„Der Jahn steigt auf!“: Fußball- trifft Stadtgeschichte im Historischen Museum

Wie passt der SSV Jahn Regensburg ins Historische Museum am Dachauplatz? Sehr gut, wie eine am Samstag eröffnete Ausstellung zeigt.
Doris Gerstl war sofort Feuer und Flamme: „Kommt doch zu uns! Wie haben Platz und wir haben das Jahnstadion-Schild“, sagte die Chefin des Historischen Museums am Dachauplatz zu Stadtarchivar Lorenz Baibl und Jahn-Archivar Wolfgang Otto, als sie im Frühjahr erfuhr, dass die beiden eine besondere Ausstellung zur Regensburger Sport- und Stadtgeschichte planen.
Die Einladung wurde dankend angenommen – und so wurde aus der ursprünglich geplanten kleinen Plakate-Schau eine richtig große Sache auf 300 Quadratmetern Fläche. Seit Samstag hat die Ausstellung „Der Jahn steigt auf!“ geöffnet.
Die Besucher erwartet dort ein kompakter Überblick über die Vereinsgeschichte. Klub-Ikone Hans Jakob darf dabei zwar nicht fehlen, aber Otto stellt klar: „Ausnahmsweise geht es nicht um ihn.“ Im Mittelpunkt stehen vielmehr die drei Jahre 1953, 1983 und 2003, die aus Jahn-Sicht eine wichtige Gemeinsamkeit haben: Es sind die Daten von drei Aufstiegen der Regensburger Fußballer, chronologisch in die erste, in die dritte und in die zweite Liga.
Ältester TV-Bericht vom SSV
Zu diesen drei besonderen Spielzeiten haben die Ausstellungsmacher je sechs Plakate und Memorabilia aller Art mit Jahn-Bezug zusammengetragen. Reizvoll ist die Schau aber auch für Fußball-Muffel. Denn die sportlichen Erfolge werden stets im Spiegel der Zeit dargestellt.
In den 50er-Jahren ist das einerseits das Wirtschaftswunder mit dem in Regensburg produzierten Messerschmitt-Kabinenroller als typisches Symbol, andererseits ein Blick in die Altstadt. Das Schmuckstück von heute war ein einziges dem Verfall preisgegebenes Rattenloch. Und: 1957 waren zum allerersten Mal Ausschnitte eines SSV-Spiels im Fernsehen zu sehen. Der Bericht vom damaligen 1:1 gegen den VfB Stuttgart gehört ebenfalls Teil zur Ausstellung.
Der Zuschlag für ein neues BMW-Werk und parkende Autos am Haidplatz sind die zeitgeschichtlichen Begleitumstände des Aufstiegs von 1983. Der Triumph von 2003 mag in der Erinnerung noch frisch sein – doch der Blick auf Hans Schaidinger und Edmund Stoiber als relativ junge Männer in Amt und Würden und eine genannte Einwohnerzahl, die mehr als 30 000 unter der heutigen liegt, verdeutlichen: Auch das ist mittlerweile schon sehr lange her.
Ein Wiedersehen gibt es im letzten Ausstellungsraum. Hier ist zum ersten Mal seit dem Abriss wieder das eingangs erwähnte Schild über dem Eingang zum alten Jahnstadion zu sehen. „Das war das erste Objekt, das ich als Museumsleiterin 2017 erworben habe“, erzählte Doris Gerstl von ihrer ganz besonderen Beziehung dazu. Ebenfalls beim Abbruch waren längst vergessene Decken-Malereien des Regensburger Künstlers Max Wissner entdeckt worden. Zwei davon sind Teil der Ausstellung, die damit sogar noch eine kunstgeschichtliche Komponente hat.
Titel als Prophezeiung?
Was die Kombination aus Fußball- und Stadthistorie angeht, betonte Otto, dass es eine derartige Schau in ganz Deutschland „vielleicht drei- bis viermal in 20 Jahren“ gebe. Für Baibl war es in Regensburg längst Zeit dafür, denn: „Der Jahn ist ein bedeutender Teil der Stadtgeschichte.“ Der Stadtarchivar hofft zudem auf eine prophetische Qualität des Ausstellungstitels, sprich: ein weiteres Aufstiegsjahr 2024.
Mit den Worten „Der Jahn ist ein wichtiger Bestandteil des öffentlichen Lebens in der Region“ schlug SSV-Präsident Hans Rothammer auch den Bogen in die Gegenwart. Wie sich erst in dieser Woche in aller Tragik zeigte, bewegt der Jahn zahlreiche Menschen weit über das Fußballfeld hinaus.
Zu sehen bis zum 11. Februar
Öffnungszeiten: Die Ausstellung ist bis 11. Februar immer dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr zu sehen, Außertourliche Schließtage sind der 24., 25. und 31. Dezember sowie der 1. Januar. An jedem ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt kostenlos.
Veranstaltungen: Ein für Sonntag geplanter Eröffnungsakt wurde wegen des Tods von Jahn-Profi Agyemang Diawusie abgesagt. Sonderveranstaltungen sind im Lauf der Ausstellungszeit sind geplant, Führungen gibt es immer freitags um 14.30 sowie sonntags um 11 Uhr.
