Die Unterführung ins Schwandorfer Lindenviertel könnte zweispurig werden – jedenfalls irgendwann

Von Johannes Hartl · 5. Dezember 2023 um 15:00

Wenn die Bahnstrecke von Regensburg nach Marktredwitz elektrifiziert wird, dann könnte auch die Regensburger Unterführung erneuert werden. Die verbindet die Steinberger Straße und die Paul-von-Denis-Straße, also den Bereich beim TWF-Gelände, mit dem Lindenviertel. Jetzt stellte sich für den Stadtrat die Frage, ob die bisher einspurige Fahrbahn im Fall der Fälle auf zwei Spuren erweitert werden soll. Die Meinungen gingen auseinander.

Roland Stehr, im Rathaus für den Tiefbau zuständig, informierte das Gremium über die Hintergründe. Bisher ist die Unterführung sechs Meter breit, davon entfallen 3,50 Meter auf die Fahrbahn und 2,50Meter auf einen kombinierten Geh- und Radweg. Die Straße selbst ist einspurig befahrbar – nämlich ins Lindenviertel.

Zwei Optionen zur Wahl

Doch für die Elektrifizierung müssen die Gleise neu angeordnet werden. Deshalb werden bei der Vorplanung auch mehrere Varianten für die Unterführungen untersucht. In einer der Varianten ist für die Regensburger Unterführung ein Neubau vorgesehen, der wegen neuer Weichenverbindungen nötig sei. Für den Fall sollte die Stadt nun mitteilen, ob sie eigene Pläne für die Unterführung hat – ober ob das Bauwerk wieder im ursprünglichen Zustand hergestellt werden soll.

Tatsächlich lagen im Stadtrat zwei Optionen auf dem Tisch. In der ersten Variante würde die einspurige Fahrbahn erhalten bleiben. Das Bauwerk würde aber um einen Meter breiter werden, weil ein Schutzstreifen nötig wäre. Der existiert bislang nicht. Auch der Radweg würde von 2,50 auf dann drei Meter verbreitert.

Doch es ginge auch größer, wie Stehr dem Gremium erläuterte: Denn in der zweiten Variante gäbe es zwei Fahrstreifen – mit einer Breite von 6,50 Metern und einem Schutzstreifen von 50 Zentimetern. Die Straße wäre also in beide Richtungen nutzbar. Dazu käme der kombinierte Geh- und Radweg mit drei Metern. Die Unterführung wäre so zehn Meter breit.

Die Durchfahrtshöhe von 3,20 Metern bleibt aber in allen Varianten gleich. Eine Erhöhung auf 4,50 Meter, um Lastwagen durchzuführen, wäre laut Stehr nur mit einem „immens großen finanziellen Aufwand“ möglich. Dafür müsste die Unterführung um einen Meter abgesenkt werden. In der Folge müssten unter anderem Kanäle umgelegt und die Kreuzung Steinberger Straße/Paul-von-Denis-Straße neu gestaltet werden, wie es in den Unterlagen heißt. „Das ist ein Aufwand, der ist in meinen Augen äußerst unwirtschaftlich“, sagte Stehr.

Wie viel der Neubau kosten würde – und mit welcher Summe die Stadt beteiligt wäre–, ist bisher allerdings noch völlig unklar. In dem frühen Stadium gibt es noch keine Zahlen. Auch der Zeitpunkt, wann der Neubau kommt, ist noch offen.

Was also tun? Für die CSU plädierte Fraktionschef Andreas Wopperer für den zweispurigen Ausbau. Die Kosten wie auch der Zeitpunkt seien zwar noch ungewiss. „Da kann man fast drauf wetten, dass der Großteil dieses Stadtrats das nicht mehr erleben wird.“ Aber wenn sich die Möglichkeit biete, eine Verbindung zwischen dem Lindenviertel und dem Außenbereich der Innenstadt zu verbessern, sollte man sich die Option offenhalten.

