Sogar Kreuzbergkirche nachgebaut: Schwandorfer schafft Kunstwerke aus Holz

Von Johannes Hartl · 13. November 2023 um 05:00

Wenn Georg Helbling zur Kreuzbergkirche will, muss er nur die Treppe nehmen, hinauf bis in den ersten Stock. Dort oben steht sie, die Wallfahrtskirche – als Modell aus Holz, das haargenau dem Original gleicht. Kein Wunder, denn der 71-Jährige ist ein leidenschaftlicher Modellbauer. Aus Sperrholz fertigt er in seinem Keller Kunstwerke. Zu Besuch bei einem bisher unentdeckten Talent.

Wenn Helbling von seinem Hobby erzählt, dann mit einem herzhaften Lachen. Schon als Kind habe er mit dem Basteln angefangen – und zwar mit kleinen sowjetischen Zivilflugzeugen. „Gebaut habe ich schon so lange, wie ich lebe“, sagt er. Damals war Helbling noch in Kasachstan zu Hause, genauso wie seine Frau Maria. Die beiden kommen ursprünglich aus dem Land, leben aber mittlerweile seit 28Jahren in Schwandorf.

Ein Leben lang hat Helbling gearbeitet. Bis zur Rente war er 17 Jahre bei der Firma Meiller Druck in Schwandorf beschäftigt. Mit seinem ersten Projekt hat Helbling angefangen, als er „zu viel Urlaub“ hatte, wie er selbst das formuliert. Wohl um 1998 herum baute er im Maßstab 1:30 das Haus nach, in dem die Helblings in Kasachstan gelebt haben. Aus Sperrholz fertige er jedes noch so kleine Detail – vom Kartoffelkeller über die Pflanzen im Garten bis hin zum hellblauen Gartenzaun.

Detailversessen Bauen an den Modellen

Heute steht das Modell oben, in dem kleinen Zimmer. An der Wand hängen viele bunte Heiligenbilder. Dort hat auch die Kreuzbergkirche ihren Platz. Mit deren Modell hat Helbling 1999 angefangen. Damals wohnten er mit seiner Frau im Kreuzbergviertel. Um die Kirche so nachzubilden, machte Helbling viele Fotos – und lief die Kirche ab, Schritt für Schritt, um ein Gespür für ihre Dimension zu bekommen. Einen Plan hatte er nie.

Bis 2001 hat es gedauert, dann war das Modell der Kirche fertig. Und zwar mit allem, was dazugehört. Wenn er das Dach öffnet, fällt der Blick durch die beiden Kirchtürme hinein in das Kirchenschiff, schweift durch die akribisch aufgereihten Bänke bis vor an den Altar. Es ist fast so, als würde man in die echte, „große“ Kreuzbergkirche blicken. Sein Modell, sagt Helbling , hat etwa die Dimension 1:100.

So detailversessen wie bei der Kirche ist Helbling immer, wenn er etwas baut. Im selben Raum, auf der anderen Seite, sind drei hölzerne Traktoren in einem Regal aufgereiht. Einer mit Heuschieber, die anderen beiden mit Mähwerk und Greifarm. Sie alle haben den Maßstab 1:8. Selbst das Profil in den (ebenfalls hölzernen) Reifen hat er in mühevollster Kleinstarbeit angefertigt. Und wenn er die Reifen der Traktoren bewegt, klar, dann dreht sich auch das Lenkrad im Führerhaus. Sogar das Mähwerk an einem der Bulldogs kann sich bewegen.

Die Modelle, die der 71-Jährige gebaut hat, durchziehen das ganze Haus in Schwandorf. Hier leben die beiden seit 23 Jahren. Neben ihren drei Kindern haben die Helblings sechs Enkel und zwei Urenkel. Im Wohnzimmer ihres Hauses findet sich eine ganze Sammlung von hölzernen Motorrädern – meist ältere Modelle wie die BMW R71 und Zweiräder aus der Sowjetunion. Dafür hat sich Helbling von den (echten) Maschinen inspirieren lassen, die sein Sohn sammelt. An ihnen hat er jedes Detail nachgemessen, dann durch 3,5 geteilt – und akribisch nachgebaut.

Wenn Helbling an einem seiner Projekte arbeitet, geht er in den Keller. Teilweise wird er morgens um sechs Uhr wach – und sitzt bereits eine halbe Stunde später in seinem Reich, erzählt er. Ganz hinten im Raum, unter einem Fenster, steht eine der Werkbänke. Leicht versetzt davon parkt ein schwarz bezogener Stuhl, der bereits deutlich abgewetzt ist, als könnte man ihm die vielen Stunden ansehen, die Helbling dort saß. Auf dem Regal liegen ein Taschenrechner und Leim, und auf der Werkbank steht bereis ein weiteres Fahrzeugmodell – aber noch im Entwicklungsstadium, ohne Aufbau. Auch die Gerüste für zwei andere Modelle warten in der Werkstatt.

Ein akribischer Blick fürs Details

Bei seiner Arbeit kommt es auf Genauigkeit an – das wird schnell klar, wenn der 71-Jährige lachend von seiner akribischen Vorgehensweise erzählt. Es geht um die Liebe zum Detail, um einen genauen Blick für jede Einzelheit. „Das ist eine große Arbeit“, sagt Helbling. „Da braucht man Geduld.“ Vor allem aber sagt er über sein besonderes Hobby: „Das macht riesigen Spaß.“

Denn für Helbling ist das Arbeiten mit Holz seine große Leidenschaft, sie war es schon immer. Er selbst formuliert es im Gespräch mit der Mittelbayerischen so: „Da habe ich was zu tun und gehe nicht von Sinnen.“ Er sei immer beschäftigt. In gewisser Weise ist das Bauen von Modellen für ihn auch eine „Rettung“ – jetzt, wo er in Rente ist und nicht mehr so viel zu tun hat. „Sonst werde ich verrückt“, sagt der 71-Jährige.

Auch Traktoren hat der Bastler aus Sperrholz nachgebildet, so wie all seine Werke. Foto: Johannes Hartl
Bei den Motorrädern hat er sich vor allem von älteren Modellen inspirieren lassen. Foto: Johannes Hartl
In der Werkstatt fertigt der 71-Jährige seine Modelle. Foto: Johannes Hartl
Ein Blick ins Kirchenschiff: Jedes noch so kleine Detail passt. Foto: Johannes Hartl