Auch im Sommer denkt er an Christbäume: Andreas Lindinger aus Kirchdorf mag die perfekte A-Form

Von Lucia Pirkl · 26. September 2023 um 05:00

Sommer im Herbst: Die Menschen genießen die warmen Tage im Freien, gönnen sich einen Kaffee unter der strahlenden Sonne oder eine Maß im Biergarten. Doch Andreas Lindinger hat seinen Blick schon ein Stückchen vorausgerichtet, denkt auch unter dem Jahr an Weihnachten – noch lange, bevor Anfang September die ersten Lebkuchen in den Regalen stehen.

In Lindingers Kopf hat der Christbaum einen festen Platz, und zwar auch dann, wenn Weihnachten noch weit ist. „Es gibt manchmal Wochen, da bin ich jeden Tag bis acht oder neun Uhr am Abend bei meinen Bäumen“, sagt der 31-Jährige, der als Verwaltungsangestellter in der Gemeinde Siegenburg arbeitet. „Vor allem im Mai und Juni, da musst du einfach da sein, das sind die wichtigsten Monate“.

Wenn die Bäume anfangen auszutreiben, dann ist er gefordert: „Die schönen Christbäume, die wachsen ja nicht im November, sondern wenn sie ausgetrieben haben, dann kommt es darauf an, was du mit denen anstellst“, sagt Lindinger. Die perfekte A-Form – nicht nur für so manchen Modeschöpfer, sondern auch für Lindinger das Maß, an dem er die Christbäume misst – so muss ein perfekter Baum aussehen.

Christbaumaufzucht: viel zu tun im Frühjahr

Die ruhigste Phase ist noch im Januar und Februar. Im Frühjahr spritzt Lindinger gegen Unkraut, „aber so wenig wie nötig“. Das Unkraut sauge nämlich Wasser und Nährstoffe weg.

Spätestens im April ist der Formschnitt dran und Anfang Mai reguliert der Jungunternehmer im Nebenerwerb mit einer speziellen Zange den Trieb, indem er in die Rinde ganz oben am Baum Kerben ritzt, „damit der obere Schub nicht so groß wird“. Wenn die Bäume klein sind, sollen sie freilich wachsen. Aber dann müsse man das Wachstum wieder bremsen, „damit die Bäume nach oben hin gleichmäßig sind“. Die frischen Triebe oben am Baum werden abgeschnippt, sobald sie austreiben. Spätestens Anfang Juni verpasst ihnen Lindinger einen Rundumschnitt, „das ist viel Handarbeit“. Außerdem müsse man die Bäume „stäben“, damit sie nicht schief wachsen und den zweiten Gipfeltrieb rauszwicken. „Viele Leute meinen, man müsse die Bäume einfach nur anpflanzen und wachsen lassen, aber damit ist es nicht getan.“

Der Mai ist bisweilen die kritischste Zeit, „wenn es Spätfröste gibt, sobald die Bäume ausgetrieben haben, dann ist fast alles kaputt“. Vor allem jungen Bäumen drohe dieses Schicksal, ältere Bäume wurzelten meist schon tief genug.

Im Sommer dann mäht Lindinger das Unkraut und im September werden die Bäume, die als Christbaum in Frage kommen, etikettiert.

Ab November verkauft Lindinger Tannenzweige und Ende November werden schon die ersten Dekobäume für Firmen herausgeschnitten. „Am ersten Advent fange ich mit meinem Verkaufsstand an“, sagt Lindinger.

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Ab dem ersten Advent steht auch bei Lindinger selbst eine Blaufichte in der Diele, während im Haus nebenan sein Papa wieder an einer neuen Krippe werkelt. Der „richtige“ Christbaum, im Übrigen eine Nordmanntanne, steht später im Wohnzimmer – dekoriert immer in klassischen Farben, „entweder in rot oder creme“.

Sechs bis sieben Wochen lang dreht sich dann alles um den Christbaum, „und zwar sieben Tage die Woche, aber das macht auch Spaß“. Zu seinen Kunden gehören viele Stammkunden, auch Firmen, die für ihre Mitarbeiter Christbaumgutscheine kaufen. Nicht alle Bäume, die Lindinger verkauft, stammen im Übrigen aus der eigenen Kultur, manche muss er auch zukaufen, weil es sonst nicht reichen würde.

Nebenerwerb mit Leidenschaft

Die Leidenschaft zu den Christbäumen, die begann bei Lindinger früh: Onkel und Tante hatten eine Kultur, „ich half ihnen schon als Kind und fing mit 19 mein eigenes Gewerbe an“.

Vergrößern möchte sich Lindinger nicht, die Christbäume, die sollen ein Hobby bleiben: „Es ist ein Nebenerwerb, aber einer mit Leidenschaft.“

Auf die Pflege kommt es an:

Verschiedene Bäume: Nordmanntannen und Blaufichten (Foto) wachsen bei Andreas Lindinger auf rund 1,5 Hektar. Die Blaufichten riechen gut, der Nachteil ist aber, dass sie stechen. „Aber dafür spielen die Katzen nicht mit den Kugeln“, sagt Lindinger, zudem hätten sie ganz stabile Äste. Beliebter aber seien Nordmanntannen. Probleme mit zu heißer Witterung hat Lindinger bislang nicht, auch Ausfälle wegen Unwetter bisher nicht.

Lange Pflege: Mindestens sieben Jahre müssen die Bäume wachsen, müssen gehegt und gepflegt werden, bevor sie gefällt werden können, „du hast schon eine Beziehung zu den Bäumen, wenn du dich so lange um sie kümmerst“.

Länger frisch: Lindinger rät dazu, den Baum bis zum Fest im Freien zu lagern, „damit er Luftfeuchtigkeit kriegt“, nicht in der Garage oder im Keller. Und man sollte beim Produzenten einzukaufen, denn das garantiere frische Ware, so Lindinger.

Lindinger baut unter anderem Blaufichten an.