegeanleitung inklusive. Oft malt sie freihand – wenn es das gewünschte Meerschweinchen oder Firmenlogo als Vorlage nicht gibt. Dieses kreative Zeichnen ist ihr das Liebste, „wenn ich freie Hand habe, kreativ gefordert werde.“
Tattoo-Tests
Das nehmen Erwachsene gerne in Anspruch, viele um auszutesten, wie ein Tattoo wirkt, weil sie überlegen, sich eines stechen zu lassen. „Da entstehen oft tolle Gespräche“, verrät die Künstlerin, die stets und bei jedem noch so kleinen „Auftrag“ alles perfekt machen will. „Da bin ich Idealist.“ Und berühmt obendrein, steht sie doch im Guinness Buch: Künstler Toni All hat Alexandra in 134 Tagen 1648 gezeichnet – Weltrekord.
Schmink-Kunst. Diesen Begriff hat sie erfunden und geprägt, wenngleich er zwischenzeitlich vielfach „ausgeliehen“ wurde, was sie mitunter etwas ärgert. Aber Original ist und bleibt das Original – zumal, wenn es so eines ist.

