Glück mit im Gepäck: Anita Scharf aus Abensberg will mit Sorgenwürmchen Mut machen

Anita Scharf aus Abensberg will mit ihren selbst gehäkelten Sorgen- und Glückswürmchen den Menschen ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Bisweilen kommen ihre Würmchen gut in der Welt herum.
In den Kopf muss noch ein Loch. Da muss der Ehemann mit dem Akkubohrer ran. Anita Scharfs Sorgen- oder Glückswürmchen sind eine echte Gemeinschaftsarbeit. Die 67-Jährige häkelt den Körper, ihr Mann bohrt Löcher in die Holzkugeln, die davor Enkelin Greta mit Gesichtern bemalt hat. Eine Viertelstunde braucht sie pro Wurm. In den kommenden Tagen wird Scharf dann etwa 50 ihrer Würmchen „auswildern“. Dann sind sie nicht nur in Allersdorf zu finden, sondern hängen vielleicht an einem Auto oder an einem Einkaufswagen.
Etwa 200 Sorgenwürmchen hat Scharf schon produziert. Dazu inspiriert wurde sie Anfang März durch einen Eintrag auf Facebook, die „Sorgenwürmchen Worms“. Die ersten selbst hergestellten Würmchen aber, die wollten ihr nicht so recht gefallen, „das sind ja saudünne Heringe“, stellte sie fest und besserte nach, nahm die Wolle doppelt. „Das war einfach so ein Spiel.“ Die fertigen Würmchen verschenkte sie dann an Bekannte, deren Kinder und Enkelkinder. Und mit denen gingen die Würmchen dann teilweise auf große Reise, mal nach Malaysia, mal nach Vietnam. „Das hat dann richtig eingeschlagen.“
Häkelliebe von der Mutter geerbt
Das Geschick fürs Häkeln oder Stricken hat Scharf von ihrer Mama geerbt. Auf dem Esstisch erinnert eine selbstgehäkelte Decke an deren Liebe zur Handarbeit. „In unserem Haus hatten wir bestimmt sieben bis acht Garnituren von Vorhängen“, erzählt Scharf, „alle von meiner Mama selbstgehäkelt“. Scharf selbst häkelt hauptsächlich zur Entspannung, auch Brotkörbe, Spüllappen oder Netze. Das Garn, das von der Mama noch übrig ist, wird in die Würmchen mit eingearbeitet. So lebt ein Stück von der Mama in den Würmchen weiter.
Früher Pullis gestrickt
Für ihre mittlerweile zwei erwachsenen Töchter – die im Übrigen so gar nichts mit Handarbeit am Hut haben – hat sie früher auch gerne Pullis gestrickt, „dann war erst einmal Flaute“. Enkelin Greta darf sich immer wieder über neue Handschuhe freuen und auch „Seelenwärmer“, gestrickte Jäckchen entstehen.
Aber zurück zu den Sorgenwürmchen. Als Enkelin Greta einmal sagte, dass sie ja keine Sorgen habe, entstand die Idee, Glückswürmchen zu machen. Und ein bisschen Glück, das kann jeder gebrauchen. Kinder von Bekannten freuen sich jetzt ebenso über die Glücksbringer zum Schulstart wie Unbekannte, bei denen die Würmchen plötzlich am Auto hängen. Und weil die Würmchen ja nicht sprechen können, gibt es dazu einen nette, Mut machende Widmung auf kleinen Zetteln.
Damit sie vor Wind und Wetter geschützt sind, steckt Scharf die Würmchen auch gerne mal in leere Marmeladengläser, „aber die nehmen die Leute immer mit. Dabei habe ich keine mehr, weil ich heuer 137 Gläser Marmeladen eingemacht habe“.
Würmchen sind unbezahlbar
Zu kaufen gibt es die Würmchen im Übrigen nicht. Als vor Kurzem eine Frau aus einem Altenheim über Facebook schrieb, ob sie sie kaufen könne, hat ihr Scharf kurzerhand vier geschickt, umsonst freilich. Zurück kam eine rührende Dankeskarte.
Auf Abruf produzieren, das möchte Scharf allerdings nicht, schon gar nicht unter Druck. „Ich mache alles gern, aber ich will nicht mehr ,müssen‘müssen, ich bin 67 und aus dem Alter raus.“


