Unterwegs mit Block und Bleistift: Daniel Stieglitz erhielt besondere Auszeichnung in Los Angeles

Von David Salimi · 10. Dezember 2023 um 15:00

Angefangen hat alles mit der Liebe zum Zeichnen. Jahre später ist Daniel Stieglitz ein deutschlandweit gefragter Karikaturist. Beim jährlichen Treffen der Karikaturisten aus aller Welt auf der ISCA Con in Los Angeles zeichnete der aus Cham stammende Künstler vor kurzem erneut die „Beste Karikatur des Jahres“.

Dass der heute 43-Jährige eine künstlerische Laufbahn einschlägt, hat sich schon früh abgezeichnet. Die Begabung zum Zeichnen habe er schon immer gehabt, erzählt er. Als kleiner Bub geht der Leidenschaft für Karikaturen zunächst eine Vorliebe für Cartoons voraus. Besonders die Asterix-Comics haben es dem damals Fünfjährigen angetan. „Da habe ich das erste Mal Feuer gefangen“, sagt Stieglitz. Später schenkt ihm sein Vater ein Poster des bekannten Karikaturisten Sebastian Krüger. „Ich weiß heute noch, wie fasziniert ich von dem Motiv war“, erinnert er sich.

Von Cham nach Kassel

Dass er seine Begabung auch beruflich nutzen möchte, wird Stieglitz schon während der Schulzeit klar. Auf der Suche nach einem geeigneten Studiengang stößt er auf das Angebot der Kunsthochschule Kassel. So zieht es den damals 19-Jährigen nach dem Abitur am Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium von Cham nach Nordhessen zum Studium der Illustration, Filmregie und Animation. Schon während des Studiums beginnt er, für Werbespots, Erklärfilme, Zeitungen und für das Fernsehen zu zeichnen.

Mittlerweile lebt der 43-Jährige mit seiner Frau und den beiden Töchtern fest in Kassel und ist freischaffend tätig – zum Großteil als Schnellzeichner und Live-Karikaturist. Die Bandbreite der Anfragen, die ihn erreichen, sei groß, erzählt er. Meistens handelt es sich um Hochzeiten, für die der gebürtige Chamer engagiert wird. Seine Aufgabe dabei: die Gäste innerhalb weniger Minuten mit all ihren äußerlichen Eigenheiten zu porträtieren. „Oft bin ich quasi das Gastgeschenk, das engagiert wurde“, beschreibt er seine Engagements.

Aber auch für Firmenfeiern, Online-Events und Messen etwa von Apple oder zuletzt BMW ist der Künstler schon gebucht worden. Die Quintessenz seiner Arbeit ist immer dieselbe: „Ich bringe die komplizierte Physiognomie eines Gesichts mit wenigen Strichen auf den Punkt und versuche dabei, eine kleine, witzige Geschichte mit dem Bild zu erzählen“, sagt er.

Für RTL und ProSieben tätig

Als Schnellzeichner hat er es außerdem schon vor die Kamera geschafft, etwa bei Auftritten im ZDF-Fernsehgarten. Seit 2022 ist er der Nachfolger von Schnellzeichner Oskar in der ZDF-Fernsehsendung Dalli Dalli. Dieser trat in den 70er und 80er Jahren regelmäßig neben Moderator Hans Rosenthal auf und machte den Beruf des Schnellzeichners bekannt. Umso stolzer ist Stieglitz, seit vergangenem Weihnachten in dessen Fußstapfen treten zu dürfen. Erst kürzlich fanden die Dreharbeiten für die nächste Sendung am 19. Dezember statt.

Wenn er nicht auf Familienfeiern oder öffentlichen Veranstaltungen mit Block und Stift unterwegs ist, nutzt Stieglitz sein Talent für Erklärfilme. Zu seinen Auftraggebern zählen bekannte Fernsehsender wie ProSieben oder RTL. So sind Stieglitz‘ Zeichnungen bereits in der Wissenssendung Galileo oder in Beiträgen des Mittagsmagazins Punkt 12 erschienen. „Quasi immer dann, wenn der Sender kein Bildmaterial zu einem Thema hat, visualisiere ich dieses für ihn“, erklärt er im Gespräch mit unserer Zeitung seine Aufträge.

Hinzu kommen klassische Illustrationen für Kinderbücher oder Prospekte. Satirische Karikaturen für Tageszeitungen zeichnet er hingegen „nur sehr selten“, wie er sagt. Bislang habe er einzelne Zeichnungen für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und Die Welt geliefert. „Insgesamt bin ich aber kein politischer Karikaturist“, sagt Stieglitz.

Sein Lieblingsmotiv? „Ganz klar Menschen“, schießt es aus ihm heraus. „Vor allem zeichne ich gerne Schauspieler oder auch einfach nur Köpfe.“ Über die Köpfe gehe er aber gerne hinaus, so dass ganze Geschichten, Situationen und Gags aus der Zeichnung sprechen. Dazu verrät er: „Wenn ich etwa Menschen live zeichne, unterhalte ich mich immer mit ihnen und überlege dann, wie ich das Erzählte in die Karikatur mit einfließen lassen kann.“

Ebenso sprechen auch aus seiner Zeichnung, die ihm vor wenigen Wochen in Los Angeles zum erneuten Sieg verholfen hat, verschiedene Geschichten. Darin bildet Stieglitz neben Dutzenden von Künstlerkollegen, geladenen Gästen, vielen Details und Gags im Zentrum die letztjährige Gewinnerin des Silver Noseys ab: Kiko Yamada (aus Hawaii) als King Kong, die ein fantastisches Gebäude erklimmt – eine Anspielung an die Filmindustrie der Stadt.

Somit hat Daniel Stieglitz zum sechsten Mal in Folge die „Beste Karikatur des Jahres“ in Amerika gewonnen. Das ist noch keinem vor ihm gelungen. Im nächsten Jahr treffen sich die Karikaturisten aus aller Welt an der Ostküste in Kissimmee in Florida – und Stieglitz wird wieder mit dabei sein.

Erneuter Sieg bei der ISCA Con in Los Angeles

Internationales Treffen: Bei der ISCA Con in Los Angeles hat der gebürtige Chamer Daniel Stieglitz zum sechsten Mal in Folge die "beste Karikatur des Jahres" gewonnen. Das ist noch keinem vor ihm gelungen.

Reichweite: Über 200 internationale Künstler aus den USA, Kanada, Japan, Mongolei, Venezuela, Mexiko, Lettland, Österreich und Deutschland kamen dort zusammen.

Wettbewerb: Neben Vorträgen, Workshops und Austausch findet bei diesem Event ein mehrtägiges Turnier statt, bei dem alle Teilnehmer die Aufgabe haben, Karikaturen vor Ort zu erstellen. 75 Stunden Zeit und etwa 60 Zentimeter Platz (in der Breite) hatte jeder, um sein Bestes zu geben. Währenddessen gab es noch drei Mini-Wettbewerbe in den Disziplinen: • beste Ähnlichkeit (drei ausgewählte, unbekannte Gesichter müssen in je 30 Minuten karikiert werden)

• beste Live-Karikaturen (in 30 Minuten muss gezeigt werden, wie gut man unter Stress kann)

• schnellster Live-Zeichner (wie viele Schnellzeichnungen schafft jeder in 30 Minuten).

Mit dieser Karikatur holte sich Daniel Stieglitz den Sieg.