„Falschgeld“-Prozess in Kelheim: Zwei Zeugen geraten plötzlich ins Visier

Von Martina Hutzler · 13. November 2023 um 05:00

Kehrtwende im Prozess um vermeintliches Falschgeld, das per Bankeinzahlung „gewaschen“ werden sollte: Ein als Drahtzieher angeklagtes Paar ist jetzt am Amtsgericht Kelheim freigesprochen worden – an ihrer Stelle sind zwei Zeugen in Verdacht geraten.

Ein Freispruch „erster Klasse“ war es beileibe nicht, mit dem Petru A. und seine Lebensgefährtin Danuta (Namen geändert) das Kelheimer Amtsgericht verließen. Ihnen war vorgeworfen worden, dass sie ihren Freund Milan O. (Name geändert) mit einem Bündel falscher 50-Euro-Scheine zur Bank schickten, um das Geld via „Moneygram“ an A.‘s Vater zu überweisen. In der Bank wollen O. und seine damalige Freundin festgestellt haben, dass die 1600 Euro „Blüten“ waren. Die sie dann angeblich umgehend bei sich zuhause verbrannten, um keinen Ärger mit der Justiz zu bekommen, sagte O. zweieinhalb Monate später bei der Polizei aus.

Danuta und Petru A. hatten hingegen am ersten Prozesstag behauptet, dass Milan O. die 1600 Euro für Drogen und Disco verjubelt habe. Als sie von O. und auch seinem Bruder das Geld zurückforderten, habe O. aus Ärger die Anzeige bei der Polizei erstattet.

Kuriose Begründung für Falschgeld-Verdacht

Milan O. wiederum begründete nun, am zweiten Prozesstag, seine Anzeige damit, dass ihm die Angeklagten Schläge angedroht hätten wegen der in Rauch aufgegangenen 1500 Euro. Denn: „Ich glaube, dass das damals gar kein Falschgeld war“. In der Bank seien ihm die Scheine zwar „zu klein“ vorgekommen. Aber es habe sich halt um die neue Serie von 50-Euro-Scheinen gehandelt; die habe er damals noch nicht gekannt. Auf dieser Erklärung beharrte er, obwohl ihm das Schöffengericht unter Vorsitz von Sylvia Zorger seine frühere Aussage bei der Polizei vorhielt: Da wollte er fehlende Sicherheitsstreifen und Wasserzeichen bemerkt haben.

Als zweite Zeugin präsentierte Milan O.‘s damalige Freundin dem Gericht die nahezu selbe Geschichte vom Falschgeld, das keines war. Woraufhin Richterin Zorger die 19-Jährige unumwunden fragte, ob sie mit O. ihre Aussagen abgesprochen habe: „Sie liefern uns heute fast identische Aussagen – die aber so in der ganzen Ermittlungsakte nicht auftauchten?!“ Kaum hörbar verneinte die Zeugin.

„In dubio pro reo“

An der Stelle war der Prozess endgültig in der Sackgasse. Gericht, Staatsanwältin und die beiden Verteidiger verzichteten übereinstimmend auf weitere Zeugen. Denn, so Staatsanwältin Alexandra Wittl in ihrem Plädoyer, mangels Beweisen könne sie eh nur auf Freispruch für Danuta und Petru A. plädieren. Aber „vor allem, was uns Herr Zeuge O. heute geboten hat, war eine Dreistigkeit“, empörte sich die Anklagevertreterin und deutete an, „dass das Ganze ein Nachspiel haben wird“, sprich: dass die Staatsanwaltschaft wohl gegen Milan O. und eventuell seine Ex-Freundin wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage ermitteln.

Wittls Forderung nach Freispruch schlossen sich die Rechtsanwälte Thilo Kerscher und Corey Weber an. Weber kritisierte, der Prozess sei „überflüssig wie ein Kropf“ und das Ergebnis „absolut oberflächlicher Ermittlungen“ der Polizei gewesen. Am ersten Prozesstag hatte ein Polizist, der zuvor Milan O. vernommen hatte, diesen als glaubwürdig bezeichnet und durchblicken lassen, dass die Angeklagten ihren Kumpel womöglich eingeschüchtert hatten.

Richterin Zorger nannte die Kritik an den Ermittlern „nicht nachvollziehbar“. „Das einzige, was die Angeklagten rettet, ist, dass das ,Falschgeld‘ nicht mehr vorhanden ist“, wenn es denn je existiert habe: Damit sei kein Tatnachweis zu führen und „im Zweifel für die Angeklagten“ ein Freispruch unumgänglich, begründete sie das Urteil. Danuta und Petru A. verließen kurz danach den Gerichtssaal – gemeinsam mit Milan O. und dessen Ex.