Markus Nagler über Glühwein-Produktion – und warum er seine Ware bis nach Verona verkauft

Von Philip Hell · 22. November 2023 um 12:00

„Da drüben steht Verona“, sagt Markus Nagler, Geschäftsführer des gleichnamigen Saft- und Glühweinherstellers aus Regensburg. Verona, das ist genau genommen ein älterer Herr, der „seine Ohren im Auto gelassen hat“, wie er sagt. Die Sache mit Verona bestätigt er aber. Dort veranstalte seine Familie einen Weihnachtsmarkt – und der Glühwein kommt von Markus Nagler.

Herr Nagler, bald dampft es wieder aus allen Tassen. Wann beginnt für Sie die Glühweinsaison?

Markus Nagler: Zu einer Zeit, zu der eigentlich noch keiner an Christkindlmärkte denkt. Wir sind oft bei 30 Grad im Sommer in der Glühwein-Küche und feilen an neuen Kreationen.

Schmeckt der Glühwein im Sommer überhaupt schon?

Nagler: Das Geschmacksempfinden ist tatsächlich ein ganz anderes. Wenn es draußen warm ist, dann empfindest du viele Dinge zum Beispiel als zu süß. Wenn du dann bei null Grad oder weniger am Christkindlmarkt stehst, dann fragt man sich auch mal, was man da im Sommer rausgeschmeckt hat, weil der Glühwein doch gar nicht so süß ist.

Sie sind seit rund 25 Jahren im Geschäft. Können Sie den Glühwein überhaupt noch sehen?

Nagler: Absolut. Der Glühwein ist für mich zu einer Herzensangelegenheit geworden. Außerdem gehe ich gerne auf Christkindlmärkte und treffe dort meine Kunden. Dann kommst du ins Ratschen und da trinkst natürlich auch einen Glühwein dazu. Das Schöne ist ja, dass es so ein Saisonprodukt ist. Im Endeffekt ist seine Zeit Ende Dezember eigentlich weitgehend rum. Und dann hat man ja genug Zeit, wieder Lust darauf zu bekommen, sich einen Glühwein zu holen.

Wie viele Liter Glühwein produzieren Sie eigentlich im Jahr?

Nagler: Das ist ein bisschen schwierig zu sagen. Es sind ja doch sehr viele verschiedene Produkte, die wir vertreiben. Man muss ja beispielsweise die Flaschen, die wir in Supermärkten verkaufen, mit einrechnen. Es geht schon in die Hunderttausende, sagen wir es mal so.

Sie haben vor einiger Zeit mit dem Gedanken gespielt, Ihren Standort zu wechseln. Am Galgenberg werde es zu eng, sagten Sie. Wie steht es um die Pläne?

Nagler: Wir überlegen nach wie vor, einen neuen Standort zu suchen. Aber während Corona war das alles etwas schwierig. Jetzt haben wir schwer zu kämpfen mit den Energiepreisen. Auch Logistik und Beschaffung sind schwieriger geworden. Wir bekommen viele Verpackungsmaterialien gar nicht rechtzeitig. Insofern waren wir in letzter Zeit etwas vorsichtiger mit den Planungen, aber wir haben es nicht aus dem Auge verloren. Irgendwann wird es wohl so kommen, dass wir vielleicht woanders produzieren.

Auf vielen Regensburger Christkindlmärkten schlürfen die Gäste Ihren Glühwein – wie weit verkaufen Sie ihre Waren?

Nagler: Das Glühweingeschäft ist sehr regional. Gott sei Dank. Deshalb sind wir besonders in Regensburg sehr stark vertreten. Aber wir haben uns darüber hinaus inzwischen schon einen Namen gemacht und verkaufen unseren Glühwein in einem Radius von rund 100 Kilometern. Es gibt aber auch Exoten: Wir liefern zum Beispiel auch nach Verona auf den Christkindlmarkt.

Bis nach Verona?

Nagler: Ja, das hat sich so ergeben. Das ist eine Kundschaft, die unseren Glühwein schon auf anderen Märkten verkauft hat, da sind wir so ein bisschen zusammengewachsen. Das ist nicht der Normalfall. Aber ein schönes Highlight.

... und eine nette Dienstreise.

Nagler: Ich war leider noch nie da.

Echt?

Nagler: (lacht) Nein, um die Zeit komm ich leider nicht weg. Da habe ich keine Chance.

Neben dem Glühwein produzieren Sie vor allem Säfte. Was unterscheidet die beiden Geschäftsfelder voneinander?

Nagler: Glühwein ist ein emotionales Produkt. Das ist etwas, das getrunken wird, wenn man gut drauf ist. Man verbindet ihn mit der Weihnachtszeit, die ja sowieso emotional ist. Und das macht es einfach schön.

Was macht eigentlich einen guten Glühwein aus?

Nagler: Was macht einen Glühwein schlecht? Ein Glühwein ist dann schlecht, wenn die Zutaten nicht gut sind. Dann kriegst du Sodbrennen, dann kriegst du Kopfschmerzen. Wir vertrauen auf unsere Rohware, verwenden zum Beispiel italienischen Rotwein. Keinen aus Tunesien oder Marokko, der in vielen Industrieglühweinen steckt. Genauso beim Heidelbeerglühwein. Wir verwenden Wildheidelbeeren und keine Kulturheidelbeeren. Es kommt wirklich auf die Zutaten an.

Womit sich die Frage nach dem besten Mittel gegen einen Glühwein-Kater erübrigt hätte. Aber: Glühwein mit oder ohne Schuss?

Nagler: Glühwein ohne Schuss, Kinderpunsch mit Schuss – aber für Kinder natürlich ohne Schuss. Das sollte jeder machen, wie er es will. Wenn ich mit Schuss will, dann trinke ich Feuerzangenbowle.