Burglengenfelder Polizeichef versucht Fake News durch Fakten zu entkräften

Fake News und Aufruhr im Netz wegen einer neuen Asylbewerberunterkunft in Teublitz – auch der neue Chef der PI Burglengenfeld, Polizeihauptkommissar Franz Wenig, hat diese Entwicklung aufmerksam verfolgt. Zwei Monate nach seinem Amtsantritt stand er der MZ Rede und Antwort.
Herr Wenig, Mitte September wurden Sie offiziell in Ihr Amt eingeführt. Tatsächlich leiten Sie die PI schon etwas länger, und vorher waren Sie einige Jahre stellvertretender Chef der Inspektion. Was ist für Sie die spürbarste Veränderung seit der Beförderung?
Franz Wenig: Viele Arbeitsabläufe waren mir schon von meiner Tätigkeit als Stellvertreter bekannt. Als Dienststellenleiter trägt man darüber hinaus letztendlich die Gesamtverantwortung für die Dienststelle und die polizeiliche Arbeit im Schutzbereich. Darüber hinaus ist die Personalarbeit noch etwas mehr in den Vordergrund gerückt, und auch die Zusammenarbeit mit den Sachgebieten des Präsidiums hat noch mehr Gewicht.
Heiko Sedelmaier, einer Ihrer Vorgänger, hat Ihnen ein dickes Kompliment ausgesprochen: Keiner sei für den Posten des Burglengenfelder PI-Chefs so gut geeignet wie Sie. Wie kam das bei Ihnen an?
Wenig: Da ich Herrn Sedelmaier sowohl als Kollegen, als auch als Menschen sehr schätze, habe ich mich sehr darüber gefreut. Ich sehe diese Worte aber auch als Auftrag, in unseren Bestrebungen nicht nachzulassen, eine bürgernahe und stets ansprechbare Polizeidienststelle vor Ort zu sein, die stets ein offenes Ohr für die Belange der Bürger hat.
Herr Wenig, die Nachricht, dass ein Privatmann in Teublitz ein Haus für die Unterbringung von 25 Asylbewerbern aus Syriern vermietet hat, schlug auf Facebook umgehend hohe Wellen. Haben auch Sie das mitverfolgt, und können Sie die geäußerten Sorgen nachvollziehen?
Wenig: Die Dynamik der sozialen Medien verfälscht oft den Blick auf die Realität und schürt Ängste. Wir müssen immer wieder feststellen, das es eine deutliche Diskrepanz zwischen der tatsächlichen und der gefühlten Sicherheitslage gibt. Letztere ist oftmals wesentlich schlechter als die Wirklichkeit.
Haben Sie eine Erklärung dafür?
Wenig: Die Ursachen sind vielseitig und liegen aus meiner Sicht auch in einer reißerischen Berichterstattung und den Kommentar-Spalten der sozialen Medien begründet. Folglich kann ich manche Ängste verstehen, möchte diesen jedoch mit objektiven Fakten und Aufklärung begegnen. Hass und Hetze verschärfen die Probleme in unserer Gesellschaft nur.
Weil anfangs die Wellen so hoch schlugen, sah sich der neue Teublitzer Pfarrer Lucas Lobmeier dazu veranlasst, ein Treffen zu arrangieren. Lesen Sie dazu: Erste Annäherung zwischen Teublitzer Anliegern und neuen Asylbewerbern
Apropos Fakten: Was sagen Ihre Statistiken zur Kriminalität im Städtedreieck? Welche Rolle spielen Ausländer?
Wenig: Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen hat sich in den letzten fünf Jahren nicht wesentlich verändert. So wurden zum Beispiel 2019 durch die PI Burglengenfeld insgesamt 596 Tatverdächtige ermittelt, davon hatten 151 keine deutsche Staatsangehörigkeit. 2022 haben wir 541 Tatverdächtige ermittelt, 133 davon hatten ausländische Staatsangehörigkeiten.
Beim jährlichen Sicherheitsgespräch hieß es ja auch heuer wieder, in Burglengenfeld lebe es sich sehr sicher.
Wenig: Genau. Das bestätigt die Häufigkeitszahl. Diese lag für unseren Dienstbereich 2022 bei 29Straftaten auf 1000 Einwohner. Das ist ein sehr guter Wert. Oberpfalz- und bayernweit lag er höher.
Sie haben es selbst gesagt: Trotzdem haben viele Menschen eine andere Wahrnehmung. Was können Sie als Polizei zur Beruhigung der Gemüter beitragen?
