Regensburger Planungsreferent: „Die Altstadt ist nicht der große CO2-Sünder“

Von Juliana Ried · 21. November 2023 um 19:00

Florian Plajer übernahm Anfang Oktober das Planungs- und Baureferat der Stadt von Christine Schimpfermann. Im Interview mit der Mittelbayerischen spricht er über die Heizwende, die Wohnbau-Krise – und die Stadtbahn.

Haben Sie in Regensburg schon eine Wohnung gefunden?

Florian Plajer: Ich habe eine Wohnung in der Altstadt gefunden, aber das war nicht ganz leicht.

Wie schwer haben es Menschen, die weniger Budget haben als Sie, bei der Wohnungssuche?

Plajer: Es ist schwierig, eine Wohnung zu finden in Regensburg. Man sieht das ganz klar an der Nachfrage, gerade im Bereich der geförderten Wohnungen. 2022 waren es rund 1600 Vormerkungen für Wohnberechtigungsscheine der Einkommensstufe 1 (mit den niedrigsten Einkommensgrenzen, Anmerkung der Redaktion). Die können nicht alle bedient werden. Was viele nicht wissen, es gibt daneben auch noch geförderte Wohnungen für Familien mit zwei Kindern und einem Bruttoeinkommen von 102.000 Euro im Jahr. Ich glaube, da fällt schon ein relativ großer Bevölkerungsanteil drunter.

Wenn jetzt viele ihren Anspruch geltend machen würden, wären die Wartelisten noch länger.

Plajer: Natürlich müssen mehr Wohnungen für alle Einkommensstufen entstehen. Aber alle schnaufen momentan aufgrund der Baukosten.

Was kann die Stadt tun, dass trotz der Baukrise Wohnungen entstehen?

Plajer: Die Stadt kann versuchen, so gut und zügig wie möglich Baurecht zu schaffen. Momentan beträgt die Bearbeitungszeit der allermeisten Bauanträge bis zu drei Monaten, also gar nicht so lang. Teilweise nehmen aber Bauwerber die Baugenehmigungen nicht mehr an, weil es an der Finanzierbarkeit scheitert. Da kommen wir wieder auf den geförderten Wohnungsbau, der aktuell eine sehr gute Möglichkeit für Bauwerber darstellt. Das oft kritisierte Baulandmodell mit der Verpflichtung auf 40 Prozent geförderten Wohnraum ist aktuell für viele nicht unbedingt eine Einschränkung, sondern eher eine Möglichkeit, an eine zusätzliche Finanzierungsquelle heranzukommen.

Die Regensburger Baupolitik hat Jahre lang auch Negativschlagzeilen gemacht im Zuge des Korruptionsskandals. Hatten Sie deswegen Vorbehalte, nach Regensburg zu gehen?

Plajer: Nein. Erstens bin ich nicht da, um Vergangenheitsbewältigung zu betreiben. Zum zweiten ist es so, dass es im Bereich des Bauens immer einen großen Fokus auf das Thema Korruptionsprävention gibt. Das heißt, dass man intern wie nach außen transparente Prozesse und Kommunikation hat und alle Anliegen ohne Ansehen von Stand und Person behandelt.

Wo ist denn noch Platz für neue Wohnungen im großen Stil?

Plajer: Es gibt noch ein paar Reserven, aber nicht viele. Man muss sich davon verabschieden, nur noch im großen Stil zu denken. Ich glaube, es steckt

großes Potenzial in Nachverdichtung im Bestand. Es kann sein, dass man Innenhöfe nutzt. Es kann sein, dass man auch über die Höhe nachdenkt, das hängt stark vom konkreten Ort ab. Man wird sicherlich nicht im großen Stil von Hochhäusern sprechen. Aber es gibt schon sehr viele Gebäude, die sehr großstädtisch sind von der Höhe, zum Beispiel Gebäude aus der Gründerzeit im Stadtosten. Die haben Traufhöhen von 20, 22 Metern. Das ist ein Maßstab, an dem man sich orientieren kann.

Sie haben sich als Stadtbahn-Anhänger gezeigt. Viele wollen die Tram nicht. Was wäre die Alternative?

