Steigende Gema-Gebühr: Eine „Hiobsbotschaft“ für die Turmweihnacht in Abensberg

Von Martin Rutrecht · 15. November 2023 um 19:00

Für die Turmweihnacht in Abensberg fällt schon bisher ein mittlerer vierstelliger Betrag an Gema-Abgaben an. Der Veranstalter fürchtet nun für 2023 eine massive Erhöhung. Foto: Neumaier/Archiv

Ohne stimmungsvolle Musik wäre ein Weihnachtsmarkt recht still. Für die Stücke verlangt die Gema, die Musiker und Texter vertritt, eine Gebühr – die heuer teils massiv steigt. Eine „Hiobsbotschaft“ sei das für die Turmweihnacht in Abensberg, sagt deren Marktleiter. Nun steht die Live-Bühne auf der Kippe.

Rund 200.000 Besucher zieht der Budenzauber rund um den Hundertwasserturm jährlich an. Veranstalter ist die Brauerei zum Kuchlbauer. „Die Gema-Gebühr bewegte sich bisher im mittleren vierstelligen Bereich“, sagt der zuständige Marktleiter Hans-Peter Rickinger. Die jährliche Erhöhung lag bei „sechs bis acht Prozent“. Für 2023 stehen deutlich steigende Abgaben im Raum. „Ich habe mit anderen Veranstaltern telefoniert. Einer sprach von tausend Prozent mehr.“

Eine Rechnung hat Rickinger noch nicht vorliegen, diese wird von der Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) erst erstellt. „Aber in den fünfstelligen Bereich kommen wir allemal.“ Gegen die Abgabe, die an Komponisten, Musiktexter und -verleger geht, habe er nichts. „Allerdings erscheinen die Preissprünge undurchsichtig und willkürlich.“

Fläche bestimmt den Preis – aber welche?

Dem widerspricht die Gema. Tarife werden mit Branchenverbänden festgelegt, sagt Nadine Remus von der Unternehmenskommunikation. „Hier sind preisliche Anpassungen möglich. Sie bewegen sich im Bereich von zwei bis fünf Prozent.“ Ins Gewicht könnte etwas anderes fallen. Die Gema zieht für die Höhe der Abgabe „die gesamte Veranstaltungsfläche heran (Wand zu Wand) und nicht die beschallte Fläche vor der Bühne“.

Bei Flächennachmessungen komme es vor, dass Abweichungen zur gemeldeten Veranstaltungsfläche festgestellt werden, „weil fälschlich bislang nur die beschallte Fläche“ angegeben wurde. Wenn das vermessene Areal deutlich größer sei, „so steigt natürlich die Lizenzhöhe“. Daran entzündet sich Kritik, die Rickinger am Beispiel der Turmweihnacht fest macht. „Wir nutzen 5000 Quadratmeter auf unserem Gelände. Nun wird offenbar der ganze Platz berechnet.“ Sollte die nicht bespielte Fläche miteinbezogen werden, „ist das für mich Wegelagerei“. Die Gema verweist auf ein Bundesgerichtshof-Urteil, das jenes Wand-zu-Wand-Prinzip vorgibt.

Gema-freie Musik als Ausweg

Der Marktleiter sucht nach einem Ausweg. „Wir werden sicher keinen Eintritt verlangen, um höhere Kosten zu decken.“ Auch auf Standbetreiber will man nichts umlegen. Die einzige Lösung für Rickinger: „Wir spielen Gema-freie Musik.“ Dazu zählt beispielsweise älteres Liedgut, weil die Schutzfrist 70 Jahre nach dem Tod eines Urhebers erlischt.

Das Bittere: „Wir wollten heuer nach jahrelanger Pause wieder eine Live-Bühne aufstellen. Das steht jetzt auf der Kippe.“ Eine Chance sieht er noch, wenn Verhandlungen des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands mit der Gema fruchten. Viel Zeit bleibt nicht mehr – am 22. November beginnt die Turmweihnacht.

Kelheim kommt moderat davon

Am Christkindlmarkt in Kelheim (Start 8. Dezember) geht der Kelch vorüber. Auch in der Kreisstadt erreicht die Gebühr eine vierstellige Summe. „Das ist nicht wenig, aber die Erhöhung bleibt mit drei Prozent überschaubar“, sagt die städtische Veranstaltungsleiterin Kathrin Zach. Hier liegt eine Vorabrechnung auf Basis der Voranmeldung vor. Die Stadt gibt eine Fläche von 800 Quadratmetern an, sie schultert auch die Kosten. Man setze weiter auch auf Live-Auftritte bei freiem Eintritt. „Ärgerlich ist eine Steigerung immer, weil der Christkindlmarkt ein Angebot für die Bürger ist und keiner Gewinnerzielung dient.“

„Extrem erhöht“ hat sich die Gebühr beim Niklasmarkt in Abensberg, erklärt Diana Vierthaler. Sie ist die Organisatorin innerhalb des Stadtmarketing-Vereins als Veranstalter. Berappte man bisher 300 Euro, „so kommen wir jetzt in den vierstelligen Bereich“. Man werde aber am Rahmenprogramm festhalten.

Sonderregelung hält Vereine kostenfrei

Vereine sind eigentlich für bis zu zwei eintrittsfreie Feste von der Gebühr befreit (für maximal 300 Quadratmeter Fläche) Der Freistaat Bayern hat dazu eine Pauschalregelung mit der Verwertungsgesellschaft getroffen. „Das gilt aber nur für gemeinnützige Vereine, wir als Stadtmarketing fallen nicht darunter“, erklärt Vierthaler.

Bad Abbach hat für seinen Markt in 2023 eine höhere Fläche gemeldet, erklärt Bürgermeister Benedikt Grünewald. „Uns ist bewusst, dass sich dadurch die Gebühren erhöhen werden. Die Mehrkosten liegen im erwartbaren Bereich. “ Da vorrangig traditionelles Liedgut gespielt werde, blieben die Abgaben im Rahmen.

Kaum Änderung in Mainburg und Saal a. d. Donau

In Mainburg hat sich die Fläche in den letzten Jahren nicht wesentlich verändert, „daher sind die Kosten sehr ähnlich“, sagt Christoph Kempf vom Stadtmarketing. Saal a. d. Donau leistet für seinen Weihnachtsmarkt laut Daniela Schmidt aus dem Rathaus eine Abgabe von 200 Euro. „Unsere Steigerungen spielen sich im einstelligen Euro-Bereich ab.“

Thema wird die (neue) Flächenbemessung über die Weihnacht hinaus bleiben. Denn der zu Grunde liegende „Tarif für Stadtfeste“ gilt auch für viele andere Veranstaltungen im Jahreslauf. Von Altstadt- bis Dorffesten, von historischen Märkten bis zu Pfarrfesten reicht die Palette, für die von der Gema Musikgebühren erhoben werden.

In Kelheim steigt die Gebühr um drei Prozent. Foto: Nückel