Geballte Einigkeit für erneuerbare Energie im Landkreis Regensburg

Die KERL eG kooperiert mit drei Bürgerenergiegenossenschaften. Im Vordergrund stehen dabei eine echte kommunale und Bürgerbeteiligung samt nachhaltiger Wertschöpfung ind er Region.
Landrätin Tanja Schweiger bringt die Symbolkraft der Pressekonferenz im Landratsamt auf den Punkt. „In geballter Einigkeit“ haben sich dort Vertreter von drei Bürgerenergiegenossenschaften aus der Region mit den Spitzen der Kommunalen Energie Regensburger Land (KERL) eG versammelt, um eine politische Vision auf den Weg zu bringen. „Wenn die Energieerzeugung vor Ort passiert, dann wollen wir dabei sein und mitgestalten“, erklärt Schweiger und meint damit Landkreis und Kommunen. Denn Energie gehöre zur Daseinsvorsorge, ihre Verfügbarkeit sei ausschlaggebend für die Autonomie der Menschen, sagt Schweiger.
Die Werkzeuge dafür soll die KERL eG den Kommunen an die Hand geben. „Wir können nichts vorschreiben“, betont die Landrätin. Vielmehr gehe es darum, ein Grundmodell für die kommunale Energieerzeugung zu entwickeln, das die wichtigsten Fragen beantwortet. Vor allem geht es um die Beteiligungsstruktur für Projekte, die die Kommunen direkt beeinflussen können, für die es also beispielsweise einen Bebauungsplan braucht. „Wir wollen eine echte kommunale und eine echte Bürgerbeteiligung anbieten“, erklärt Energiekoordinator Harald Hillebrand. Ein Angebot, das ankommt. Für mehr als 100 Megawatt hat die KERL eG bereits Flächen für Freiflächenphotovoltaik von Grundstückseigentümern angeboten bekommen.
Lesen Sie dazu auch: Energiewende: Bürger und die Kommunen sollen profitieren
Partner mit Erfahrung
Alleine kann die KERL eG das aber nicht leisten. Deshalb hat sie sich namhafte Partner gesucht, die viel Erfahrung bei der Umsetzung von Bürger-Energieprojekten mitbringen. Einen Partner gibt es bereits im Landkreis. Die Bürger Energie Region Regensburg, kurz BERR eG, wurde zusammen mit der KERL eG vor mehr als zehn Jahren gegründet und hat sich zum Profi beim Bau von PV-Anlagen auf Dächern entwickelt, wie Vorstandsvorsitzender Joachim Scherrer erläutert. Er hat zuletzt eine rasant steigende Nachfrage registriert. Allein in den vergangenen zwei Monaten hat die BERR eG rund eine halbe Million Euro für neue Projekte eingesammelt. „Echte Bürgerbeteiligung gibt es nur über uns“, sagt Scherrer.
Das sieht auch Michael Vogel so, der Vorstandsvorsitzende der Jurenergie, die im Landkreis Neumarkt beheimatet ist. Die Genossenschaft betreibt fünf Windräder und wird demnächst massiv in Freiflächenphotovoltaikanlagen investieren. Vogel bewertet die Kooperation als starkes Signal. „Wir müssen uns zusammentun, denn nicht jeder kann alles alleine“, betont er.
Kräfte bündeln gegen Heuschrecken
Die Kräfte bündeln gegen Investoren von außen, die wie Heuschrecken in die Kommunen einfallen. Darum geht es auch für Bernhard Schmidt, den Geschäftsführer der Neue Energien West (NEW) eG, die in den Landkreisen Neustadt/WN, Tirschenreuth und Amberg-Sulzbach rund 80 Millionen Euro in Windkraft und Photovoltaik auf Dächern und Freiflächen investiert hat. Schmidt hat festgestellt, dass ein Umdenken selten ohne Schmerzen möglich ist. „Die Strom- und Gaspreise haben zuletzt für Schmerzen gesorgt“, sagt er. Um Strom wieder günstiger zu machen, müsse er vor Ort selbst erzeugt werden, ist Schmidt überzeugt.
Der Wille dazu ist da bei allen, die sich im Landratsamt versammelt haben. Trotzdem steht vor der Umsetzung der großen Pläne derzeit noch ein dickes Fragezeichen. Denn die Netze sind nicht für die enormen Strommengen ausgelegt, die in den Kommunen erzeugt werden sollen. „Das ist derzeit unmöglich, physikalisch, technisch, personell und weil das Material dafür fehlt“, sagt Bernhard Schmidt und spricht seinen Kollegen aus der Seele.
Flaschenhals Netzausbau
„Der Flaschenhals Netzausbau muss schnellstmöglich beseitigt werden“, fordert Michael Vogel. Bis dahin helfen seiner Meinung nach nur eigene Umspannwerke, deren Kosten die Genossenschaften aber auf den Strompreis umlegen müssen. Vogel befürchtet hier jedoch eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber Stromlieferanten, die die Netze nutzen können. Speicher seien hier keine Lösung. Sie würden nur Spitzen abfedern.
Die Schlussworte haben drei Bürgermeister, die sich für KERL und BERR ins Zeug legen. So brauchen die Kommunen nach Ansicht von Max Kollmannsberger aus Tegernheim dringend Ansprechpartner bei der Energieerzeugung. Elisabeth Kerscher aus Wiesent sieht ein entscheidendes Erfolgskriterium für die Gemeinden in der Frage, wie sie die Stromversorgung gestalten. Und Karl Söllner aus Brunn verweist darauf, dass die Genossenschaften Gewerbesteuer bringen. Bei der Jurenergie waren es zuletzt 200000 Euro. „Und die zahle ich gerne“, sagt Michael Vogel.
