Ein schwerer Gang für den SSV Jahn Regensburg: „Lasst uns dieses Spiel für Agy spielen“

Der SSV Jahn Regensburg hatte schwere Spiele zu bestreiten in seiner Historie, am Sonntag (16.30 Uhr) steht der Fußball-Drittligist aber vor seinem bis dato wohl schwersten Gang.
Dass den Oberpfälzern keine normale Partie bevorsteht, das war schon daran zu erkennen, dass bei der Spieltagspressekonferenz am Freitag, drei Tage nach der schrecklichen Nachricht, neben Trainer Joe Enochs auch Sport-Geschäftsführer Achim Beierlorzer im Rampenlicht stand. Die Bestürzung über den plötzlichen Herztod von Agyemang Diawusie (25) ist weiter groß. Die Regensburger haben sich aber dennoch dazu entschieden, antreten zu wollen. Die Gründe dafür nannte der Klub bereits am Donnerstag in einer Pressemitteilung.
Auch Beierlorzer ging darauf am Freitag nochmal explizit ein. Er hatte ein Manuskript dabei, aus dem er vorlies. Die Aussagen waren nahezu deckungsgleich mit denen vom Vortag. „Wir alle beim Jahn sind fassungslos und bestürzt und können das Geschehene kaum begreifen“, erklärte er. „Dennoch hat sich der Jahn mit allen Beteiligten in einem intensiven und ergebnisoffenen Austausch darauf verständigt, das Spiel im besonderen Gedenken an Agy auszutragen“, sagte Beierlorzer, der sich für die große Anteilnahme bedankte.
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Sportchef ringt um Fassung
Nach der Pressekonferenz rang Beierlozer auf die Frage, wie schwer die Situation für ihn persönlich sei, da er und Diawusie sich bereits aus Leipziger Zeiten kannten, um Fassung. Er hatte Tränen in den Augen, seine Stimme stockte. „Es ist eine unfassbare Situation. Und trotzdem hilft eine gewisse Routine.“ Coach Enochs machte einen ähnlich niedergeschlagenen Eindruck. „Es ist schrecklich, was passiert ist. Man kann sich vorstellen, dass es schwierig ist, sich auf das Spiel vorzubereiten.“ Aber das sei nun jetzt letztendlich sein Job. „Menschen gehen unterschiedlich mit Trauer um. Wir haben den Jungs Freiraum gegeben. Manche suchen da den Weg zu Mitspielern, andere zum Trainerteam und wiederum andere zur Familie.“
Enochs brachte es auf den Punkt. „Es gestaltet sich schwierig.“ Wer nicht spielen will, der muss auch nicht spielen. Beierlorzer betonte aber diesbezüglich: „Alle Spieler haben gesagt, dass sie bei diesem Spiel dabei sind. Mannschaft, Familie, Freunde: Der Austausch mit allen Beteiligten ging die Richtung, dass alle gesagt haben: Lasst uns dieses Spiel für Agy spielen.“
Ist es mit Blick auf den Verarbeitungsprozess, bei dem die Rückkehr zu Routinen helfen kann, sinnvoll, wieder so schnell es geht zur Tagesordnung überzugehen? „Aus sportpsychologischer Sicht kann die Entscheidung des SSV Jahn, das Spiel trotz eines Todesfalls im Team wie geplant durchzuführen, unterschiedlich interpretiert werden“, betont der renommierte Sportpsychologe René Paasch. „Einerseits kann die Fortführung des Spielplans als eine Form der Resilienz und des Zusammenhalts innerhalb des Teams gesehen werden. Es kann als ein Akt der Stärke und des Commitments zum Sport verstanden werden, indem man trotz persönlicher und kollektiver Trauer den sportlichen Verpflichtungen nachkommt“, unterstreicht Paasch. „Andererseits könnte diese Entscheidung auch als potentiell belastend für die psychische Verfassung der Spieler betrachtet werden. Der Umgang mit Trauer ist ein sehr individueller Prozess, und die Fortsetzung des Spielbetriebs könnte für einige Spieler eine zusätzliche emotionale Herausforderung darstellen. Es besteht die Möglichkeit, dass Spieler sich nicht vollständig auf das Spiel konzentrieren können oder dass die Trauer ihre Leistung beeinträchtigt.“
Paasch zufolge sei in solchen Situationen vor allem die Verfügbarkeit von psychologischer Unterstützung für die Spieler wichtig, um ihnen zu helfen, mit ihren Gefühlen umzugehen und eine gesunde Balance zwischen dem Respekt vor dem verstorbenen Teammitglied und der Fortsetzung ihrer professionellen Verpflichtungen zu finden. Ob die Spieler psychologisch betreut werden, dazu wollte sich Beierlorzer nicht äußern. „Wir können nicht mehr sagen als das, was wir gesagt haben“, wollte er auch keine weiteren Nachfragen zur schrecklichen Nachricht beantworten.
Unter normalen Voraussetzungen wäre Louis Breunig (20) vor dem Duell gegen Freiburg II im Fokus gestanden. Der Verteidiger trifft auf seinen Bruder Maximilian (23). Der ist passenderweise auch noch Stürmer.
Wiedersehen mit Ex-Jahnlern
Mit Hamadi Al Ghaddioui und Patrick Lienhard hat der SC zwei Ex-Regensburger in seinen Reihen. Erstgenannter war zwischen 2018 und 2019 für den Jahn im Einsatz und wurde dann überraschend vom VfB Stuttgart abgeworben. Lienhard absolvierte 2014/15 23 Spiele für die Oberpfälzer. In Freiburg geht es für das Duo nun um knallharten Abstiegskampf.
Unter normalen Umständen wäre es zudem großes Thema gewesen, dass der Jahn den zehnten Sieg in Folge feiern könnte und damit den Drittliga-Rekord des KSC einstellen könnte. Es spricht für sich, dass auch das nur eine Randnotiz ist.