War es Mord aus Eifersucht? Prozess um Bluttat in Regensburg gestartet

Von Philip Hell · 4. Dezember 2023 um 17:47

Wurde er zum Mörder, weil seine Zuneigung nicht erwidert wurde? Seit gestern steht ein 53-Jähriger vor dem Landgericht Regensburg, weil er seine langjährige Vermieterin umgebracht haben soll.

Die konkreten Vorwürfe der Staatsanwaltschaft: Mitte März dieses Jahres soll der Mann in das Haus in der Brunhildstraße gekommen sein, in dem er als Untermieter einer 79-Jährigen wohnte. Dort sei er mit der älteren Dame in Streit geraten, habe sich aber zunächst in seine Dachgeschosswohnung zurückgezogen. Nach wenigen Minuten soll er zurückgekommen sein – diesmal allerdings bewaffnet.

Stich ins Herz

Mit einem Messer soll er ein Zimmer betreten haben, in dem seine Vermieterin mit zwei ihrer Enkelinnen war. Laut Anklage soll der 53-Jährige die ältere Dame mit einem Stich ins Herz getötet haben. Dabei soll er gesagt haben, dass er nun sein Leben ruiniert habe. Augenblicke später hat der Mann laut Anklage die Enkelinnen angegriffen. Der Älteren der beiden sei es aber gelungen, ihn zu beruhigen, dabei wurde sie allerdings verletzt. Wenige Minuten nach dem tödlichen Angriff rief der Mann selbst die Polizei, ehe er sich im Vorgarten des Hauses stellte. Die Staatsanwaltschaft geht von Mord aus. Die Tat sei heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen begangen worden.

Der 53-Jährige äußerte sich am ersten Verhandlungstag nicht näher zu den Vorwürfen. Er merkte lediglich an, die Anklage sei seiner Ansicht nach „Bullshit“, bevor ihn seine Verteidigerin Stephanie Bauer einbremste. Die Rechtsanwältin kündigte eine Stellungnahme ihres Mandanten für einen der kommenden Verhandlungstage an.

Zum Prozessauftakt traten die beiden Enkelinnen der Getöteten in den Zeugenstand. Die Ältere der beiden war rund ein Jahr vor der Tat bei der Großmutter eingezogen, die Jüngere wollte zum Zeitpunkt des tödlichen Angriffs gerade einziehen. Die Jüngere sagte, sie könne sich nicht mehr an alle Details des Vorfalls erinnern. Sie habe aber mitbekommen, dass der Angeklagte nur Minuten vor der Tat über irgendetwas geschimpft habe. Den Mann kenne sie zwar seit rund 20 Jahren, wisse aber kaum etwas über ihn. Der Angriff sei sehr plötzlich passiert. „Er ist rein, meine Großmutter ist umgefallen und dann stand er vor uns.“ Ihre Schwester habe sie dann vor dem Angeklagten beschützt.

Auch die Ältere der beiden Enkelinnen bestätigte, dass der Mann geschimpft habe. Sie habe etwas in die Richtung: „Die ist doch geisteskrank“ gehört. Worum es ging, habe sie nicht verstanden. Den Angriff schilderte sie so: Zunächst habe sie nicht gesehen, dass der Mann ein Messer hat. Sie habe zuerst geglaubt, ihre Oma sei „geboxt“ worden. Augenblicke später soll er in ihre Richtung gestochen haben. Sie habe die Attacke jedoch abwehren können, und das Messer mit einer Hand sichern können. Dabei sei ihr zugutegekommen, dass sie als Physiotherapeutin viel Kraft in den Fingern habe. Allerdings sei ihr Daumen bei der Attacke verletzt worden, sie könne nicht mehr so viel arbeiten wie früher.

Zum Verhältnis zwischen dem Angeklagten und ihrer Großmutter konnten die beiden Enkelinnen wenig berichten. Sie hätten „aneinander vorbeigelebt“, sagte die Ältere. Allerdings habe der Angeklagte kurz vor der Tat gegenüber der Großmutter kritisiert, dass eine der Enkelinnen ihn nicht gegrüßt habe. Dabei habe er der jungen Frau auch Gewalt angedroht. „Ich habe mir dann mehr Mühe gegeben, ihn zu grüßen“, sagte die Frau im Zeugenstand.

Das soll nicht der einzige Vorfall dieser Art gewesen sein. Eine Tochter der Toten sagte gestern aus, der Angeklagte habe sie vor rund 15 Jahren bedroht, weil er sich vom Geschrei ihrer Kinder gestört fühlte, als die junge Familie bei der Großmutter zu Gast war. Das Verhältnis zwischen dem 53-Jährigen und seiner Vermieterin sei „freundlich, respektvoll, aber distanziert gewesen.“ Ähnlich äußerte sich auch eine weitere Tochter der Getöteten. Diese sagte gestern aus, dass sich die 79-Jährige ab und zu mit ihrem Untermieter unterhalten habe. Dies sei allerdings eher aus einem sozialen Gewissen heraus passiert.

Streit um neuen Hund

Ärger hätten die beiden kaum gehabt. Allerdings sei es vor einigen Jahren zu einem Konflikt gekommen, da sich die ältere Dame einen neuen Hund zulegen wollte, ihr Untermieter allerdings darauf pochte, dass sie sich nur ein kleines Tier kaufen solle. Diese Haltung habe die 79-Jährige als übergriffig empfunden und dem Mann mit einer Kündigung gedroht. Nach diesem Zwischenfall habe sich das Verhältnis allerdings gebessert, sagte die Tochter der Toten. Das bestätigt auch ihre Schwester. Diese sagte, der Angeklagte habe in einem Brief an die Familie geschrieben, dass die 79-Jährige wie eine Mutter für ihn gewesen sei. Diese Zuneigung sei allerdings nur einseitig gewesen.

Der Prozess wird morgen fortgesetzt.