Bangen um die Zukunft der Uni-Kita: Eltern stehen vor akuten Problemen

Die Stimmung an der Uni Regensburg ist eisig. Kürzlich gab das Bayerische Rote Kreuz (BRK) bekannt, die Kita Uni-Kum ab Herbst 2024 nicht weiter zu betreiben und aus Personalnot die Weihnachtspause auf über vier Wochen zu verlängern. Eltern reagieren ratlos und verärgert, das BRK sieht keinen anderen Ausweg.
Für die Kinder am Kinderhaus Uni-Kum der Universität Regensburg ist gerade das Thema Nummer Eins: Spaß im Schnee! Für die Eltern, die ihren dick eingepackten Nachwuchs mitsamt Holzschlitten zur Krippe bringen, ist der Winterzauber aber Nebensache. Für sie gibt es nur ein Gesprächsthema: Kürzlich gab das Bayerische Rote Kreuz (BRK) bekannt, die Kita ab Herbst 2024 nicht weiter zu betreiben und aus Personalnot die Weihnachtspause von vier Tagen auf über vier Wochen zu verlängern.
„Es ist wirklich suboptimal“, sagt Simon Ederer, der gerade sein Kind zur Kita bringt, „ich suche parallel nach anderen Plätzen. Stand jetzt habe ich natürlich keine Zusagen, alle sind voll“. Die Schließung könne er nur stemmen, weil er ins Homeoffice gehe. Ein Vater, der seinen Namen nicht nennen möchte, erzählt, dass er mit seiner Frau nun in Schicht arbeiten werde, wie damals während Corona: „Sie kommt um fünf heim und ich arbeite dann halt ab sieben die Nacht durch“, sagt er mit wenig Begeisterung.
Mutter sorgt sich: „Wie soll das gehen?“
Wie viele Eltern fühlt der Mann sich von der Entscheidung des BRK überrumpelt. In der ersten November-Hälfte hätten sie Bescheid bekommen. „Wir haben alle Urlaube für‘s Jahr schon genommen“, sagt der Vater. Noch problematischer ist es für die Bioinformatikerin Huiqin Koerkel-Qu. „Mein Mann hat Vorlesungen, ich arbeite mit Patientendaten. Wir haben Studenten zu betreuen“, sagt sie. Beide könnten und dürften weitegehend nicht von zu Hause arbeiten. „Wie soll das gehen?“, fragt sie sich, „keine Ahnung, vielleicht muss ich die Kinder ins Labor mitnehmen“. Zehn Kitas in Regensburg habe sie schon angefragt, nur zwei hätten noch Platz – ab 2024 und auf Platz fünf der Warteliste. „Keine Chance“, hätten die Mitarbeiter dort gesagt.
Doch nicht nur die akute Schließung belastet die Eltern. Auch die generelle Stimmung sei schlecht. „Vor einem Jahr hat das gut funktioniert, da war noch doppelt so viel Personal da“, sagt ein Vater, der in der Nähe am Galgenberg wohnt. „Ich bin nicht der einzige, der sich bessere Kommunikation wünscht“, kritisiert er. Die Eltern seien in Vorgänge nicht mehr eingebunden. Ein zerrüttetes Miteinander sieht auch Simon Ederer: „Manche haben das Gefühl, das BRK versucht, das so schnell wie möglich gegen die Wand zu fahren.“
Seitens des Elternbeirats möchte man sich zu der „aufgeheizten Situation“ nicht weiter äußern. Aus der Elternschaft gibt es dennoch Hoffnung, dass mit einem neuen Träger wieder Ruhe einkehrt. Einige Eltern betonen auch, den Betreuerinnen keinen Vorwurf machen zu wollen und zeigten Verständnis für die schwierige Personalsituation. Eigentlich, so betonen viele betroffene Eltern, habe man den schwelenden Streit nicht an die Öffentlichkeit tragen wollen. Auch, um nicht künftige Träger zu verprellen und einen schlechten Eindruck zu machen.
BRK resigniert: „Vertrauen ist erschüttert“
„Wir möchten nochmals betonen, dass wir die Entwicklung und auch die Kündigung sehr bedauern“, teilt die Pressestelle des BRK auf Nachfrage zur aktuellen Lage mit.
In Gesprächen mit Universität und Elternbeirat habe das Rote Kreuz seit Jahren darum gerungen, die Kita weiterbetreiben zu können. Das frühere offene „Club-Modell“, wie es Uni und Eltern forderten, habe das BRK aber personell schlicht „nicht aufrechterhalten können“. Allein in den letzten zwei Jahren seien 17 neue pädagogische Mitarbeiter „eingestellt und wieder verloren“ worden.
Eine reguläre Betreuung hingegen hätten Uni und Eltern kategorisch abgelehnt. So habe sich das BRK „nach langer Überlegung“ entschlossen, aufzuhören. Doch selbst bei der Kündigung sei noch einmal das Angebot zur weiteren Trägerschaft unter anderem Konzept wiederholt worden, so das BRK: „Wir fürchten jedoch, dass in der Kita das Vertrauen in das BRK als Träger erschüttert ist. Und ohne die Rückendeckung der Eltern wäre ein Neustart von Anfang an zum Scheitern verurteilt.“
Gleichzeitig zeige das BRK tiefstes Verständnis und bedauere den „kurzfristigen Schritt“, vier Wochen lang zu schließen. Es sei jedoch die einzige Möglichkeit, die Kita nicht „vollständig schließen“ zu müssen. Für Härtefälle gebe es eine Notbetreuung. Voraussichtlich am 8. Januar soll wieder geöffnet sein.
Die Universität ist währenddessen bereits in Gesprächen über eine Nachfolge für das BRK, teilt Kanzler Christian Blomeyer auf Nachfrage mit: „Wir arbeiten unter Hochdruck an einer Lösung, um für die betroffenen Eltern schnellstmöglich zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen und die Kinderbetreuung sicherzustellen.“ Betroffenen werde man vorerst „maximal“ entgegenkommen mit Freistellungen sowie Homeoffice.