„Ich bin gerne Straßenreiniger“: Peter Schäfer hält Schwandorf sauber – und erlebt dabei einiges

Von Johannes Hartl · 18. August 2023 um 05:00

Ohne Menschen wie Peter Schäfer würde es in Schwandorf ziemlich wüst aussehen. Der 54-Jährige gehört zu einem dreiköpfigen Team von Straßenreinigern. Er ist Tag für Tag unterwegs – im Sommer auch an den Wochenenden.

Es ist Samstag, kurz nach 8Uhr. Auf dem Unteren Marktplatz sind nur wenige Menschen unterwegs. Vielleicht ist es einfach noch zu früh. Doch Peter Schäfer, in seiner warnorangen Kleidung, ist bereits seit eineinhalb Stunden auf Tour. Erst am Adolf-Kolping-Platz und in der Breite Straße, dann in den kleinen Gassen an der Naabuferstraße. Nun also macht er auf dem Marktplatz Station. Mit einem Greifer in der Hand läuft Schäfer über den Parkplatz und sammelt vom Pflaster die Abfälle ein.

Zigarettenstummel, Papierchen, vieles wird in der Stadt achtlos weggeworfen. Manchmal selbst dann, wenn der Mülleimer keinen Steinwurf entfernt ist. Peter Schäfer kennt das. Seit 2014 arbeitet der 54-Jährige beim Schwandorfer Bauhof. Im Sommer sind Schäfer und seine zwei Kollegen Katharina Bauer und Mahmut Cem sogar sieben Tage die Woche unterwegs. Montag bis Freitag von 6.30 bis 15.30Uhr, Samstag und Sonntag von 6.30 bis 12 Uhr. Erfahrungsgemäß strömen in dieser Zeit die Menschen vermehrt in die Stadt, es wird viel gefeiert. Der Müll bleibt dann oft achtlos liegen.

Die Wegwerfgesellschaft erlebt Peter Schäfer bei jedem seiner Einsätze

Ob er sich nach all den Jahren noch darüber ärgert? „Das ist es nicht wert“, so Schäfer. „Es ist schlimm, dass man sagt, das ist normal.“ Aber die Gesellschaft entwickle sich in diese Richtung, so sieht er es. Die Bequemlichkeit sei groß. Weggeworfene Dosen, auf die es noch Pfand gäbe? Schnuller, die einmal auf den Boden gefallen sind und einfach liegen gelassen werden, statt sie abzukochen? Wenn Schäfer durch die Straßen läuft, erlebt er oft, was gemeint ist, wenn von einer „Wegwerfgesellschaft“ die Rede ist.

Und doch, Schäfer mag seine Arbeit. Mit dem Ari, einem elektronischen Lastenmoped, kommt der Straßenreiniger von der Jakobskirche. Er stoppt am Oberen Marktplatz, nahe beim Brunnen. Am Wochenende sind die Straßenreiniger immer mit dem kleinen Gefährt unterwegs, es soll die Arbeit erleichtern und beschleunigen. Seit Januar 2022 gehören die Flitzer zum Fuhrpark des Bauhofs. Unter der Woche sind die Mitarbeiter weiter mit den klassischen Handwagen unterwegs.

Schäfer steigt aus der einsitzigen Kabine und geht zur Ladefläche. Dort liegt alles, was er braucht: die grauen und blauen Müllbeutel, eine Kehrschaufel, dazu ein Besen und eine große Schaufel. Schäfer holt einen Schlüssel, um den Mülleimer zu öffnen. Er zieht den gefüllten blauen Sack heraus und wirft ihn auf die Ladefläche. Dann fasst er in den Eimer und holt einen neuen heraus. Schäfer zieht die Laschen auseinander und schüttelt den Beutel, bevor er ihn in den Mülleimer steckt. Eine Arbeit fast wie aus einem Guss.

