Neues Gutachten zeigt: So teuer ist das Leben in Regensburg

Von Juliana Ried · 13. November 2023 um 05:00

Das Leben in Regensburg ist überdurchschnittlich teuer. Das zeigt der regionale Preisindex, den das Institut der deutschen Wirtschaft und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung kürzlich veröffentlichten. Ist die Stadt für Arme lebenswert?

Regensburg landete unter 400 Städten und Landkreisen auf Platz 21 der Kommunen mit den höchsten Preisen. Die Einkommen können mit den Kosten nicht mithalten: Die Domstadt liegt im Kaufkraft-Index im untersten Viertel.

Bundesweit am teuersten ist das Leben dem Preisindex zufolge in München; dort koste es 25,1 Prozent mehr als im Schnitt. Regensburg liegt 7,9 Prozent über dem Schnitt – hinter Frankfurt, Stuttgart, mehreren Landkreisen bei München sowie Ingolstadt und direkt vor den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Main-Taunus bei Frankfurt.

Kaufkraft in Regensburg ist unterdurchschnittlich

Vor allem die Wohnkosten prägen die Preise. Die liegen in Regensburg 25,2 Prozent über dem Schnitt. Die Kaufkraft dagegen liegt 5,9 Prozent darunter: Mit einem Nominaleinkommen von durchschnittlich 24.741 Euro landet Regensburg auf Rang 149. Weil zugleich die Preise so hoch sind, schafft es die Domstadt im Kaufkraft-Index nur auf Platz 332 von 400.

Reinhard Kellner, Vorsitzender der Sozialen Initiativen, sagt: Die hohen Preise erschwerten Menschen mit wenig Geld Leben und Wohnen. „Extreme Probleme“ hätten Geringverdiener, die trotz Vollzeitarbeit nur 2000 Euro brutto bekommen, aber anders als Bürgergeldempfänger selbst Miete zahlen. „Ich fürchte, dass diesem Thema auf kommunaler Ebene nicht beizukommen ist.“ Helfen könnte es allenfalls, wenn die Stadt die Stadtbau durch Zuschüsse befähigen würde, viel mehr als 100 Wohnungen pro Jahr zu bauen.

Gutes soziales Klima

Kellner sagt aber auch: Regensburg punkte mit einer guten sozialen Versorgung und einem guten sozialen Klima, dazu würden Wohlfahrtsverbände und städtische Einrichtungen ebenso beitragen wie Selbsthilfegruppen und Initiativen wie die Tafel, die Rengschburger Herzen und die Soziale Futterstelle für Tierhalter. Insgesamt gelte: „Regensburg hat auch für arme Leute viel Lebensqualität.“

Sabine M. (Name geändert) empfindet das auch so. Die 61-Jährige bezieht seit zwei Jahren Hartz IV beziehungsweise Bürgergeld und stockt das Geld mit einem kleinen Job auf. Zuvor habe sie ihr Geld als Freiberuflerin verdient, bevor sie wegen Schicksalsschlägen in eine Depression gerutscht sei. Jetzt sei sie arm – wolle aber auf keinen Fall aufs Land ziehen, auch wenn das günstiger sei. „Ich bin froh, dass ich mitten in der Stadt wohne, weil sie ein gewisses kulturelles Angebot hat, das günstig ist oder wenig kostet.“

Sie könne etwa Veranstaltungen wie das Jazzweekend besuchen – und zwischendurch günstig zuhause essen. Sie nutze auch den Stadtpass, etwa für die Busfahrt zum Discounter, und besuche den Frühstückstreff der Sozialen Initiativen. Dass sie so teilhaben könne am Leben, sei nur möglich, weil sie eine geförderte Wohnung mitten in der Stadt ergattert habe. „Das ist wie Lotterie.“ Die Wartezeiten seien enorm, bei Besichtigungsterminen stiegen sich die Leute auf die Füße.

Oberbürgermeisterin: Wohnungsbedarf in Regensburg ist hoch

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) sagt: Dass der Wohnungsmarkt „äußerst angespannt“ sei, sei in vielen bayerischen Ballungsräumen zu beobachten. Der Bedarf in Regensburg sei hoch, weil es ein „attraktiver Wohnstandort mit herausragendem Bildungs-, Kinderbetreuungs- und Kulturangebot, viel Grün und einem vielfältigen Freizeitangebot“ sowie ein starker Wirtschaftsstandort sei. Auch viele Flüchtlinge aus Kriegsgebieten fänden hier eine neue Heimat.

Die Stadt verpflichte mit dem Baulandmodell Projektentwickler, 40 Prozent geförderten Wohnraum zu schaffen. „Darüber hinaus müssen wir weiterhin zügig Baurecht schaffen, Kooperationen mit starken Partnern aus der Baubranche eingehen sowie kluge und nachhaltige Bau- und Wohnkonzepte zulassen.“

Aus Sicht von Planungsreferent Florian Plajer steht die Stadt im Vergleich ohnehin gut da. Er sagt: „Der regionale Preisindex für Regensburg ist laut der Studie leicht erhöht, jedoch für Ballungsräume in Bayern eher unterdurchschnittlich.“ „Immer mit an der Spitze der deutschen Großstädte“ sei Regensburg in den vergangenen Jahren bei der Zahl der neuen Wohnungen gewesen: Durch höhere Baukosten und den Zinsanstieg werde es aber nicht einfach, dieses Niveau zu halten.

Stadt und Land

Ergebnis: Im Landkreis Regensburg ist das Leben deutlich günstiger als in der Domstadt. Er liegt mit einem Indexwert von 100,5 ziemlich genau im Durchschnitt und landet auf Rang 116 der teuersten Kreise. Die Wohnkosten liegen im Landkreis nur ein Prozent über dem Schnitt. Insgesamt können sich die Landkreisbürger deutlich mehr leisten als die Regensburger. Das durchschnittliche Nominaleinkommen im Landkreis liegt bei 25.608 Euro. Im Kaufkraft-Index liegt er damit auf Rang 130 von 400.

Daten: Die Daten für den Preisindex stammen von meist automatisiert ausgewerteten Internetseiten, aus der amtlichen Statistik oder von kommerziellen Anbietern. Die Warenkörbe sind regional nicht differenziert. So sind etwa die Anteile für Mobilität und Wohnen für städtische und ländliche Regionen gleich.

Reinhard Kellner ist Vorsitzender der Sozialen Initiativen in Regensburg. Foto: altrofoto.de