Polizeistatistik für das Städtedreieck mit einigen Fallstricken

Von Thomas Rieke · 14. Mai 2023 um 11:00

Nachrichten, die sich ständig wiederholen, hört man normalerweise nicht gern. In einem Fall ist das anders. „Im Städtedreieck lebt es sich sicher“ – diese Kernaussage aus dem Kriminalitätsbericht der Polizei Burglengenfeld für 2021 gilt auch heuer. Es liegt nahe, dass sich die Bürger darüber genau so freuen, wie im Vorjahr.

Kriminalhauptkommissar Sebastian Lintl, Chef der Polizeiinspektion Burglengenfeld, drückte es beim sogenannten Sicherheitsgespräch, das diesmal im Teublitzer Rathaus stattfand, so aus: „Es ist im Städtedreieck wesentlich unwahrscheinlicher, Opfer einer Straftat zu werden, als im landesweiten Durchschnitt.“ Bestätigt wird dies durch die sogenannte Häufigkeitszahl, die die Straftaten je 1000 Einwohner benennt. Sie liegt im Städtedreieck bei 29, im Landkreis Schwandorf l bei 37 und für den Freistaat bei 39.

Graffiti sorgten für Verdruss und machten viel Arbeit

Statistiken zu interpretieren, ist eine Wissenschaft für sich. PI-Chef Lintl wies von sich aus darauf hin, dass auch das Zahlenwerk seiner Dienststelle einige „Fallstricke“ aufweise.

Besonders anschaulich wurde dies am Beispiel der Sachbeschädigungen in Form von Graffiti, welche die Polizei 2022 besonders in Atem hielten. Vor allem Burglengenfeld wurde über Monate hinweg mit Schmierereien überzogen. Darüber ärgerten sich nicht nur die Eigentümer der betroffenen Flächen, sondern auch Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) und Polizeichef Lintl. Jedes Mal, wenn er auf dem Weg zur Arbeit wieder neue Graffiti entdeckt hatte, habe dies seine „Laune beeinflusst“, verriet der Inspektionsleiter.

Monatelang wurde das Stadtbild durch zahlreiche Schmierereien verunstaltet. Lesen Sie dazu:Graffiti in Burglengenfeld: Beseitigung dauert länger als erhofft.Mittlerweile haben die kritisierten Firmen reagiert

Seinen Angaben zu Folge wurden im vergangenen Jahr nicht weniger als 154 Schmierereien unterschiedlichster Art polizeilich erfasst – allein 132 in Burglengenfeld. In das Diagramm der Sachbeschädigungen, die insgesamt mit 183 Delikten angegeben werden, flossen aber nur jene Graffiti mit ein, die keine andere, höher zu bewertende Straftat beinhalteten. Das große Z, welches als „Billigung einer Straftat“ eingestuft wird, und Symbole, welche den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllten, belasteten die Statistik laut Lintl an anderer Stelle.

Nach Fahndungserfolg sind 500 Beweismittel auszuwerten

Ein weiteres Beispiel für die „Fallstricke“:Bei der Fahndung nach den Sprayern ging den Ermittlern im Herbst 2022 unter anderem ein 48-jähriger Mann ins Netz.Er soll für eine Vielzahl der Straftaten verantwortlich sein. Doch weil die Auswertung der rund 500 sichergestellten Beweismittel zeitraubend ist, schlägt der Erfolg in der Aufklärungsquote für 2022 nicht zu Buche.

Diese Quote liegt im PI-Bereich auch deshalb nur bei 66,1 Prozent. Das heißt von den 964 erfassten Straftaten wurden 637 geklärt. Im vergangenen Jahr hatte sich der Dienststellenleiter noch über eine Quote von 73,5 Prozent gefreut.

Einzelne Zahlen können also von Jahr zu Jahr schwanken. Mal gehen sie nach unten, mal nach oben. Was für Hauptkommissar Lintl aber wichtiger ist, ist seinen Worten zufolge die Tendenz. Deshalb verglich er die neusten Zahlen nicht nur mit denen aus den von Corona geprägten Jahren, sondern auch mit jenen aus 2019 und davor.

