Händler sind überzeugt: Schwandorf ist zu klein für eine Fußgängerzone

Von Jan Lange · 23. Oktober 2023 um 18:41

Wird die Friedrich-Ebert-Straße zur Fußgängerzone oder nicht? Diese Frage wird regelmäßig gestellt – bei öffentlichen Veranstaltungen oder in den sozialen Netzwerken. Dabei zeigt sich, dass die Meinungen ganz unterschiedlich sind.

Schwandorfs Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) bezog vor einigen Wochen im Gespräch mit der MZ auch zur geplanten Fußgängerzone Stellung. „Sie wird kommen müssen“, lautete die klare Position des Rathauschefs. „Und zwar nach dem Weihnachtsgeschäft“, kündigte der OB an.

Unter den Innenstadthändlern sorgen die Aussagen keineswegs für Freude. „Schwandorf ist zu klein für eine Fußgängerzone“, ist Gregor Plößl, Inhaber des Schuhhauses Ludwig Gruber, überzeugt. Plößl hatte sich auch bei Diskussionen in den sozialen Netzwerken zu Wort gemeldet. Dabei erinnerte er daran, dass eine Fußgängerzone schon mal ausprobiert worden sei. „Nur mal als Beispiel die Weihnachtssamstage: Da war die Straße nämlich immer gesperrt, bis man mal drauf kam, dass einfach zu wenig Leute unterwegs sind, und dass dann wieder aufgemacht wurde“, so sein Kommentar.

Viele Kunden kommen mit dem Auto

Der Großteil seiner Kunden komme mit dem Auto, so Plößl. Das liege seiner Meinung nach auch daran, weil der Öffentliche Personennahverkehr nicht so gut sei. „Klar kommen auch Kunden mit dem Fahrrad oder zu Fuß, aber viele eben mit dem Auto“, so der Schwandorfer Schuhhändler. Mit einer Fußgängerzone sei sein Geschäft nicht mehr so gut erreichbar. „Für meine Kunden soll es möglichst einfach sein, in mein Geschäft zu kommen.“

Es gehe dabei keineswegs nur um diejenigen, die aus Bequemlichkeit bis vor jedes Geschäft fahren möchten. „Ganz ehrlich, denkt hier jemand auch an Ältere und Gehbehinderte, die nicht so gut zu Fuß sind“, kritisiert Plößl und fügt hinzu: „Beim Globus sperrt man ja auch nicht die ersten fünf Parkreihen. Da möchte jeder nah am Eingang parken.“

Bei Diskussionen um die Fußgängerzone verweisen Kritiker gern auf andere Städte. So auch beim Mobilitätsabend Anfang Juli in der Oberpfalzhalle. Franz Schindler, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, meinte im Rahmen dieser Veranstaltung, dass man in der Stadt Amberg „unglücklich“ mit der Fußgängerzone sei. Und in Regensburg seien die Straßen mit einer Fußgängerzone tot, so die Einschätzung des Sozialdemokraten.

Maxstraße in Regensburg ist ein mahnendes Beispiel

Die Maxstraße in Regensburg ist auch für Gregor Plößl ein mahnendes Beispiel. Sie habe früher floriert, mit der Ausweisung der Fußgängerzone sei es bergab gegangen, so der Schuhhändler. „Und Regensburg ist eine große Stadt“, gibt er zu Bedenken.

Plößl kennt aber nicht nur Beispiele hierzulande, auch in Nachbarländern sehe es nicht besser aus. Eine französische Kleinstadt habe, nachdem die Innenstadt abgesperrt worden war, am ersten Wochenende 20Prozent und an den beiden folgenden Wochenenden 30Prozent Umsatzeinbußen gehabt, erzählt er.

SPD-Mann Schindler kommt zu einer ähnlichen Einschätzung wie der Innenstadthändler. In Städten in der Größe von Schwandorf funktioniere eine Fußgängerzone nicht mehr. In der Umfrage von 2020 war die Mehrheit der Teilnehmer jedoch anderer Meinung: 51,5Prozent der befragten Bürger (847) sprach sich für die Realisierung des Vorhabens aus.

Knapp 87 Prozent der insgesamt 571 Befürworter würden laut der damaligen Umfrage die Innenstadt häufiger besuchen, wenn die Friedrich-Ebert-Straße als Fußgängerzone ausgewiesen wird. Auf diese Zahl wird in den sozialen Medien gern verwiesen – so auch bei der Diskussion, die Gregor Plößl kommentiert hat.

Befürworter der Fußgängerzone argumentieren, dass es sich um Durchgangsverkehr handelt, der aus der Innenstadt verbannt werden sollte. Es sei aber keineswegs nur reiner Durchgangsverkehr, der die Friedrich-Ebert-Straße nutze, ist sich der Schuhhändler sicher. Wenn Kunden sehen würden, dass das Schaufenster neu gestaltet wurde, würden sie anhalten und reinschauen, erklärt Plößl. Wer die Autos aus der Friedrich-Ebert-Straße raus haben wolle, der sorge auch dafür, dass die Kunden aus der Innenstadt raus gehen, ist sich der Inhaber vom Schuhhaus Gruber sicher.

Sperrung kommt zum falschen Zeitpunkt

Plößl hält auch den Zeitpunkt der Einführung für falsch. Erstmal sollten die Naabbrücken fertig saniert werden. Andernfalls würde es noch mehr Verkehrschaos geben. Zusammen mit anderen Händlern würde er gern über das Thema persönlich mit dem OB sprechen. Vielleicht käme bei einem solchen Treffen auch Fellers Aussage zur Sprache, dass die Friedrich-Ebert-Straße nicht unbedingt eine Einkaufsstraße sein müsse. Das empfänden die Händler wie einen Schlag ins Gesicht.

Dabei hat die Friedrich-Ebert-Straße in den vergangenen Jahren bereits ihr Gesicht verändert. Bei einem größeren Teil der Angebote handelt es sich inzwischen um Dienstleistungen – angefangen beim Piercingstudio über die zahlreichen Friseurläden bis hin zum Beauty- und Nagelstudio. Viele der Neueröffnungen in jüngerer Zeit – Dream Nail & Beauty, Bella Aesthetica, Djuletta Aesthetic Room – sind Dienstleister und keine Händler mehr.

Zu diesen Dienstleistern gehört auch Rokhsareh Shaghaghi mit ihrem Friseurgeschäft Roxy. Die 44-Jährige sieht die Einführung einer Fußgängerzone eher positiv. Der Großteil ihrer Kunden sei Stamm- oder Laufkundschaft. Letztere würden sie oft über die Google-Suche finden und vorbeikommen. Jene, die mit dem Auto vorbeikommen, würden ihren Laden oft nicht sehen und deshalb auch nicht anhalten.