Zwei Abteilungen fallen weg: Krankenhaus Mainburg reduziert sein OP-Spektrum

Das Krankenhaus Mainburg macht deutliche Abstriche bei seinen Operationen. Allgemein- und Adipositaschirurgie werden nicht mehr angeboten, Patienten müssen andere Kliniken aufsuchen. Hintergrund ist die Sanierung der OP-Säle – aber auch ein personeller Abgang.
Wohnortnah versorgt werden: Das ist der Wunsch vieler Patienten, auch bei Operationen. Aber nicht mehr jedes Krankenhaus kann und will das gesamte Spektrum abdecken. In Mainburg hat sich nun das Angebot reduziert. „Die Allgemeinchirurgie wird nicht weiterverfolgt“, erklärt Christian Degen, Geschäftsführer der Ilmtalkliniken Pfaffenhofen und Mainburg. Damit fallen Darmtumor- oder Gallen-Operationen ebenso weg wie Eingriffe bei Leistenbrüchen.
Die Gründe, so Degen, liegen in anstehenden Baumaßnahmen in den beiden OP-Sälen. Sie werden im nächsten Jahr saniert, und zwar in zeitlicher Abfolge, so dass immer ein Saal verfügbar bleibt. „Dieser wird rein orthopädisch und unfallchirurgisch betrieben.“ In diesen beiden Fachabteilungen gibt es keine Einschränkungen. Die Allgemeinchirurgie hingegen findet keinen Platz mehr. Für jeden Saal ist eine Arbeitsdauer von drei Monaten eingeplant, von Mai bis Ende August erstreckt sich der Zeitrahmen.
Alternativ in die Klinik nach Pfaffenhofen
Als Ersatz für Mainburg wird bei den allgemeinchirurgischen Operationen auf den Klinikpartner in Pfaffenhofen verwiesen. Das Haus liegt rund 30 Kilometer von Mainburg entfernt. „Die Patienten können ohne Einschränkungen versorgt werden, zumindest über Pfaffenhofen.“ Rettungsdienste seien entsprechend informiert, so dass Patienten, die über den Notruf in die Klinik kommen, gleich ins zuständige Haus gefahren werden.
Aber auch ein weiteres Fachgebiet fällt weg – ohne Ausweichmöglichkeit nach Pfaffenhofen: die Adipositaschirurgie (OP am Magen-Darm-Trakt bei krankhaftem Übergewicht). Diese Eingriffe waren ein Spezialgebiet von Co-Chefarzt Otto Dietl, der Ende Oktober 2023 mit kritischen Worten das Haus verließ. Dietl hatte die Zahl dieser Operationen auf 100 im Jahr verdoppelt. „Diese reinen Adipositasfälle gehen dem Haus verloren“, räumt Degen ein. Einen Nachfolger für Dietl und einen neuen Co-Chefarzt werde es „vorerst nicht geben“.
Nachfolger für Notaufnahme-Leiter wird intern gesucht
Ungeachtet der Reduzierung im OP-Spektrum können die Bürger „auch weiterhin bei allen Beschwerden die Notaufnahme in Mainburg aufsuchen“. Dort werde auch das komplette Leistungsbild der Gastroenterologie (Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts und der damit verbundenen Organe) weiter angeboten. Auch die Notaufnahme verändert sich personell: Für den scheidenden Leiter Andreas Harrieder, der Ende des Jahres geht, wird hausintern ein Nachfolger gesucht.
Der Wegfall bestimmter Operationen hat auch finanzielle Auswirkungen auf die Mainburger Klinik. Im Extremfall werde von einem „Erlöseinbruch von rund 2,5 Millionen Euro ausgegangen“, sagt Degen. Durch die Kompensation mit Pfaffenhofen und eine Erhöhung „der Schlagzahl“ in der Orthopädie und Endoprothetik (künstlicher Gelenksersatz) in Mainburg – „hier haben wir überregional einen hervorragenden Ruf“ – soll sich der Verlust aber relativieren.
Defizit bei „nur noch“ rund 17 Millionen Euro
Und kurzfristig plane man im Gegenzug mit Minderausgaben von rund einer Million Euro an Aufwendungen. Die aktuelle Hochrechnung für dieses Jahr sieht laut dem Geschäftsführer eine Ergebnisverbesserung von geplanten 19,69 Millionen Euro Defizit auf „nur noch“ 17,36 Millionen vor.
Notarztdienst wird deutlich ausgebaut
Auf die Bettenzahl (90) wirkt sich die Reduzierung des Spektrums nicht aus, da diese über Unfallchirurgie, Orthopädie und Innere Medizin belegt werden können. Frei werdende ärztliche Kapazitäten werden für den Notarztdienst abgestellt. „Hier verhandeln wir gerade mit der kassenärztlichen Vereinigung über eine deutliche Erweiterung für den Standort Mainburg“, berichtet Degen. So soll der bisherige Zeitanteil von rund 250 Stunden monatlich auf weit über 400 Stunden ausgeweitet werden. Dadurch könnte eine bessere Abdeckung des Notarztdienstes etabliert werden, „was zu einer deutlichen Aufwertung der Erstversorgung für die Bevölkerung führen wird“.
Das verschlankte OP-Angebot bleibe mindestens bis zur Beendigung der Sanierung erhalten, sagt der Geschäftsführer. Was darüber hinaus geschieht, sei noch offen. Christian Degen lässt aber durchblicken, wohin die Reise gehen könnte: „Genau diese Fokussierung ist ein wesentlicher Bestandteil der Krankenhausstrukturreform.“ Über diese verhandeln Bund und Länder gerade. „Die Auswirkungen lassen sich noch nicht vorhersagen.“