Gewaltkriminalität hat wieder zugenommen

Gegenüber 2021, so berichtete Lintl, habe sich die Gesamtzahl der Delikte um zehn Prozent erhöht. Gegenüber 2019, als rund 1100 Straftaten zu bearbeiten gewesen waren, sei 2022 aber noch erfreulich. Im Zehn-Jahres-Vergleich sei die Fallzahl die zweitniedrigste überhaupt. Besonders im Fokus steht alljährlich die Gewaltkriminalität. Nach den spürbaren Rückgängen in den Corona-Jahren musste hier „leider wieder ein erheblicher Anstieg der Fallzahlen verzeichnet werden“, berichtete Lintl. Im gesamten Dienstbereich wurden 51 Fälle gezählt. Im Fünf-Jahres-Vergleich stellt dies den höchsten Wert dar. Ein Zusammenhang mit der „Wiederaufnahme von Festivitäten“ sei zu vermuten, aber nicht beweisbar, sagte Lintl.

Bei den gefährlichen und schweren Körperverletzungen war ein Anstieg um 21 Fälle zu beklagen. Auch Raubdelikte zählen zu diesem Spektrum. Ihre Zahl erhöhte sich laut Lintl von vier auf sieben. Sechs davon wurden im familiären Umfeld der Betroffenen begangen. Also nicht in der Öffentlichkeit, was für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung nicht unwesentlich sei. Trauriger Höhepunkt war im Mai 2022 ein versuchtes Tötungsdelikt, begangen im Herzen der Stadt Burglengenfeld. Ein junger Mann verletzte einen anderen mit einem Messer schwer.Der Fall wurde erst kürzlich vor dem Landgericht Amberg verhandelt. Der Täter wurde zu fünf Jahren und neun Monaten Freiheitsentzug verurteilt.

Auch in Burglengenfeld war Drogentote zu beklagen

Die Zahl der Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz ist um rund zehn Prozent auf 111 gestiegen. Einmal mehr merkte der Inspektionsleiter dazu an, dass diese Zunahme nicht zwingend darauf schließen lasse, dass sich das Drogenproblem im Städtedreieck verschärft habe. Wahrscheinlicher sei es, dass durch verstärkte Kontrollen mehr Delikte aufgeflogen seien.

Beim illegalen Handel und Schmuggel mit Rauschgift verzeichnete die Polizei einen Rückgang um gut 20 Prozent. Überschattet wird dies jedoch durch den tragischen Tod einer jungen Mutter, welche über Monate hinweg Drogen konsumiert hatte, unter anderem Crystal Meth.Im März 2022 starb die 28-Jährige an den Folgen einer dadurch verursachten Hirnblutung in einem Regensburger Krankenhaus. Deshalb ist die Drogentote in der Burglengenfelder Polizeistatistik nicht erfasst.

Bei der Bewertung des Sicherheitsberichts zeigten sich die Bürgermeister aus dem Städtedreieck voll des Lobes über die Polizeiarbeit. Thomas Gesche sprach von einem „direkten Draht“ und einem „vertrauensvollen Verhältnis“ zu den Beamten der PI Burglengenfeld. Ähnlich drückte sich Gastgeber Thomas Beer (CSU) aus. Rudolf Seidl (UWM) würdigte insbesondere die starke Präsenz, welche die Polizei 2022 in Maxhütte-Haidhof gezeigt habe. Dies habe auch zu einigen schönen Erfolgen geführt.

Ordnungshüter und Bürgermeister sind zufrieden mit der Statistik für 2022. Unser Bild zeigt (v. l.) : Rudolf Seidl (Maxhütte-Haidhof), Thomas Beer (Teublitz), Polizeihauptmeister Stefan Hannig, Thomas Gesche (Burglengenfeld) und PI-Chef Sebastian Lintl. -Foto: Thomas Rieke