Regensburger zerpflückt die Kritik der Stadtbahngegner

Von Heike Haala · 19. Dezember 2023 um 12:00

Wo die möglichen Trassen für die geplante Stadtbahn besonders umstritten sind, ist auch die Kritik augenfällig: Etwa an den Fassaden in der Wöhrdstraße oder in Burgweinting hängen Plakate mit Argumenten gegen das Projekt. Bernd Edtmaier hält hier dagegen.

Der Mann ist ein Regensburger Busfahrerkind. Viele kennen ihn, weil er außerdem die Facebook-Gruppe „Regensburger damals“ mit inzwischen über 9000 Mitgliedern betreibt, aber auch weil er jedes Jahr einen Regensburg-Kalender mit nostalgischen Bildern herausgibt oder in Eigenregie eine Festschrift für das Jubiläum des Bürgerfestes erstellte.

Jetzt hat er zudem die Facebook-Gruppe „Mobilität in Regensburg (AG Stadtbahn Regensburg)“ gegründet. Edtmaier sagt, hinter der Stadtbahn zu stehen und deswegen auf diesem Weg über das Projekt informieren zu wollen.

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Wie laut ist die Stadtbahn?

„Ich finde, die Bürger sind oft noch zu schlecht informiert. Das machen sich die Gegner nun zu Nutze“, erklärt er. Einen offenen Krieg wolle er nicht, stattdessen sei es ihm wichtig, die Debatte auf einer sachlichen Ebene zu führen. Er stellt aber auch fest: „Bei all den Argumenten, Slogans und Bannern gibt es nun Einiges richtig zu stellen. Da kursieren viele Falschmeldungen und Unwahrheiten.“

Mit diesem Thema setzen sich die Beiträge in der Gruppe nun auseinander. Während die Gegner etwa Belästigung wegen der Lautstärke des Gefährts oder wegen des geplanten Taktes befürchten und den Nutzen von Grüngleisen in Zweifel ziehen, heißt es in Edtmaiers Gruppe zu der befürchteten Lautstärke des Elektromotors der Stadtbahn: „Interessant, dass Elektromotoren einer Stadtbahn anders surren als die des so favorisierten Elektrobusses.“ Auch der Vergleich der Stadtbahn mit der Titanic hinkt in den Augen der Mitglieder. Weiterhin argumentieren sie, dass die Betriebskosten einer Tram wesentlich niedriger ausfallen könnten als die eines Busses.

Eine ganze Broschüre mit Faktenchecks hat Edtmaier erstellt. Diese Recherche möchte er nun mit der Gruppe nach und nach unter die Leute bringen. Edtmaier befürwortet die Stadtbahn im Sinne einer notwendigen Lösung von Regensburgs Verkehrsproblem und einer Aufrechterhaltung der Mobilität – der geplanten Sanierungen der Sinzinger Autobahnbrücke oder des Pfaffensteiner Tunnels zum Trotz. Das kann in seinen Augen klappen, wenn der Autoverkehr nicht weiter steigt, der Umweltverbund gestärkt wird und die Stadtbahn das Rückgrat dafür bildet.

Edtmaier ist nicht der einzige, der sich in den vergangenen Tagen für die Stadtbahn aussprach. Auch für den Bund Naturschutz steht eine Stadtbahn für eine nachhaltige und höherwertige Mobilität, heißt es in einer Pressemitteilung zum Thema. „Bei einer richtigen Planung würden Bürger von Regensburg trotz aller baubedingten Unannehmlichkeiten und erheblicher Kosten letztendlich gewinnen“, steht darin weiter.

BN: Bäume vor Trasse

Weil die Stadtbahn aber Teil des Umweltverbundes wäre, heißt das für den Bund Naturschutz auch, dass die grüne und blaue Infrastruktur – also Bäume und Grün wie auch Wasserrückhalt und Stadtklima – zentrale Planungsbestandteile sein müssen.

Raimund Schoberer, Vorsitzender der Kreisgruppe Regensburg, schreibt, dass es baulich bedingt Eingriffe in den Baumbestand geben soll. „Diese Eingriffe müssen aber nachweislich auf ein Minimum beschränkt sein“, fordert er und schlägt vor, die Bäume im Trassenkorridor zu erheben und zu bewerten. Die wertvollen Baumbestände müssten, wo immer möglich, erhalten bleiben.

Im Zweifel müsse im Straßenraum die Trasse verschoben werden, um Eingriffe zu minimieren, verdeutlicht er. Bauliche Verdichtungen im Namen der Stadtbahn etwa im Bereich zentraler Freiflächen wie dem Pürkelgut lehne der Bund Naturschutz vehement ab. Ziel müsse eine lebenswerte Stadt sein. Dazu könne eine Stadtbahn nach Meinung Schoberers beitragen.

Auch an Hauswänden hängen Plakate gegen die Stadtbahn.