Neustadt a.d. Donau geht weitere Schritte zur Klimaneutralität

Von Jochen Dannenberg · 19. November 2023 um 11:00

Das große Ziel der Kommune ist die Wärmeauskoppelung bei der Bayernoil Raffinerie: Von der überschüssigen Wärme könnten in Neustadt a.d. Donau zahlreiche Haushalte profitieren. Foto: Dobmeier

Die Haushalte in Neustadt a.d. Donau sollen künftig auch über Wärme aus der Bayernoil-Raffinerie versorgt werden. Der Stadtrat hat dafür jetzt zwei weitere Weichen gestellt.

Es war die Energiekrise der letzten Jahre, die dazu führte, dass eine alte Idee in Neustadt a.d. Donau wieder auflebte: Die Abwärme der Bayernoil-Raffinerie soll für die Stadt genutzt werden. Dabei geht es um ein Projekt, das bis zu seiner Realisierung mehrere Jahre brauchen und nach bisherigen Schätzungen 40 Millionen Euro kosten wird. Das entspricht einem Jahresetat der Stadt Neustadt a.d. Donau.

Dieses neue, große Vorhaben wollen Stadtrat und Bürgermeister trotz der aktuell nicht einfachen finanziellen Situation der Stadt umsetzen. Für die Stadt hatte es über Jahrzehnte nur die Überholspur gegeben. Ein scheinbar nicht zu bremsendes Wachstum sorgte für stetig steigende Steuereinnahmen, die wiederum immer neue Projekte zuließen.

40 Prozent der Summe für dei Wärmeauskoppelung könnten über Fördermittel fließen. Die übrige Summe könnte u.a. über Eigenkapital und ein Beteiligungsmodell fließen, wobei insoweit nicht an eine Genossenschaft wie beim Irnsinger Wärmenetz gedacht ist.

Projekt als Standortvorteil

Eine Vorstudie zur Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit des Projekts kam zu dem Schluss, dass das Vorhaben ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich machbar ist. Bürgermeister Thomas Memmel ist überzeugt: „Das Projekt kann für uns ein Standortvorteil werden, weil wir unseren Unternehmen günstige Energie zur Verfügung stellen können.“

Seit der Stadtratssitzung am vorigen Montag sind Stadtrat und Bürgermeister in zwei kleinen, aber wichtigen Schritten weitergekommen. So wurde vom Stadtrat einstimmig beschlossen, dass ein Förderantrag auf Grundlage des Gesetzes für die Wärmeplanung gestellt wird. Mit dem Gesetz soll die Wärmeplanung in Deutschland auf Treibhausgasneutralität umgestellt werden, um zur Erreichung der Klimaschutzziele der Bundesregierung bis 2045 beizutragen. Ausgangspunkt der Wärmeplanung ist eine Bestands- und Potenzialanalyse lokaler Gegebenheiten.

Die Kosten für die Analyse halten sich für die Kommune in Grenzen. Die Gesamtkosten belaufen sich zwar auf 83.000 Euro. Für alle Anträge, die bis Jahresende gestellt werden, gilt jedoch eine Förderquote von 90 Prozent.

Künftig neue Aufgabe

Nicht weniger wichtig ist für die Stadt ein weiterer Schritt: Die Betriebssatzung der Stadtwerke, ein Eigenbetrieb der Kommune, wurde an die neuen Herausforderungen angepasst. Bisher beschränkten sich die Aufgaben des Unternehmens auf die Versorgung der Stadt mit Strom und Wasser.

Künftig sollen sich die Stadtwerke auch um den Bereich Wärme kümmern. Nach einem einstimmigem Beschluss der Stadträte wurde die Wärmeversorgung als dritte Aufgabe in der Satzung festgelegt. Für die Stadtwerke geht es dabei laut neuer Satzung insbesondere um die „Errichtung, Erhaltung und Betrieb von Wärmeerzeugungsanlagen sowie Wärme“ und deren Absatz.

Neustadt a.d. Donau soll künftig über erneuerbare Energien und Abwärme beheizt werden. Foto: Satzl