Für Regensburger Kasernenareal: Stadt holt sich Ökostrom vom Land

Von Juliana Ried · 21. November 2023 um 19:46

Die Stadt plant auf dem Areal der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne im Osten ein klimaneutrales Vorzeigeviertel mit Wasserstofftechnologie – jetzt auch mit Windstrom von der Bürger-Energie-Region. Ob die erwartete Bundesförderung noch kommt, ist offen.

Zuletzt hatte es zum künftigen Wohnviertel auf dem Areal der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne im Osten schlechte Nachrichten gegeben; der Wohnungsbau verzögert sich wegen der Baukrise. Das Energiekonzept für das klimaneutrale Vorzeigeviertel dagegen ist auf einem guten Weg, so sahen es am Dienstag die Stadträte des Planungsausschusses. Sie erteilten der Verwaltung einstimmig den Auftrag zur weiteren Planung – und stimmten damit der ersten Kooperation zwischen Stadt und Bürger-Energie-Region Regensburg (BERR) zu.

Energie für circa 1200 Wohnungen

Auf dem Areal sollen einmal circa 1200 Wohnungen entstehen. Die Stadt plant die Energieversorgung in einem ersten Schritt mit Strom aus Photovoltaikanlagen auf dem Gelände sowie Wärme aus der Luft, dem Abwasser und der Erde. „Dieses System aus Umweltwärmequellen wird zu circa 75 Prozent CO2-neutral sein und damit einen wichtigen Beitrag zur Energie- sowie Wärmewende in Regensburg leisten“, informierte die Verwaltung die Stadträte in der Beschlussvorlage. Für eine weitestgehend CO2-neutrale Energieversorgung soll in einem zweiten Schritt Wasserstofftechnologie sorgen, die überschüssigen Strom nutzt. „In Zeiten, in denen der abgerufene Bedarf an Strom und Wärme im Quartier die augenblicklich erzeugten Mengen übersteigt, bezieht das vorhandene Blockheizkraftwerk zur Bedarfsdeckung den gespeicherten Wasserstoff“, so steht es im Beschluss.

Für die Wasserstofftechnologie beantragte die Stadt Geld aus dem neuen bayerischen Programm zum Aufbau einer Elektrolyse-Infrastruktur. Stadtsprecherin Katrin Holzgartner erklärt: „Dieses Förderprogramm hat die Anforderung, nicht nur die Stadt, sondern auch die Region mit Wasserstoff zu versorgen.“ Und es bezuschusst spezielle Windstrom-Lieferverträge mit Eigentümern von Anlagen, die in der Region neu entstehen.

Bürger-Energie-Region Regensburg plant Windpark in Sinzing

Entsprechende Pläne hat aktuell die Genossenschaft BERR mit mehr als 400 Mitgliedern aus Stadt und Landkreis; sie plant unter anderem einen Windpark in Sinzing. Vorstandschef Joachim Scherrer bestätigt, bei der geplanten Kooperation mit der Stadt handle es sich um die Erste, die spruchreif ist. „Die Stadt braucht in jedem Fall die Energie, die vom Land kommt“, sagt Scherrer. Allerdings gibt es Hürden. „Die Netze passen im Moment überhaupt nicht.“

Eine weitere Unbekannte ist die Förderung. Die Stadt rechnet mit Gesamtinvestitionen von 30,56 Millionen Euro in das Energiesystem. Kürzlich freuten sich die Verantwortlichen über einen Bescheid über sieben Millionen Euro aus der „Bundesförderung für effiziente Wärmenetze“. Ob das Geld trotz der Haushaltssperre nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts fließt, ist unklar, bestätigte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) auf Nachfrage von Stadträten. „Das kann im Moment keiner beantworten.“