Vom kleinen Loft in ein Haus? Wohnungstausch macht es möglich

Von Marion Koller · 27. Juni 2023 um 10:00

Joanna ist „superglücklich“ in ihrer neuen Wohnung. Die junge Frau erzählt auf tauschwohnung.com davon. Für Regensburg werden dort 150 Wohnungen angeboten. Das Portal bringt Mieter zusammen. Warum ist das der Stadt nicht gelungen?

Die Website listet 154 Wohnungen in der Domstadt auf. Mieter bieten drei Zimmer mit Balkon in der Nähe des Prüfeninger Schlosses für 800 Euro kalt und wünschen sich im Gegenzug ein kleines Haus. Ein Paar will von einem 45-Quadratmeter-Loft in der Keplerstraße mit einer Kaltmiete von 460 Euro in Räume mit mindestens 60 Quadratmetern umziehen. Bei einem weiteren Interessenten steht ein Wechsel nach München bevor. Er schlägt vor, 75 Quadratmeter am Bismarckplatz für 1150 Euro kalt gegen ein Ein-Zimmer-Apartment in der Metropole zu tauschen.

90 Tauschpaare finden monatlich ein neues Zuhause

John Weinert, Geschäftsführer von tauschwohnung.com, hat sich bei der Mittelbayerischen gemeldet. Er wundert sich, warum die Stadt Regensburg ihr Wohnungstausch-Programm mit dem Hinweis gestoppt hat, dass das Interesse gering sei. Weinert schätzt es als ziemlich lebhaft ein. Der 30-Jährige möchte mit der Kommune ins Gespräch kommen. Allerdings wollte Regensburg erreichen, dass ältere Menschen ihre Wohnungen mit Familien tauschen, die auf kleinem Raum leben. tauschwohnung.com wendet sich an alle umzugswilligen Mieter.

John Weinert gründete die Plattform. Zusammen mit Dario Bednarski leitet er das Unternehmen, das in Deutschland, Österreich und der Schweiz den Wohnungsmarkt aufmischt. In Städten wie Regensburg ist die Nutzung der Plattform kostenlos, während in München, Zürich, Frankfurt oder Berlin, wo es ungleich schwieriger ist, eine Mietwohnung zu finden, eine monatliche Gebühr verlangt wird. Die liegt in der deutschen Hauptstadt bei fünf bis zehn Euro monatlich, im Schweizerischen Zürich bei zehn bis 20 Euro – je nach Nutzungszeit. Durchschnittlich drei Tauschpaare pro Tag und 90 im Monat finden auf diese Weise ein neues Zuhause.

Der Regensburger Galerist Ludwig Hammer hätte sich ebenfalls gewünscht, dass die Stadt ihr Wohnungstauschprogramm weiterführt. Er habe mehrmals versucht, von seiner Stadtbauwohnung in der Unteren Bachgasse in kleinere vier Wände zu wechseln, doch es hat nie gepasst. „Ich habe 70 Stufen. Ich bin sehr alt und muss da hoch“, schildert der Galeriebetreiber, dem besonders die Malerin Hélène de Beauvoir am Herzen liegt. Für geförderte Wohnungen gelten aber ohnehin andere Regeln. Sie werden von der Stadtbau nach strengen Vorschriften vergeben. Bei Stadt und Stadtbau habe er sich gerührt, dann aber „nur Formulare erhalten“. „Das ist bürokratisch und schlecht organisiert“, klagt Hammer. „Die alten Leute wollen tauschen.“ Ludwig und Pilar Hammer leben seit Jahrzehnten auf 100 Quadratmetern. 40 bis 50 würden ausreichen, sagt der 82-Jährige.

Er schlägt vor, Stadt und Stadtbau sollten eine Börse ins Leben rufen. „Es gibt eine private Tauschgruppe, die tolle Wohnungen anbietet, aber als Stadtbau-Mieter darf ich nicht tauschen“, sagt er.

Freiburg arbeitet mit tauschwohnung.com zusammen. „Mit München sind wir in der Entwicklungsphase“, sagt der Wirtschaftsinformatiker Weinert, der hauptberuflich für seine Plattform arbeitet. „Es soll noch dieses Jahr starten.“ Auch mit Regensburg würde er gerne kooperieren. Städte könnten mit Beratung, Fördergeld und Vernetzung der Akteure vor Ort, zum Beispiel Wohnungsunternehmen, unterstützen. John Weinert sagt, er und sein Mitgeschäftsführer passten die Plattform an die jeweiligen Bedürfnisse der Städte an. „Auch Genossenschaftswohnungen können getauscht werden.“

Als Student musste John Weinert mehrfach umziehen. Jedes Mal war die Wohnungssuche zeitaufwendig und nervenaufreibend. Daraus sei die Plattform Tauschwohnung entstanden, ein Projekt, das als Masterarbeit startete.

Ohne Massenbesichtigung

Der 30-Jährige verspricht eine unkomplizierte Wohnungssuche. „Zwischen Wohnraummangel, unverschämten Mietspiegeln und Massenbesichtigungen ist tauschwohnung.com die ideale Lösung.“

Dr. Volker Höcht, Leiter des Amts für Stadtentwicklung, betont, um einen Zuschuss zum Wohnungstausch zu erhalten, hätten die Interessenten einen schriftlichen Antrag stellen müssen. Die Abwicklung des Regensburger Wohnungstauschprogramms habe ein Sozialpädagoge durchgeführt, der in allen Fällen die Antragstellung begleitete und sogar bei Hausbesuchen für die Detailfragen zur Verfügung stand.

Trotzdem war die Nachfrage so gering, dass der Stadtrat das Programm stoppte.

Würde gerne mit der Stadt Regensburg zusammenarbeiten: John Weinert Foto: Simon Hecht
Galerist Ludwig Hammer will in eine kleinere Wohnung umziehen. Foto: altrofoto.de