Nach heftigem Gerangel: Burglengenfeld verstärkt Busaufsicht im Schulzentrum

Seit Schulbusse existieren, gibt es damit immer wieder auch Ärger. Mal klagen Eltern über zu wenig Plätze für ihre Kinder, mal benimmt sich der Nachwuchs nicht so, wie er sollte. Letzteres kam am Donnerstag sogar im Burglengenfelder Stadtrat (Landkreis Schwandorf) zur Sprache.
Die Burglengenfelder Wählergemeinschaft (BWG) um Albin Schreiner und Gregor Glötzl hatte einen Antrag auf Verstärkung der Busaufsicht im Schulzentrum Naabtalpark eingereicht. Begründet wurde dies mit der wachsenden Zahl an Fahrschülern. Zu den Stoßzeiten würden sich über 100 Kinder zeitgleich an den Haltestellen tummeln – zu viele für eine einzelne Kraft. Zur Entlastung und zur Vermeidung von Unfällen und Haftungsfällen solle der bewährten Hilfe Unterstützung zur Seite gestellt werden.
In der Sitzung wurde Glötzl noch deutlicher. Er berichtete von einem „traurigen Hintergrund“ in Form einer körperlichen Auseinandersetzung, die sich vor einigen Wochen mehrere Schüler geliefert hätten. Nur durch beherztes Einschreiten von Lehrern, die eher zufällig Zeuge geworden waren, sei Schlimmeres verhindert worden.
Bewährte Kraft hat gekündigt
Als Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) berichtete, die bisherige Kraft, die sich in über 20 Jahren große Verdienste erworben habe, werde ihren Dienst nun bald beenden, war die Sachlage noch mal eine andere. Gesche sagte, obwohl die Busaufsicht keine Pflichtaufgabe der Kommune sei, wolle man die scheidende Kraft ersetzen – und die Aufsicht insgesamt stärken.
An eine zusätzliche Anstellung sei aus Sicht der Verwaltung aber nicht gedacht. Vielmehr wolle man die Mitarbeiter des Verkehrsüberwachungsdienstes dafür einsetzen, ohne ihnen, wie von BFB-Rat Hans-Edmund Glatzl befürchtet, eine Mehrbelastung zuzumuten. Es werde eine „Umstrukturierung“ geben.
Schaller: Zwei Fliegen mit einer Klappe
CSU-Fraktionschef Michael Schaller dämpfte die Erwartung, durch eine Aufstockung des Aufsichtpersonals ließen sich Gerangel grundsätzlich verhindern. Aber mit dem Modell, das Gesche vorgestellt hatte, sei er durchaus einverstanden. Dadurch ließen sich sogar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Sicherheit an den Haltestellen werde erhöht, und die uniformierten Verkehrsüberwacherinnen könnten auch den Hol- und Bringverkehr, der bisweilen zu Problemen führe, ordnen. Eine weitere Planstelle hätte Schaller mit Blick auf die Kassenlage der Stadt abgelehnt. Auch kleinere Beträge würden in der Summe „der Stadt weh tun“.
Wo könnte die Stadt noch sparen? Die Frage taucht in den zuständigen Gremien immer häufiger auf. Kürzlich ging es auch um die Übertragung der Sitzungen ins Internet. Lesen Sie dazu: Live-Sendung aus dem Stadtrat steht auf der Kippe
Siegfried Klopp (SPD) brachte den Vorschlag ein, die Hausmeister könnten bei Bedarf abwechselnd zu Hilfe gerufen werden. An der Notwendigkeit, die Aufsicht zu stärken, ließ auch er keinen Zweifel. Die Kinder seien nicht mehr so leicht in Schach zu halten wie noch zur Schulzeit des einen oder anderen Ratskollegen. An den Haltestellen „geht’s zu. Das ist ein Kuddelmuddel“.
Letztlich wurde der von der Verwaltung vorgelegte Beschlussvorschlag nur modifiziert. Die zusätzliche Kraft werde durch das Ordnungsamt und die Hausmeister sichergestellt, heißt es jetzt. Das Votum fiel einstimmig aus.
Auch ein Busunternehmer wurde in Burglengenfeld aktiv
Rektorin Ingrid Donaubauer bestätigte auf Anfrage der MZ, dass es vor wenigen Wochen an der Bushaltestelle ein „starkes Gerangel“ zwischen Dritt- und Viertklässlern gegeben habe. Lehrer hätten die Situation entschärft. Dass sich die Verhältnisse grundsätzlich verschlechtert hätten, ist in ihren Augen nicht der Fall. „An der Haltestelle ist es, wie es immer war“, sagte sie.
