Eifersucht: Da rastete der Ehemann am Neustädter Volksfestplatz aus

Von Jochen Dannenberg · 16. Oktober 2023 um 19:00

Es begann als harmloses Abendessen in einem Lokal am Stadtplatz und endete ein paar hundert Meter weiter in einer wütenden, handgreiflichen Auseinandersetzung. Jetzt steht der 28-Jährige Tariq T. vor Gericht. Versuchter Mord wirft ihm die Staatsanwaltschaft am Landgericht Regensburg vor. Doch was ist wirklich passiert? Und liegt wirklich ein versuchter Mord vor?

Für die Staatsanwaltschaft ist der Fall, der seit Montag vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts verhandelt wird, klar. Hussein T. (alle Namen geändert) und seine Familie hatten am 10. März in einem Lokal am Stadtplatz zu Abend gegessen, als plötzlich jener 26-jährige Mann mit seinen Spezln auftauchte, der kurz zuvor eine Affäre mit seiner Ehefrau gehabt hatte. Die wollten sich nach dem Training im Fitness-Studio in Neustadt Süd nur ihr Essen abholen, das sie zuvor telefonisch bestellt hatten.

Obgleich der Angeklagte gerade noch sein Essen zu sich nahm, sprang er umgehend auf und sagte laut Staatsanwaltschaft zu seiner Ehefrau: „Heute ist der Tag gekommen.“ Hussein T., so die Anklage, beabsichtigte, den 26-jährigen Pjotr K. wegen dessen Affäre mit seiner Ehefrau zu töten, wobei er das bereits Tage zuvor angekündigt haben soll.

Nebenbuhler flüchtete

Tatsächlich soll der Angeklagte daraufhin das Lokal verlassen haben, zu seinem Auto gegangen sein und dort ein „Glasbrecher“-Messer geholt haben. Der Nebenbuhler ahnte das Unheil, gab Fersengeld, stieg zu einem seiner Sportsfreunde, der im Auto vor dem Lokal gewartet hatte und beide fuhren los, um 300 Meter weiter am Volksfestplatz auf die übrigen Spezln, die noch ihr Essen abholen wollten, zu warten.

An der Einmündung des Volksfestplatzes in die Herzog-Ludwig-Straße kam es zur wüsten Auseinandersetzung. Husseins T. Wagen, gelenkt von dessen Ehefrau, stoppte neben dem Auto der fünf Männer. Die Ehefrau wollte die fünf noch durch das heruntergelassene Fenster der Fahrertür warnen, da stieg der 28-Jährige auch schon aus.

Pjotr K. stieg ebenfalls aus. eineinhalb bis zwei Meter standen sich er und der gehörnte Ehemann gegenüber. Da sah der 26-Jährige das Messer in der rechten Hand des anderen. „Ich habe nur die Klinge gesehen, zehn Zentimeter lang“, sagte K. vor Gericht. Er drehte sich nur noch um und sprang auf den Beifahrersitz im Auto seiner Spezln.

Von da an wurde es hektisch: Der 26-Jährige wollte die Beifahrertür zuziehen, bekam sie aber nicht zu, weil er mit dem rechten Bein noch nicht im Wagen war. Das wiederum nutzte der Angeklagte, um durch den Türspalt mit dem Messer in seine Richtung zu stechen.

„Müssen weg“

„Wir müssen weg“, riefen sich die Männer im Auto zu, während Hussein T. weiter am Wagen randalierte. Als Pjotr K. dann doch die Tür schließen konnte, schlug der Angeklagte weiter mit seinem Messer auf den Wagen ein, sagten Pjotr K. und seine Freunde vor Gericht aus. Sie seien „geschockt“ gewesen, beteuerten sie einhellig. „Komm raus“ habe der Angeklagte geschrien.

Die Windschutzscheibe und zwei weitere Scheiben gingen unter den wütenden Schlägen des 28-Jährigen zu Bruch. Noch als die Fünf endlich losfuhren, schlug Hussein K. auf den Wagen ein.

Kurz drauf riefen die Männer die Polizei. „Es waren zehn bis 20 Sekunden“, die der Vorfall gedauert habe, gab Pjotr K. gegenüber den Beamten an. Verletzt wurde bei der Attacke niemand – außer dem Handgreifer. Er hatte eine Wunde an der rechten Hand. Am Ende stand eine Anklage wegen versuchten Mordes. Vor Gericht äußerte sich der Angeklagte auf Anraten seines Verteidigers, Rechtanwalt Jörg Meyer aus Regensburg, bisher nicht.

Für den Prozess sind fünf Verhandlungstage angesetzt. Fraglich ist, ob dem Angeklagten der Tötungsvorsatz nachzuweisen ist. Pjotr K., das Opfer der Tat, sagte nämlich, dass er von der Tötungsabsicht nur von der Ehefrau des Angeklagten, mit der er um die Jahreswende ein mehrwöchiges Verhältnis gehabt habe, wisse. Der Angeklagte selbst habe nicht zu ihm gesagt, dass er ihn töten wolle.