Wenig: Das Sicherheitsgefühl positiv zu beeinflussen, liegt meinen Kolleginnen und Kollegen und mir sehr am Herzen. Jeden Tag der Woche, rund um die Uhr, setzen wir uns daher für die Belange unserer Bürger ein. Durch hohe Präsenz und Entschlossenheit wollen wir das Recht auf Sicherheit gewährleisten und so für Ordnung sorgen. Wir sind für alle Menschen da und wir nehmen sie ernst.
Das Sicherheitsgespräch fand heuer im Mai statt. Dabei wurde auch deutlich, dass die Zahlen nicht so einfach zu interpretieren sind. Lesen Sie dazu auch: Polizeistatistik für das Städtedreieck mit einigen Fallstricken
Zurück zur Asylbewerberunterkunft in Teublitz. Im Nu wurden im Netz wilde Behauptungen aufgestellt, die auch das Ausweichquartier des Regensburger Ankerzentrums im Naabtalcenter (NAC) betreffen. Die Kernbotschaft war: Frauen könnten sich im NAC nicht mehr sicher fühlen. Es komme immer wieder sogar zu Gewalt, die aber unter den Teppich gekehrt werde. Was sagen Sie dazu?
Wenig: Das Streuen von Fake News, wofür wenig Mut erforderlich ist, kann nicht nur das Sicherheitsgefühl beeinträchtigen. Es dient teils auch dazu, den sozialen Frieden zu stören. Das Selbstverständnis, mit dem dieser Personenkreis entweder bewusst Unwahrheiten oder nicht nachprüfbare Geschichten verbreitet, gibt mir sehr zu denken.
In einem Fall wurde auf Facebook sogar die These in den Raum gestellt, zwei Mädchen seien vergewaltigt worden. Wie gehen Sie mit den Urhebern dieser Nachrichten um?
Wenig: Mir sind diese Behauptungen bekannt, und ich kann Ihnen sagen, dass aktuell Ermittlungen laufen. Die Polizei ist ja an das Legalitätsprinzip gebunden. Das heißt, wir haben Straftaten jeder Art zu verfolgen, also auch die in Rede stehenden Delikte. Aus diesem Grund gehen wir auch dieser Behauptung konsequent nach. Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass sich diese Straftaten tatsächlich ereignet haben. Inwieweit die Behauptungen ihrerseits strafrechtlich relevant sind, wird eine Prüfung durch die Staatsanwaltschaft Amberg ergeben.
Zahlreiche Einsatzfahrzeuge der Polizei vor der Flüchtlingsunterkunft im NAC ließen im März vermuten, es sei zu einer Straftat gekommen. In Wahrheit handelte es sich um eine Routinekontrolle. Lesen Sie dazu: Polizei überprüft Identität der Geflüchteten in Burglengenfeld
Am 6. Oktober sorgte die Landung eines Hubschraubers auf dem Aldi-Parkplatz im NAC für Aufsehen. Auch hier wurde in Teilen der Bevölkerung sofort vermutet, es sei eine Bluttat verübt worden. In Wahrheit hatte sich ein betrunkener Asylbewerber beim Kochen selbst verbrüht. Wäre es nicht besser gewesen, das proaktiv aufzuklären, als zu warten, bis Spekulationen ins Kraut schießen?
Wenig: Häusliche Unfälle – auch schwerer Art – ereignen sich fast täglich, leider auch in unserem Bereich. Nicht alle dieser Unfälle ziehen polizeiliche Zuständigkeit und öffentliches Informationsinteresse nach sich. So war es auch bei dem vorliegenden Einsatz. Es handelte sich um einen reinen Rettungseinsatz.
Fazit: Das NAC hat sich durch die Einrichtung einer Flüchtlingsunterkunft also nicht zum kriminellen Hotspot entwickelt?
Wenig: Die Auswertungen unserer Statistik steht dieser Aussage bislang entgegen. Gestatten Sie mir noch eine Anmerkung: Die Flüchtlingskrise und die kriegerischen Auseinandersetzungen bringen viel Leid und Zerstörung. Ich wünsche mir in diesen Zeiten vor allem Frieden. Meiner Meinung nach kann jeder von uns einen Beitrag für ein friedliches Miteinander leisten. Das fängt bereits in unseren Familien an.
Nach unserem Empfinden ist die Stimmung aber ziemlich aufgeheizt. Auch Polizeibeamte bekommen das angeblich immer öfter zu spüren.
Wenig: Solche Fälle gibt es, leider. Aber meine persönliche Erfahrung der letzten Jahre ist, dass der Polizei in unserem Bereich weitgehend freundlich begegnet wird. Das ist ein wesentlicher Grund, weshalb ich mich freue, auch künftig zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen vor Ort für unsere Bürger da sein zu dürfen.
Das Gespräch führte Thomas Rieke vor dem Zwischenfall im Bulmare am 8. November. Ein junger Mann soll dort mehrfach ein Kind (9) unsittlich berührt haben.