Nach Groß-Razzia in Hemau: Neue Details zu den Hintergründen

Von André Baumgarten · 22. November 2023 um 16:00

Polizei-Spezialkräfte verhaften zwei Männer in Hemau . Neue Details zur blutigen Attacke an einer Tankstelle zeigen, mit welcher Brutalität die Opfer angegriffen wurden. Es geht um Streit, Baseballschläger und eine Eisenstange.

Mit einem Großaufgebot schlägt die Polizei am Mittwoch in Hemau zu: Spezialkräfte und Kriminalpolizei rücken am frühen Morgen zu neun Objekten aus. Hintergrund der lang vorbereiteten Razzia war die blutige Attacke an einer Tankstelle am 6. November. Bei dem Zugriff wurden zwei Tatverdächtige verhaftet, bestätigte Thomas Rauscher, Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft. Gegen die 18 und 24 Jahre alten Bulgaren wird demnach wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Im Morgengrauen stürmen schwer bewaffnete Spezialkräfte der Polizei neun Häuser und Wohnungen. Der Einsatz reist einige Nachbarn in Hemau aus dem Schlaf: Sie hören Schreie und dumpfe Schläge; Schüsse fallen jedoch keine. Später sichern Beamte eines Unterstützungskommandos (USK) die Häuser und Eingänge zu mehreren größeren Wohnkomplexen im Stadtnorden. Im Inneren arbeiten derweil Ermittler der Regensburger Kripo.

Der Zugriff stand im Zusammenhang mit einem versuchten Tötungsdelikt, das in Hemau für Gesprächsstoff sorgte: Am 6. November war es in der Nürnberger Straße zu einer Gewalttat gekommen. Zwei Männer wurden an einer Tankstelle brutal angegriffen und schwer verletzt. Nach MZ-Informationen haben die Videokameras der Tankstelle wohl einige Details der Attacke aufgezeichnet. Womöglich kam man den Tatverdächtigen so auf die Spur.

Angreifer kamen laut Video in drei Autos

In drei Autos sollen die Angreifer an jenem Montagabend Anfang November vorgefahren sein. Dann sollen sie sofort zugeschlagen haben – mit Baseballschläger und Eisenstange, hieß es. Danach flüchteten die Täter; wohin ist wohl unklar. Fest steht aber: Bei einem der beiden attackierten Kasachen bestand zunächst akute Lebensgefahr – er soll einen Schädelbruch mit Gehirnblutung erlitten haben. Ermittelt wurde daher früh wegen eines versuchten Tötungsdeliktes.

Nur einen Tag nach dem Vorfall an jenem Montagabend konnte ein erster Verdächtiger ermittelt und von der Polizei verhaftet werden: Der 18-Jährige sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Ob er sich zur Sache geäußert hat, ließen die Ermittler auf Nachfrage offen. Die gestern bei der Razzia festgenommenen weiteren Verdächtigen sollen wie er bulgarische Staatsangehörige sein.

Die Ermittler gehen offenbar davon aus, dass die Attacke geplant war. Mutmaßliche Täter und Opfer sollen sich offenbar zumindest flüchtig gekannt haben. Was jedoch der Auslöser des brutalen Angriffs gewesen sein könnte, wird derzeit noch ermittelt. Womöglich ging dem Treffen an der Hemauer Tankstelle ein Streit unter Arbeitskollegen voraus. Das muss das für Kapitalverbrechen zuständige Kommissariats 1 der Kripo in Regensburg aufklären.

Adressen als sozialer Brennpunkt bekannt

Der Schwerpunkt der Polizei-Razzia von Mittwoch gilt als sozialer Brennpunkt in Hemau. Das ist kein Geheimnis, wie Bürgermeister Herbert Tischhöfer einräumte. Immer wieder gebe es Beschwerden und Probleme, die auch die Polizei häufiger forderten. „Die Stadt tut alles, was in ihrer Macht steht.“ Teils seien einem aber auch die Hände gebunden.

Völlig überraschend kam der Zugriff für das Hemauer Stadtoberhaupt daher aber nicht. „Es ist gut, dass durchgegriffen wird“, betonte Tischhöfer weiter. Er hoffe sehr, „dass die Ermittler gefunden haben, was sie brauchten“.

Wie das Polizeipräsidium Oberpfalz am Freitag mitteilte, waren mehr als 100 Beamten im Einsatz. Sie stellten Datenträger, Kleidung und Gegenstände sicher, „welche möglicherweise zur Aufklärung der Tat beitragen könnten“. Die beiden verletzten Deutschen mit kasachischen Wurzeln haben das Krankenhaus mittlerweile verlassen.

Die Tankstelle in Hemau, an der es am 6. November zu der blutigen Attacke kam, liegt Luftlinie nur wenige Hundert Meter von den durchsuchten Häusern weg. Foto: Baumgarten
Kripo-Ermittler und ein Unterstützungskommando aus Bamberg griffen am Mittwoch im Morgengrauen an neun Objekte zu. Foto: Baumgarten
Neun Wohnungen und Häuser wurden bei der Groß-Razzia in Hemau akribisch durchsucht. Foto: Baumgarten