Affe Coco ist immer mit dabei: Gemeindehaus Kirchdorf öffnet sich für die Kleinen

Von Lucia Pirkl · 16. Oktober 2023 um 15:00

Chortreffpunkt, Brotbackstube, Wahllokal – und jetzt auch noch Großtagespflege: Die bunten Bilder an den Fenstern mögen so manchen schon verwundert haben. In das Gemeindehaus in Kirchdorf ist Anfang September neues Leben eingezogen.

Täglich zwischen 7.15 und 14.15 Uhr gehört das Gemeindehaus bis zu acht Kindern zwischen einem und drei Jahren, die hier im Rahmen der Großtagespflege betreut werden, hier spielen, getröstet werden, mit Kuscheltieren wie Affe Coco schmusen, zu Mittag essen und ein Schläfchen einlegen können. Ein Projekt, das der Gemeinde im Vorfeld gehörigen Respekt einflößte, wie Bürgermeister Franz Huber verriet, ist jetzt gut angelaufen.

Neues Feld für Kirchdorf

Für Kirchdorf war die Großtagespflege ein neues Feld, groß aufschieben konnte die Gemeinde die Frage, wohin mit Kindern von berufstätigen Eltern aber nicht. Nicht alle junge Eltern in Kirchdorf haben vor Ort Großeltern oder andere Verwandte, die ihre Kinder hüten könnten. Aber Kirchdorf soll freilich auch künftig für junge Eltern attraktiv bleiben, einen Rechtsanspruch auf Betreuung gibt es obendrein. Für viele Gemeinden ist dieser Anspruch allerdings auch mit hohen Kosten verbunden.

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„Ich kann den Kirchdorfern schlecht verständlich machen, dass ich für 1,7 Millionen Euro eine Kindertagesstätte für zwölf Kinder baue“, sagt Huber zu den Vorüberlegungen. Die deutlich kostengünstigere Alternative: eine Großtagespflege im Gemeinschaftshaus, ein ohnehin schon stehendes Gebäude der Gemeinde, das bisher von der Kirche und von Vereinen genutzt wurde. Etwa 50.000 Euro dürfte das die Gemeinde nun kosten, kalkuliert Huber – für die Ausstattung, aber auch dafür, dass im ersten Stock des Dorfladens gerade eine Küche und Schränke eingebaut werden, ein alternativer Raum, den künftig die Vereine nutzen können. „Es steht ihnen dann frei, ob sie sich hier oder dann im Dorfladen treffen“, sagt Huber.

Nicht jedem Verein mag es anfangs behagt haben, dass hier nun die Kinder „regieren“, räumt Huber ein. Und auch für Leiterin Sabine Glöckl war der Anfang anstrengend: „Neue Kollegen, alle Kinder auf einen Schlag neu, neue Räume.“ Aber jetzt habe sich alles eingespielt, jetzt passe es super. „Auch die Mamas sind zufrieden“, bestätigt Huber.

Kleinigkeiten mussten natürlich nachjustiert werden, etwa der Einbau eines Warmwasserboilers in den Toiletten. Ein Schreiner baute kurzerhand eine Holzleiste für die Handtücher und ein Treppchen, damit die Kleinen auch ans Waschbecken kommen.

Die Gemeinde schuf zwei Bollerwagen an, Rutscherlautos oder auch eine Kaffeemaschine, „das erledigen wir auf den kurzen Dienstweg, ein Anruf bei mir genügt“, sagt Huber, der froh ist, dass die Gemeinderatsmitglieder ihn von Anfang an bei der Großtagespflege unterstützt hatten. „Die Eltern und wir als Gemeinde konnten uns das im Vorfeld gar nicht vorstellen“, sagt Huber, „das ist eine neue Erfahrung.“

Riesenproblem gelöst

Und trotzdem habe es kein einziges Mal ein Nein im Rat gegeben, „auch der Kirchenverwaltung, die diese Räume ja von uns als Gemeinde angemietet hat, und den Vereinen bin ich dankbar, dass das alle auch mittragen“. Huber ist überzeugt: „Wir haben ein Riesenproblem, nämlich die Unterbringung von unter Dreijährigen, gut gelöst.“ Jetzt fehlt nur noch eines und zwar ein passender Name.

Großtagespflege: Der Unterschied zur Kinderkrippe:

Flexibler Personaleinsatz: Eine Großtagespflege muss – im Gegensatz zur Krippe – nicht ausschließlich nur ausgebildete Kinderpfleger oder Erzieher beschäftigen. Es reicht, wenn die Leitung eine Kinderpflegerin ist. Die anderen Angestellten werden zur Tagesmutter nachqualifiziert. Zweimal in der Woche über vier Monate hinweg werden sie geschult, ungefähr 160 Stunden lang dauert die Qualifizierung. In Kirchdorf sind alle fünf Beschäftigten auch Mütter, eine davon ist zudem auch Sozialpädagogin.

Qualität stimmt: „Bei der Großtagespflege gibt es ja immer das Gerücht, dass sie den pädagogischen Qualitätsanspruch nicht erfüllen“, sagt Leiterin Sabine Glöckl, selbst Kinderpflegerin, „aber das stimmt nicht.

Das kommt sehr auf das Personal an und zudem ist durch eine Fachkraft der Standard auch gewährleistet“, so Glöckl. Angestellt sind die fünf Damen über das BRK, aber das Jugendamt wirkt auch mit, schaut von Anfang an auf die Einstellungen, kontrolliert, dass nicht zu viele Kinder auf zu wenige Kräfte kommen und überprüft auch die Qualität der Betreuung.