Der Drehorgelmann mit schwarzem Zylinder und weißem Schal im Einsatz für das Gute

Wenn es eine Galerie der Superhelden des Alltags gäbe, hätte Hans Killermann seinen Platz wohl sicher. Und auf dem Porträt hätte er die gleiche elegante Garderobe an, die er auch bei dem trägt, womit er im Landkreis Cham bekannt ist: schwarzer Zylinder, weißer Schal und aktuell den warmen, dunklen Lodenmantel. „In irgendwelchen abgetragenen Klamotten kann ich mich da nicht hinstellen!“, sagt er, denn er ist ja auch Botschafter seiner eigenen guten Sache.
Der 72-Jährige ist der Drehorgelmann mit dem besonderen Vogel und der Herz-Spendenkiste darauf. Seit 2006 orgelt und leiert sich der Rodinger mit seinem besonderen Musikinstrument über Märkte, Volksfeste und Veranstaltungen, um Geld für den guten Zweck zu sammeln. Und neben den optischen Anreizen ist es auch der Mensch selbst, der mit seiner Art die Vorbeigehenden zum Geben überzeugt. Das Phänomen hat seine Frau Edeltraud schon öfter von Bekannten gehört: „Dein Mann ist immer so fröhlich – der lacht den ganzen Tag. Ist der zu Hause auch immer so?“
Mit dieser geballten Überzeugungskraft aus Musik, Optik und Auftreten setzt sich Hans Killermann für die Kinderkrebshilfe Cham ein. Dafür dreht er die Orgel und lässt die Pfeifen erklingen – und hat seit seinem Start über 34.000 Euro sozusagen „zusammengeorgelt“ und damit viel Gutes bewirkt für krebskranke Kinder und deren Angehörige im Landkreis.
Das weiß auch Stephanie Franke, die am Mittwoch als Vertreterin der Kinderkrebshilfe wie immer gerne in die Burgerzeller Straße nach Roding gekommen ist, um sich bei Hans Killermann für die diesjährigen Spenden zu bedanken.
„Er ist seit Jahren für uns unterwegs, selbst an Tagen, wo er mal gesundheitlich nicht so gut beieinander ist“, sagt die Ärztin und hat großen Respekt vor der Leistung des 72-Jährigen. Der Mann sei ein Phänomen, sagt sie – an dem aber eigentlich von der Geschichte her eine Frau schuld ist.
Ein Wunsch seiner Frau
Denn Edeltraud Killermann wünschte sich einst, einmal als besonderes Geschenk einen ganzen Tag Drehorgelmusik, der sie so gerne zuhört – schon aus Kinderzeiten heraus, wo Drehorgelspeiler noch verbreiteter waren und auf Jahrmärkten ihre Musik erklang. Er habe damals versucht, solch einen Leierkastenspieler aufzutreiben, sei jedoch gescheitert – er gab keinen in der Umgebung.
So sei er auf das Thema gekommen – eine Bekannte suchte ihm dann im Internet, das um 2006 noch eher etwas Außergewöhnliches war, Verbindungen heraus, wo solche Dinge zu finden sind. „So sind wir damals nach Linz am Rhein gekommen“, erzählen Killermann und seine Frau. Denn die Rheingegend wie auch die Hauptstadt Berlin sind die Hochburgen der Drehorgelbegeisterten.
Reine Handarbeit
Dort in Linz, das etwa 50 Kilometer von Bonn entfernt ist, trafen sich damals gut 70 Drehorgelfans mit ihren Instrumenten, dazu deren Erbauer. Mit dabei war das Rodinger Ehepaar Killermann, das sich wenig später selbst eine Drehorgel anschaffte. Doch die gebe es nicht von der Stange, so Hans Killermann. Die Instrumente seien handgefertigte Stücke, die in spezialisierten Betrieben zusammengebaut werden. Seine erste Drehorgel habe er in Dinslaken gekauft – zum Preis etwa von einem Kleinwagen.
Und um nicht nur seine Frau mit der Musik zu begeistern, begann er mit Besuchen auf den Veranstaltungen im Landkreis. Seitdem rückt er zehnmal oder auch mehr aus – je nach Lust und Laune und Wetterlage –, um die Orgel in Bewegung zu bringen und für den guten Zweck zu sammeln.
Die hat übrigens mittlerweile ein computergesteuertes Musikwerk, „500 Titel habe ich im Angebot“, sagt Hans Killermann. Trotz des Computers im Bauch bleibt die Musik aber Handarbeit, denn ohne das Drehen der Kurbel gibt das Instrument keinen Ton von sich. Und den ganzen Tag die Kurbel in Gang zu halten – das ist keine einfache Sache, sagt der Drehorgelmann.
Die Reaktionen der Vorbeigehenden auf Märkten oder Festen sind dabei unterschiedlich – mancher bleibe stehen und höre zu, mancher schlendere ohne großen Blick vorbei. „Ich brauche aber diese Bewegung um mich rum“, sagt er zu seinen Vorlieben des Standplatzes.
Und vor allem die Kinder sind ein dankbares Publikum, die sich auch von seinem Vogel anlocken lassen. Der bunte Schluckspecht aus Holz sitzt neben dem Instrument, ist besonders putzig und daher beliebt bei Kindern, denn er kann ein Kunststück: Legt man ein Geldstück in den Schnabel, reckt der Schluckspecht seinen Kragen und das Geldstück fällt in seinen Körper. Und so sind schon so viele Euros eingespielt worden – und das von einem einzigen Mann mit schwarzem Zylinder und weißem Schal.
Der Drehorgelspieler
Musikmann: Der Rodinger Hans Killermann (72) dreht seit 2006 die Orgel für den guten Zweck und sammelt bei seinen Einsätzen Geld für die Kinderkrebshilfe Cham. Nur in einem Jahr hat er pausiert, dem Coronajahr 2020 – auch weil keine Veranstaltungen mehr stattfanden.
Summe: Gestartet mit einer Spendensumme von 1530 Euro im Jahr 2006 hat er mittlerweile insgesamt 34.315 Euro gesammelt und gespendet. Die jeweiligen Summen der Jahre stehen auf der Rückseite der Herz-Spendenbox. 2628 Euro kamen in diesem Jahr zusammen.
