Personal-Rochade im Historischen Museum: Regensburg erarbeitet nach Hängepartie Konzept

Den Lückenschluss zum Museum der Bayerischen Geschichte endlich schließen: Das soll eine neue Museumsleitung bewirken. Das Historische Museum der Stadt Regensburg beheimatet hochkarätige Exponate, doch das Konzept ist völlig veraltet. Jetzt wurde ein neuer Posten mit imposantem Titel geschaffen, um den Gordischen Knoten zu lösen.
Jetzt will die Stadt Regensburg den großen Wurf machen, der in den vergangenen Jahren versäumt wurde: Am Mittwoch soll eine neue Stelle geschaffen werden, die „Wissenschaftliche Generalkuratorin“ genannt wird. Die Öffentlichkeit soll derweil noch nichts von dem großen Wurf erfahren. Zumindest soll der Personalausschuss des Stadtrates in nichtöffentlicher Sitzung über den Posten entscheiden.
Für die Stelle der Generalkuratorin vorgesehen ist die bisherige Leiterin der Regensburger Museen, Doris Gerstl. Sie soll künftig den Titel als neue Depot-Leiterin tragen. Eingesetzt werden soll Gerstl schon ab 1.Januar 2024. Damit steht aber eine weitere Entscheidung an: Wer nämlich die städtischen Museen künftig leiten soll. Die Stelle muss, sollte die neue Position der Generalkuratorin am nächsten Mittwoch beschlossen werden, ausgeschrieben werden.
Das Regensburger Museum ist schon lange ein Zankapfel. Einerseits verfügt es über zahlreiche weit über die Stadtgrenzen hinaus bedeutsame Sammlungsstücke. Die Rolle der Freien Reichsstadt Regensburg und der Sitz des Immerwährenden Reichstags dort verleiht der Sammlung ihre Bedeutung. Auch die Tatsache, dass Regensburg eine Römergründung ist, strahlt aus: So befindet sich die älteste Stadtgründungsurkunde der Welt, so heißt es zumindest im Volksmund, in der Ausstellung: Die Gründungstafel des Castra Reginas, des Römerlagers, dessen Mauern teilweise noch heute in der Stadt zu sehen sind.
Synergieeffekte verpasst
Als Mitte 2019 das Museum der Bayerischen Geschichte in Wurfweite des städtischen Hauses eröffnet wurde, da war die Hoffnung groß, Synergieeffekte zu schaffen. Gelungen ist das nicht. „Das Städtische Museum steht vor einer grundlegenden Neukonzeption und wird sich noch länger mit sich selbst beschäftigen müssen. Gemeinsame Projekte sind deshalb Zukunftsmusik“, sagte dessen Direktor, Richard Loibl, kürzlich im MZ-Interview.
„Die Stelle der Museumsleitung wird neu ausgeschrieben“, ist sich Kerstin Radler, bis vor kurzem Landtagsabgeordnete und dort kulturpolitische Sprecherin der Freien Wähler, sicher. „An Ausstellungsstücken wird es nicht mangeln“, sagt sie. Die Sache mit den Synergieeffekten mit dem Bayern-Museum ist nach ihrer Ansicht aber „leider total in die Hose gegangen“. Sie habe als kulturpolitische Sprecherin ihrer Landtagsfraktion „viele Museen gesehen“. Aber dieses sei „total verstaubt“. Hauptkritikpunkt: „Ein Museum dieser Bedeutung wie das Regensburger darf nicht beim Mittelalter hängen bleiben, sondern muss die Ausstellung bis zur Gegenwart fortführen.“ Auch der Leere Beutel darbt, so Radler weiter.
Die Vorsitzende des Förderkreises der städtischen Museen, Birgit Angerer, sieht das wie Radler: „Das Historische Museum wartet schon lange auf ein Konzept.“ Im Grunde fehle es derzeit an Wissenschaftlern, die das auch ausarbeiten könnten. Ebenfalls im Personalausschuss soll eine befristete Stelle geschaffen werden, die dieses Konzept erstellt. Befristet ist sie auf zwei Jahre.
Stadt schweigt zu Konzept
Die Stadt Regensburg blieb übrigens bei ihrem Konzept der Geheimniskrämerei rund um das Museum. Auch Doris Gerstl antwortete nicht auf eine Anfrage. Zu der neu geschaffenen Stelle einer Generalkuratorin wollte man sich ebenso wenig äußern wie zu der Frage, ob die Stelle der Museumsleitung neu ausgeschrieben werden muss, sollte Gerstl die andere Position übernehmen. Lediglich zur Frage, wie schnell ein neues Konzept für das Museum erarbeitet werden kann, antwortete die Stadt – aber auch hier kurz und knapp: „An einem Konzept für das Historische Museum wird in naher Zukunft gearbeitet.“ Es folgte der rätselhafte, aber abschließende Satz : „Es handelt sich dabei um einen partizipativen Prozess, der längerfristig angesetzt ist.“
Ein Appell kommt von der Jüdischen Gemeinde. Deren Vorsitzende Ilse Danziger sagt, die NS-Zeit würde im Museum derzeit überhaupt nicht beleuchtet. Angesichts der Tatsache, dass das Museum vom NS-nahen späteren Kulturreferenten Walter Boll 1935 als „Ostmark-Museum“ konzipiert wurde, sei das denkwürdig – „angesichts der Bedeutung der Jüdischen Gemeinde im Mittelalter noch viel mehr“, so Danziger.