Wopperer dachte nicht zuletzt an eine Zeit, wenn die Adenauer-Brücke aus Altersgründen „irgendwann nicht mehr sein könnte“. Ärgerlich sei aber, dass die Bahn die Brücke nicht von sich aus auf einen zeitgemäßen Stand bringe – sondern sich die Stadt selbst einbringen muss. Dennoch sei das Ganze „sinnvoll und notwendig“.

Auch SPD-Fraktionschef Franz Schindler unterstützte die Variante zwei. Wenn sich die Möglichkeit biete, eine Verbreiterung zu verlangen, solle man es tun. Auch, damit die Menschen im Lindenviertel ohne die Adenauer-Brücke in die Stadt kommen.

Wobei Schindler ebenfalls nicht mit einem schnellen Baubeginn rechnet. Im Jahr 2022 habe die Bahn bundesweit gerade einmal 1,5 Kilometer an Bahntrasse neu errichtet, sagte der SPD-Sprecher. „Wenn es bei diesem Tempo bleibt, dann werden noch viele Generationen von Stadträten warten, bis es dann so weit ist.“

Können zwei Spuren den Verkehr in Schwandorf entzerren?

Etwas kritischer beurteilte Jochen Glamsch (UW) die Sache. Zum einen versuche man aktuell, den Verkehr in der Innenstadt zu beruhigen. Deshalb könne er das Argument nicht verstehen, dass man die Möglichkeit unbedingt nutzen solle, um die Verkehrsströme besser in Richtung Rewe und Innenstadt zu leiten.

Vor allem aber störte Glamsch, dass man sich bereits jetzt auf eine Lösung festlegen sollte, obwohl man noch keine Ahnung habe, welche Kosten anfallen werden. Zudem befürchtet er, dass die „jetzt schon beklagte Verkehrssituation in der Innenstadt noch intensiver und kritischer werden kann“. Er könne daher nicht für die Variante zwei stimmen.

Auch sein Fraktionskollege Kurt Mieschala äußerte sich skeptisch. „Bloß, weil das mal zweispurig befahrbar war, heißt das nicht, dass das auch für die Zukunft das Richtige ist.“ Man solle sich gut überlegen, welche Verkehrsflüsse und welche Belastung für die Kreuzung das herbeiführe. „Das sollten wir zuerst prüfen.“ Dass die Straße nur in eine Richtung befahrbar sei, habe auch zu einer Entzerrung des Verkehrs geführt.

Gerade weil es noch viele Fragezeichen gebe – etwa zu den Kosten – solle man „zum jetzigen Zeitpunkt vorschnell keine Entscheidung“ treffen, so Mieschala. Die Variante zwei könnte man aktuell „überhaupt nicht befürworten“, deshalb solle man nur die Variante eins in Aussicht stellen.

Doch laut OB Andreas Feller (CSU) müsse man eine Entscheidung treffen, weil die Bahn in die Planung gehe. „Die Bahn plant mit oder ohne uns.“ Auch der OB sah das Potenzial, so den Verkehr zu entzerren. Wer vom Lindenviertel in die Innenstadt wolle, der fahre zwangsläufig über die Adenauer-Brücke. „Und da kommt es immer zu Verstopfungen, auch beim Finanzamt.“ Der OB sprach sich deshalb für die Variante zwei aus – um Planungssicherheit zu haben und um darauf hinsparen zu können. Denn: „Ganz billig wird das natürlich nicht.“

Auch Stadtrat Alfred Damm (ÖDP) befürwortete diese Lösung. Wer jetzt über die Adenauer-Brücke fahre und in Richtung der Naabbrücken wolle, der fahre durch die Innenstadt. Doch wenn die Unterführung zweispurig wäre, könnte man am Bahnhof vorbeifahren. „Da sehe ich eher eine Verkehrsentzerrung.“ Gegen fünf Stimmen wurde die Variante zwei am Ende mehrheitlich beschlossen.