600 Kilometer für einen guten Zweck: Thomas Jakubek aus Abensberg „erstrampelte“ 800 Euro

Thomas Jakubek aus Abensberg ist begeisterter Rennradler – eine spontane Idee hilft jetzt auch anderen.
Neulich ist er „schnell mal“ nach Salzburg gefahren, hat sich dort ein paar Mozartkugeln gekauft, Hallo zu seiner Tochter gesagt – und dann war er wieder weg. Nach 14 Stunden war er wieder zu Hause. Thomas Jakubek hat die rund 370 Kilometer nicht mit dem Auto, sondern mit dem Fahrrad zurückgelegt. Trotzdem zu wenig, findet er, denn: „Ich hatte schon länger das Ziel, einmal 600 Kilometer zu fahren.“
Beim 24-Stunden-Rennen, an dem der Abensberger seit vielen Jahren teilnimmt – früher im Team, die letzten Male immer als Einzelperson – hat es bisher nicht geklappt. „Ich dachte, die 600 Kilometer fährst mit links. Aber da war ich wohl zu euphorisch.“ Das Rennen, Fluch und Segen zugleich: „Jedes Mal nach dem 24-Stunden-Rennen sag ich zu meiner Frau, ,wenn ich mich nächstes Jahr wieder anmelden will, dann lässt du davor mein Konto sperren‘ “, erzählt er grinsend.
Magische Grenze von 600 Kilometern
600 Kilometer – für Jakubek so etwas wie eine magische Grenze, eine Idee, von der der ehemalige Triathlet, der auch schon zweimal beim Iron Man in Australien dabei war, einfach nicht los kam. Über eine Strecke, die über Eining, nach Weltenburg, Holzharlanden, bis Pullach, Baiern und wieder nach Abensberg führt, sollte es schließlich klappen.
Aber dass das eigentlich ja nur 25 Kilometer sind, wird jeder mit einem schnellen Blick auf die Karte feststellen. Macht nichts, denn der 57-Jährige hat die Runde einfach 24 Mal wiederholt. „Das waren dann halt knappe 3400 Höhenmeter“, sagt er ganz nebenbei über sein Mikroabenteuer, das er am 22. und 23. September in Angriff nahm.
Für das Ganze hat er 27 Stunden gebraucht, einschließlich Pausen. Die meiste Zeit davon erradelte sich Jakubek alleine: „Nachts war es sogar angenehmer, weil da ist ja fast kein Straßenverkehr. Dafür aber umso mehr Tiere. Ich habe viele Katzen, auch Rehe und wahnsinnige viele nachtaktive Vögel rund um Eining gehört.“ Dazwischen begleiteten ihn ein Freund und auch die Kinder. „Gestartet bin ich am Freitagmittag um 14 Uhr, abends um zehn habe ich kurz ein paar Nudeln zu Hause gegessen und um 17 Uhr am Samstag war ich fertig.“
Schon vor dem Rennen aber hatte Jakubek die Idee, warum er das Radeln nicht gleich mit einem guten Zweck verbindet. „Pro Kilometer zehn Cent, ich dachte, das wäre bestimmt machbar“, sagte Jakubek und überzeugte damit die Bäckerei Meier, den Getränkehandel Maiereder und auch die Firma Zeilbeck, in der seine Frau arbeitet. „Die haben dann tatsächlich auf einen Euro pro Kilometer aufgerundet“, erzählt seine Frau Petra. Und die Schwiegermama hat auch noch einmal 80 Euro draufgelegt, so dass ein runder Betrag von 800 Euro rauskam. „Und den habe ich jetzt dem Hospizverein gespendet“, sagt Jakubek. „Als er mir sagte, er hätte da eine Idee, dachte ich schon wieder, ,oh mei, was kommt jetzt?‘“, erzählt seine Frau grinsend – und war dann doch gleich überzeugt. Sie ist es schon gewohnt, dass ihr Gatte spontan ins Altmühltal bis nach Eichstätt oder Beilngries radelt, den Prunner Berg rauf und runterfährt, einen Abstecher ins Café Winklstüberl nach Fischbachau in der Nähe zum Schliersee macht oder den Mont Ventoux in Frankreich bezwingt. Der verlangt Tour-de-France-Fahrern regelmäßig Respekt ab. „Den Berg kann man auf drei verschiedene Arten hochfahren. Und wenn man das schafft, dann gehört man zum Club der Verrückten“, weiß Jakubek. Während also seine Frau einfach Urlaub machte, nutzte Thomas Jakubek die Chance – es ist nicht schwer zu erraten, ob er sich nun zum Club zählen darf.
Fahrrad statt Auto
Früher ist Petra Jakubek im Übrigen auch Rennrad gefahren, „wir waren zum Beispiel zusammen auf Mallorca. Sind da auch schon mal vom Flughafen aus losgeradelt, um eine Unterkunft zu finden, mitten in der Nacht. Das waren noch Zeiten“, erinnert sie sich mit einem Lächeln im Gesicht.
Ihr Rennrad hat mittlerweile ausgedient. Dafür hat Jakubek seinen Sohn auf den Geschmack gebracht, „der war immer begeisterter Downhillfahrer. Aber vor zwei Jahren ist er auf das Rennrad gekommen“, freut sich der Papa, der auch gerne mit dem Team Babo unterwegs ist.
Selbst redend, dass Jakubek auch in die Arbeit radelt. „Ich bin seit 36 Jahren bei der Firma Probst. Mit dem Auto bin ich in dieser Zeit nur dreimal gefahren.“ Da kommt einiges an Kilometern zusammen. Die Welt, die dürfte Jakubek schon ein paar Mal umrundet haben. „Seit letzten November bin ich 13.900 Kilometer gefahren.“ Und neue Strecken hat er auch schon wieder im Kopf: „Vor Kurzem waren wir mit dem Auto in Main-Tauber-Tal, da würde ich nächstes Mal auch gern mit dem Fahrrad hinfahren.“


