Legt Schwandorf die Fußgängerzone an der Friedrich-Ebert-Straße auf Eis?

Noch im August hatte Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) im Sommer-Interview bekräftigt, dass die Fußgängerzone an der Friedrich-Ebert-Straße „jetzt dann kommen“ müsse – im Frühjahr 2024, nach dem Weihnachtsgeschäft. Doch nun gibt es Überlegungen, das umstrittene Projekt noch einmal bis 2026 zu schieben. Die Gründe sind vielfältig.
Am Donnerstag befasst sich der Schwandorfer Verkehrsausschuss im Konrad-Max-Kunz-Saal der Oberpfalzhalle noch einmal mit dem Thema und berät in öffentlicher Sitzung über das „weitere Vorgehen“. Derselbe Ausschuss hatte am 28. Juli 2021 den Grundsatzbeschluss gefasst, den Abschnitt von der Einmündung der Bahnhofstraße bis zum Reiner-Eck in eine autofreie Zone zu verwandeln – zunächst im Rahmen einer Testphase.
Am Mittwoch informierte 2.Bürgermeister Andreas Wopperer (CSU) nun bei der Jahresversammlung des Vereins Stadtmarketing Schwandorf, dass der vorgesehene Zeitplan für die Fußgängerzone aller Voraussicht nach nicht zu halten sei. Als mögliches Datum nannte er nach Auskunft von Teilnehmern das Jahr 2026.
Auf Anfrage unserer Zeitung erklärte Wopperer, dass sich zuvor die CSU-Fraktion intern mit dem Thema auseinandergesetzt und angesichts der verschiedenen anderen Baumaßnahmen auf eine Verschiebung des Projekts verständigt habe. „Es macht keinen Sinn, im Jahr 2024 in eine Testphase zu starten und dann mit der Einrichtung der Fußgängerzone zwei Jahre zu warten“, so der Fraktionschef. Wopperer geht davon aus, „dass das auch im Verkehrsausschuss mehrheitsfähig sein wird“.
Viele Baumaßnahmen geplant
Baumaßnahmen gibt es in den nächsten beiden Jahren zur Genüge. Spektakulärstes Projekt ist die Erneuerung der beiden Naabbrücken, für die das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach und die Stadt Schwandorf insgesamt rund 20Millionen Euro investieren. Ende 2025 ist die Fertigstellung geplant, anschließend soll laut Wopperer auch noch die Deckschicht an der Beer-Kreuzung erneuert werden. Bisher liegt man nach Angaben des Bauamts gut im Zeitplan.
Vorhaben Nummer zwei hat der Schwandorfer Bauausschuss im Februar dieses Jahres auf den Weg gebracht: Auf Höhe des Kolpingplatzes soll eine neue Brücke direkt von der Naabuferstraße zum Stadtpark führen. Die Umsetzung ist nach den Worten Wopperers ebenfalls für 2025 vorgesehen.
Doch damit nicht genug: Im Jahr 2025 will die Städtische Wasser- und Fernwärmeversorgung auch noch an der Breite Straße die Erde aufgraben. Wie Werkleiter Walter Zurek auf Anfrage informierte, soll in dem Straßenzug die etwa 80Jahre alte Wasserleitung erneuert werden. Zugleich will die Stadt ein rundes Dutzend an Fernwärmeanschlüssen installieren. Zurek: „Wir werden in Etappen vorgehen. Innerhalb eines halben Jahres lässt sich die Maßnahme wohl bewältigen“. Vorgesehen sei laut Grobplanung der Zeitraum von Mai bis Oktober.
Parteien im Stadtrat sind sich uneinig
Bei den anderen Parteien im Stadtrat sieht man teils gute Gründe für eine Verschiebung, teils aber auch nicht. „Die Argumente stimmen natürlich“, sagte SPD-Fraktionschef Franz Schindler auf Anfrage, wollte aber der Beratung im Verkehrsausschuss nicht vorgreifen. Schindler wörtlich: „Es geht um die Belebung der Innenstadt und nicht um ihre Stilllegung. Alles, was zur Belebung beiträgt, tragen wir mit.“
Stadträtin Marion Juniec-Möller (Grüne/ÖDP-Fraktion) sprach sich klar gegen eine weitere Verzögerung aus. Diese Haltung wollte sie auch bei der für Montagabend anberaumten Fraktionssitzung einbringen. „Jetzt gilt es Wort zu halten. Wir dürfen die Möglichkeit nicht verspielen, für eine bessere Aufenthaltsqualität in der Innenstadt zu sorgen“, sagte sie. Schließlich hätten sich bei einer Befragung zwei Drittel der Bürger für eine autofreie Zone an der Friedrich-Ebert-Straße ausgesprochen.
Erst einmal Erleichterung bei den Händlern
Unter den Innenstadt-Händlern sorgte der mögliche Aufschub für Genugtuung. „Bei der Versammlung herrschte eindeutig Erleichterung, dass für die nächsten Jahre wohl erst einmal nichts kommt“, sagte Gregor Plößl, der Inhaber des Schuhhauses Gruber am Marktplatz. Er hat sich öffentlich wiederholt gegen eine Fußgängerzone ausgesprochen, und an seiner kritischen Haltung hat sich nichts geändert: „Man kann nicht einfach zusperren und keine Alternativen für den Verkehr schaffen. Das gilt auch nach 2026.“
2026, im Jahr der Kommunalwahlen, könnten die Karten bei der Friedrich-Ebert-Straße aber auch ganz neu gemischt werden. CSU-Fraktionschef Andreas Wopperer will nach eigenen Worten „keine Prognose mehr wagen. Aber nach meiner persönlichen Einschätzung ist das Thema auf absehbare Zeit gestorben.“
