Frauen aus Sandharlanden und Abensberg wollen mit ihren Herzkissen Kranken Trost spenden

Von Lucia Pirkl · 28. Oktober 2023 um 19:00

Gemeinsames Projekt: Frauenbund Sandharlanden und Abensberg nähen für den guten Zweck und geben so Kranken ein Stück Hoffnung.

Beim ersten Treffen wollten die Frauen vom Frauenbund Sandharlanden und Abensberg eigentlich nur planen, wie sie ihr gemeinsames Projekt am Besten angehen. Am Ende des Abends hatten sie 30 Herzkissen fertig genäht – der Eifer hatte sie förmlich überrollt und beflügelt. „Als mein Mann fragte, wie es war, meinte ich: ,Es war schön, wie Weihnachten‘ “, erzählt Elfriede Polz vom Frauenbund Sandharlanden.

Dem positiven Nebeneffekt beim Nähen von Herzkissen liegt eigentlich ein trauriger Anlass zugrunde. Die medizinischen Herzkissen sollen von Brustkrebs betroffenen Frauen Linderung verschaffen. Die Herzform läuft in der Mitte nicht spitz zu sondern ist etwas abgerundet. Die speziellen Kissen können sich die Frauen dann bei der Wundheilung unter den Arm legen und so helfen, Schmerzen zu lindern. Die Kissen sollen nicht nur Schmerzen lindern, sie sollen auch Trost spenden, sollen zeigen: „Da denkt jemand an dich.“ Jedes Kissen hat deshalb auch eine handschriftliche Widmung an die Patientinnen.

Liebevolle Handarbeit

Gefüllt sind sie mit einer speziellen, bis zu 95 Grad waschbare Füllwolle, rund 175 Gramm kommen in jedes Kissen, „das ist eine ganze Wanne voll“, so Polz. Der Stoff ist ein zertifizierter Biobaumwollstoff, „das war uns wichtig. Wir wollten nicht auf der einen Seite helfen und auf der anderen Seite Stoff, für den vielleicht Kinder gearbeitet haben“, sagt Polz.

Hinter den Kissen steckt liebevolle Handarbeit. Dazu trafen sich etwa ein Dutzend Frauen seit August fünfmal. Zehn Arbeitsschritte sind nötig, bevor sie das fertige Kissen in den Händen halten.

180 Herz- und 300 Portkissen sind seitdem entstanden. Vor Kurzem konnten die Frauen dann dem Caritaskrankenhaus St. Josef 100 Herzkissen und 80 Portkissen übergeben. „Die haben sich sehr gefreut“, so Polz.

Aber auch die onkologische Tagesklinik in Kelheim, Arztpraxen vor Ort und auch der VKKK (Verein für krebskranke und körperbehinderte Kinder) werden von den Frauen unterstützt. Für die nähen sie Portkissen. Mit Klettverschluss versehen, sollen die kleinen Kissen den implantierten Port-Katheter schützen, wenn sie sich beispielsweise anschnallen wollen oder die Umhängetasche unangenehm scheuert.

Initiiert hatte die Herzkissenaktion Irmgard Burger, eine Krankenschwester, die das Kissen selbst bei einer Patientin gesehen hatte. Die Patientin sagte ihr, dass man das Kissen nicht kaufen, sondern nur selbst machen könnte. Die Krankenschwester wendete sich mit der Idee an den Landesverband des Frauenbunds. „Als sie zu einem Informationsabend nach Neustadt/Donau kam, hat uns das alle sehr berührt“, sagt Polz, die die Idee aufgriff und in Abensberg und Sandharlanden verbreitete.

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Viel Überzeugungsarbeit brauchte sie nicht zu leisten. Die Frauen waren gleich angetan von der Sache, auch davon, mit relativ wenig Aufwand etwas Gutes tun zu können: „Es ist immer eine gute Stimmung, wenn wir die Kissen nähen, der Zusammenhalt ist einfach schön“, sagt Polz.

Spenden sind gern gesehen

Die Kissen sind für die betroffenen Frauen im Übrigen kostenlos. Die rund 800 Euro, die dafür bisher ausgegeben wurden, schultert der Frauenbund, mit Unterstützung von lokalen Firmen und Privatpersonen.

„Jeder kann was machen, man muss nicht nähen können“, sagt Polz und will damit auch potenzielle „Mittäter“ für die Zukunft gewinnen. „Auch Frauen, die nicht Mitglied im Frauenbund sind, können sich beteiligen.“

Mit der Arbeit fertig sind die Frauen im Übrigen noch lange nicht. Mit ein bisschen Vorlaufzeit können sie auch weiterhin Kissen produzieren, „solange sie halt gebraucht werden“.

Lichtblick in dunklen Stunden:

Start in München: KDFB-Frau Irmgard Burger gründete die Aktion „Frauen helfen Frauen“, um mit Herzkissen frisch operierten Brustkrebs-Patientinnen Trost zu spenden. Am 1. Januar 2018 startete der KDFB Landesverband Bayern in Kooperation mit der Frauenklinik des Rotkreuzklinikums München die Herzkissenaktion „Frauen für Frauen“. Seitdem haben sie viele Ortsverbände übernommen.

Idee aus Dänemark: Ursprünglich stammt die Idee, laut KDFB, aus Dänemark. Die Kissen sollen dazu beitragen, Schmerzen und Spannungen nach einem chirurgischen Eingriff zu lindern. Sie sollen aber auch ein Lichtblick in dunklen Stunden sein. (Quelle: KDFB, Landesverband Bayern)

Mehr Infos: Wer mitmachen oder spenden möchte, kann sich an frauenbund.abensberg@web.de wenden.

Gemeinschaftsarbeit: An fünf Abenden entstanden 180 Herz- und 300 Portkissen.