Die Passanten kennen den Straßenreiniger – und er kennt sie

Weiter geht es in der Friedrich-Ebert-Straße. Er leert Eimer um Eimer, fegt mal Salzstangen und mal Erde auf, die wohl auf den Boden fiel, nachdem jemand in den Blumenstöcken gewütet hat. Jetzt steht Schäfer unweit des Wendelinplatzes, als ein älterer Herr vorbeikommt. Er ist 82, sagt er. Schäfer kennt den Mann, so wie ihn die Leute kennen, die öfter durch die Stadt laufen. Manche Menschen sieht der Straßenreiniger täglich, wenn er in der Stadt unterwegs ist. Und manchmal, da fällt ihm auf, wenn jemand plötzlich nicht mehr unterwegs ist.

„Geht’s Dir gut?“, fragt Schäfer den Mann. Der Senior bejaht. „Schlechten Leut geht’s immer gut“, scherzen die beiden. Klar, als Straßenreiniger bei der Stadt hat Peter Schäfer einen sicheren Job. Aber es ist auch der Kontakt mit den Menschen, der für ihn den Reiz ausmacht. Der Austausch. Die kleinen Späße, so wie mit dem Rentner. Dazu kommt die Abwechslung. Als Straßenreiniger kümmert er sich nicht nur um saubere Straßen, er bessert auch Pflastersteine aus, wechselt Schilder oder entfernt Unkraut, je nachdem, was gerade so anfällt. Kein Wunder also, dass Schäfer sagt: „Ich mache das gerne, weil ich den ganzen Tag unter Leuten bin.“

Peter Schäfer würde sich mehr Respekt für seine Arbeit wünschen – und mehr Leute, die Schwandorf sauber halten

Dass er mal respektlos behandelt wird, dass ihm sogar der Abfall noch vor die Füße geworfen wird, auch das hat Schäfer schon erlebt. Der Straßenreiniger erinnert sich an einen Vorfall, als er gerade Unkraut unter den Sitzbänken entfernte, direkt am Marktplatz, nicht weit vom Rainer Eck entfernt. Da sei eine Mutter vorbeigekommen und habe zu ihrem Kind gesagt: „Lern in der Schule was, sonst musst du auch sowas machen.“ Schäfer hat gelernt, über solchen und anderen Provokationen zu stehen. „Mittlerweile lache ich drüber“, sagt er.

Aber das Kopfschütteln, das merkt man ihm an, bleibt. Denn für Schäfer ist seine Arbeit zugleich ein Einsatz für seine Heimatstadt. „Man braucht Leute, die das ein bisschen leben, die sagen: Das ist meine Stadt, die möchte ich sauber halten.“ Doch respektlose Reaktionen sind, zum Glück, eine Ausnahme.

Die Ladefläche ist bereits gut gefüllt mit Müllbeuteln. Mit dem Ari steuert Schäfer nun vom Wendelinplatz zur Konrad-Adenauer-Brücke. Wo das Gefährt bisher eher durch die Stadt geruckelt ist, von Mülleimer zu Mülleimer, legt es jetzt an Tempo zu. Unter der Brücke und im Stadtpark stehen die Container, in die die Straßenreiniger den gesammelten Müll abladen. Als Schäfer das Schloss öffnet, schwirren Fliegen umher; der Container ist gut gefüllt.

Wenn die Stadt sauber ist, waren die Straßenreiniger da

Jetzt leert Schäfer seine Ladefläche. Beutel um Beutel landet in dem blauen Container. Dann, nach einer kurzen Pause, geht es für den 54-Jährigen weiter. Er muss noch in die Postgarten- und Pesserlstraße, am Bahnhof vorbei, rein in die Bahnhofstraße, zum Park-and-Ride-Parkplatz, in den Stadtpark, raus in Richtung Krondorf und rauf zum Blasturm.

Und wenn die Schwandorfer am Sonntag einen sauberen Marktplatz vorfinden, wenn sie in die Stadt gehen, dann aus dem Grund, dass Peter Schäfer und seine Kollegen unterwegs waren. Auch deshalb sagt der erfahrene Straßenreiniger: „Wir wollen keinen großen Dank, aber ein bisschen Respekt vor unserer Arbeit.“

Das Lastenmoped namens Ari erleichtert am Wochenende die Arbeit. Foto: Johannes Hartl
Sie sind ein Team: (v. r.) Peter Schäfer, Katharina Bauer und Mahmut Cem mit Bauhof-Leiter Michael Übel. Foto: Lange