So steht es um die Kino-Pläne in Berching: Eigentümer wenden sich an Bürger

Von Bernhard Neumayer · 16. Dezember 2023 um 05:00

Der erste Kuss, der spannendste Film oder das kurioseste Ereignis im Berli: Genau nach diesen Geschichten, die Berchinger und andere Besucher im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz im Kino erlebt haben, suchen die Eigentümer. Damit wollen sie den Plänen um die Wiederbelebung des Kinos Schwung verleihen.

„Wir freuen uns über jede Erinnerung, die Kino-Besucher mit uns teilen“, sagt Michael Zink, der mit seiner Frau Stephanie das Kino im Juli 2021 von den langjährigen Betreibern Franz und Barbara Bäumel erworben hat. Zinks Ansinnen war damals wie heute, das nostalgische Kino in der Altstadt zu erhalten.

Dass das kein leichtes Unterfangen ist, hat Zink mittlerweile zu spüren bekommen – zumal der Galerist aus Waldkirchen noch eine weitere große Baustelle in Berching am Laufen hat. Die Sanierung des Engelwirts am Reichenauplatz nimmt aber immer mehr Form an, wie Bürger auch feststellen können, wenn sie am Gebäude vorbeispazieren.

Am Berli erkennt man hingegen von außen nicht, dass es vorangeht. In der Öffentlichkeit war es in den vergangenen Wochen und Monaten ruhig um das Projekt geworden. Denn es gebe schlichtweg nichts Konkretes zu berichten gegeben, vertröstete Zink unsere Zeitung auf mehrfache Anfrage hin.

Ziel des Eigentümers: Das Kino in Berching reaktivieren

Jetzt äußert sich Zink zu seinen Ideen. Auch wenn es öffentlich still um das Berli war, wurde im Hintergrund fleißig recherchiert und diskutiert. „Wir haben uns andere Kinos angeschaut, die von Vereinen oder Genossenschaften betrieben werden und mit der Unterstützung von Bürgern am Leben gehalten werden konnten“, berichtet Zink.

Das ist auch das Ziel in Berching. Denn ein Film ist im Berli schon seit mehr als drei Jahren nicht mehr über die Leinwand geflimmert.

Am 2.November 2020 hatten die damaligen Betreiber das Kino zusperren müssen – wegen Corona. Im Mai 2021 hätten sie eigentlich wieder aufmachen dürfen. Doch mangels guter Filme hatten die Bäumels die Wiedereröffnung auf den 1. Juli datiert, wie sie damals mitteilten. Als sich dann die Option mit Michael Zink ergeben hatte, gingen Franz und Barbara Bäumel in den Ruhestand.

Jetzt wollen die neuen Eigentümer gemeinsam mit einem kleinen Team die Erfahrungswerte anderer geretteter Lichtspielhäuser nutzen, um ein Konzept für das Berchinger Kino zu erstellen. Unterstützt werden sie dabei unter anderem von Heimatentwicklerin Stefanie Hofbeck.

Die Freystädterin organisiert Treffen von Unternehmern, die gemeinsam in der Region etwas bewirken wollen. Hofbeck unterstützt, berät und nutzt ihr Netzwerk, um Ideen von Heimatunternehmern zu unterstützen. Die Initiative geht von der Bayerischen Verwaltung für Ländliche Entwicklung aus.

Im Fall des Berchinger Kinos vermittelte Hofbeck den Zinks etwa einen Kontakt ins Allgäu. Dort sei ein Kino mit Hilfe von Bürgern gerettet worden, sagt Michael Zink.

Mit diesem Input soll in den nächsten Monaten ein Konzept zur Wiederbelebung des Kinos in Berching entstehen. In welche Richtung die Pläne gehen, verrät Zink noch nicht. Das sei derzeit noch zu früh. Denn es sei weiterhin ein langer Weg, das Berli zu reaktivieren. Bis dahin müsse man noch viele kleine Schritte gehen.

Erlebniskino Berli in Berching: Ein Aufruf an die Bürger

Einer davon ist der Aufruf an die Bürger, die schönsten Erinnerungen an das Berli kundzutun. Zink hat dafür eine Mailadresse eingerichtet. Wer alte Fotos des Kinos besitzt und Zink darüber informieren will oder wer seine persönliche Berli-Geschichte aufschreiben will, kann seine Inhalte an kontakt@berli-kino.de schicken.

„Wie wir diese Geschichten nutzen, um das Kino zu reaktivieren, steht noch nicht fest“, sagt Zink. Aber die Erlebnisse könnten helfen, um allen zu zeigen, wie wichtig den Berchingern ihr Kino ist.