Allerdings räumte Donaubauer ein, dass Busunternehmer Oliver Ehrenreich vor einiger Zeit Alarm geschlagen hat. In den Bussen habe eine Handvoll Schüler regelmäßig Unfug getrieben und sich so verhalten, dass die Konzentration der Fahrer gestört worden sei. Es sei zu Hahnenkämpfen gekommen, ältere Schüler hätten jüngeren die Sitzplätze streitig gemacht oder beim Ein- und Aussteigen „Pressmaschine“ gespielt.
Entzug der Fahrkarte von Schüler drohte
Ehrenreich informierte die Schulleitung, wenn sich bestimmte Schüler nicht besserten, würde ihnen die Fahrkarte entzogen. Donaubauer verbreitete die Nachricht in einem Elternbrief, den auch der Leiter der Mittelschule, Michael Chwatal, unterzeichnete. Letztlich habe sich die Lage in den Bussen wieder deutlich beruhigt, berichtete Ehrenreich. Mitfahrverbote seien jedenfalls keine ausgesprochen worden.
Der Unternehmer war auch selber erzieherisch tätig. Er lud Kinder auf seinen Betriebshof ein, um ihnen zu demonstrieren, was in einem Bus passiert, wenn er plötzlich bremsen muss und die Kinder durcheinanderpurzeln. Das habe offenbar die Disziplin verbessert, meinte er.
Außerdem wurde der Fahrplan etwas umgestellt. Die Busse sollen nun zehn Minuten früher an den Haltepunkten stehen, wenn noch keine Kinder warten. So sei das Unfallrisiko minimiert.
War früher wirklich alles besser?
Zum Vorurteil, Kinder von heute seien schwieriger zu bändigen als früher, gibt es eine Anekdote, die Rektor Chwatal spontan preisgab. Sein Vater habe seinerzeit auf dem Weg zur Oberrealschule, also Ende der 1950er Jahre, die Bahn benutzen müssen. Bei einer Fahrt hätten junge Vandalen die Toilettenschüssel aus ihrer Verankerung gerissen und aus dem Zug geworfen. Als der Vorfall bekannt geworden sei, habe das Personal versucht, die Waggons solange abzuriegeln, bis Ordnungshüter anrückten, um die Übeltäter zur Rechenschaft zu ziehen. Doch den Schülern sei es gelungen, die Türen zu öffnen – und in alle Richtungen zu fliehen.
„Wenn so etwas heute geschehen würde, wäre der Teufel los“, meinte Chwatal. Schon bei viel kleineren Ereignissen herrsche oft große Aufregung.
Weitere Themen aus dem Burglengenfelder Stadtrat
Livestream: Um die Ausgaben der Stadt zu senken, wurde im November die Übertragung von Ratssitzungen ins Netz infrage gestellt. Vor einer Entscheidung sollte die Verwaltung jedoch prüfen, ob sie nicht selbst in der Lage wäre, für ein entsprechendes Angebot zu sorgen. Auf Nachfrage von Hans Deml (SPD) berichtete Bürgermeister Gesche, noch vor Weihnachten wolle man ein Konzept erstellen und dieses im Januar präsentieren. Der Kommunale Prüfungsverband hatte Zweifel am Nutzen des Angebots geäußert.
Klimaschutz: Mitte des Jahres hatte die Stadt beschlossen, eine Wärmeplanung auf den Weg zubringen. Dafür muss jedoch ein Fachbüro gefunden werden. Nur dann gibt es eine staatliche Förderung. Der entsprechende Antrag wurde zwar gestellt, doch die Bewilligung lässt auf sich warten, hieß es jetzt im Rat. Die Haushaltssperre auf Bundesebene wirke sich eben auch auf solche Projekte aus, berichtete CSU-Fraktionschef Michael Schaller. Laut Gregor Glötzl (BWG) kann die Bewilligung bis zu 18 Monate dauern.
Bäume: Albin Schreiner (BWG) hatte Informationen zu mehreren Baumfällungen angefordert. Stadtbaumeister Franz Haneder lieferte Antworten. In der Kallmünzer Straße sei eine überhängende Kiefer aus Sicherheitsgründen entfernt worden, im Naabtalpark habe man eine Pappel („Bruchholz“) geopfert, um 14Stellplätze zu schaffen. Bernhard Krebs (SPD) reklamierte, er wünschte sich vor solchen Aktionen Aufklärung: „Da werde ich gerne belästigt, denn dafür sitz’ ich da. Und die Bürger fragen mich.“