Plajer: Ich glaube, es muss für die Öffentlichkeit noch mal eine klare Gegenüberstellung zu Alternativen zur Stadtbahn geben. Welche Alternativen können 2035, 2040 Personen in dieser hohen Anzahl, mit dieser Taktung und Geschwindigkeit durch die Stadt bewegen? Meiner Meinung nach kann das nur die Stadtbahn. Und wie schaut die finanzielle Seite aus? Was wäre, wenn man ein Busnetz ausbauen würde? Außerdem muss natürlich der Rad- und Fußverkehr gestärkt werden.

Wann wollen Sie die Alternativen präsentieren?

Plajer: Alternativen zur Stadtbahn wurden ja bereits vor dem Stadtratsbeschluss, Planungen aufzunehmen, geprüft. Der Plan ist jetzt, dass wir im ersten Quartal 2024 mit dem Masterplan zur Stadtbahn und der Nutzen-Kosten-Untersuchung im Stadtrat sind. Dabei ist die maßgebliche Frage, ist die Stadtbahn förderfähig? Das ist auch der richtige Moment, um nochmals aufzuzeigen, was es bedeuten würde, wenn sie nicht eingeführt wird. Das kann nicht die gleiche Tiefe haben, wie eine technische Durchplanung der Stadtbahn, aber es muss auf jeden Fall ausreichend geeignete Annahmen geben, die eine Vergleichbarkeit herstellen lassen.

Sie sind auch dafür zuständig, wie Regensburg künftig heizt. Wie kommt es weg vom Gas, auch im Welterbe?

Plajer: Die Altstadt ist nicht der große CO2-Sünder in der Stadt. Man muss vorrangig die größten Hebel nutzen. Die Stadt hat rund 400 städtische Liegenschaften. Von diesen 400 Liegenschaften sind rund 95 besonders klimarelevant. Diese 95 Liegenschaften setzen rund 6000 Tonnen CO2 pro Jahr frei. Wenn sechs davon saniert werden, können wir das um rund ein Viertel reduzieren. Gesetzliche Pflicht ist, die kommunale Wärmeplanung anzutreiben und sie in Regensburg bis 2026 abzuschließen. Da kann man dem Ergebnis nicht vorgreifen und das kann die Stadt auch nicht ohne den Energieversorger entscheiden. In der Altstadt könnte die energetische Nutzung von Abwasser sowie Donauwasser ein Thema sein. Genauso kann es möglich sein, in Innenhöfen Geothermie zu nutzen.

Zum Schluss eine Geschmacksfrage: Welche Gebäude in der Stadt gefallen Ihnen und welche finden Sie schrecklich?

Plajer: Schrecklich ist hier das falsche Wort. Ich würde es eher umdrehen: Es gibt sehr tolle Gebäude in Regensburg und auch tolle Ecken. Die Synagoge von Staab Architekten ist für mich eine Stadtperle, die sehr hochwertige Architektur darstellt. Und auch das vom Freistaat prämierte Kinderhaus an der Guerickestraße, eine Eigenplanung des Hochbaus, zeigt wie qualitätsvoll hier geplant und gearbeitet wird. Eine Situation, die mir besonders gut gefällt, ist die am Blumenladen an der Nibelungenbrücke. Das ist ein städtischer Raum, ein Nichtort, der angeeignet wird: Vor ein paar Tagen waren welche mit dem Einrad da, es sind Tische da, es hängt Dekoration. Dieses Aneignen von Räumen, die nur durchschnittliche Qualität haben, ist ein wichtiger Bestandteil von dem, was Urbanität und Lebenswertigkeit ausmacht.

Zur Person

Leben: Florian Plajer (45) studierte Architektur in München und Spanien. Plajer lebt mit seiner Familie in Dachau und seit Oktober auch in Regensburg.

Beruf: Nach seiner Ausbildung zum Regierungsbaumeister arbeitete Plajer in der Regierung von Niederbayern und im Bauministerium, ehe er 2018 als Abteilungsleiter Bau ans Landratsamt Freising wechselte. Im März wählte ihn der Regensburger Stadtrat zum Nachfolger von Christine Schimpfermann.