„Heimspiel“ für Regisseur und Autor Konstantin Ferstl im Roxy Kino in Abensberg

Besondere Lesung mit Musik und Bildern: Im Roxy Kino liest der Abensberger am 15. November aus seinem ersten Roman.
Die Streifen haben es ihm angetan. Einem bretonischen Matrosen gleich kommt Konstantin Ferstl mit Ringel-shirt zum Pressetermin. Die Anspielung aufs Maritime, die passt dann auch gut zum ersten Roman von Ferstl. Denn zum Einen meint der Titel „Die blaue Grenze“ das Meer. Zum Anderen spielt die auf den ersten Blick absurd erscheinende Tatsache in die Geschichte mit rein, dass Ferstls Uropa aus dem Bayerischen Wald, wo es allenfalls ein Meer aus Bäumen gibt, für die Kriegsmarine zur See fuhr.
Normalerweise schreibt Ferstl Drehbücher für Fernsehserien und Filme oder verwirklicht als Regisseur seine eigenen Filme. Einen Roman zu schreiben, war für Ferstl jetzt erst einmal Neuland, dem er sich – ähnlich wie ein Matrose auf hoher See – behutsam annähern musste.
„Dabei ist eigentlich die Tatsache, dass ich Filme gemacht habe, eher ungewöhnlich für mich. Ich wollte nämlich schon immer Schriftsteller werden“, sagt Ferstl. Schon als Kind hätten ihn Bücher fasziniert, als Jugendlicher habe er viel geschrieben. „Dass ich an der Filmhochschule genommen wurde, das ist eher ein Zufall.“
Ein Roman, eine Geschichte aber, die muss reifen. Und so ist es wiederum kein Zufall, dass der Roman erst jetzt, zu Ferstls 40.Lebensjahr erscheint. Seine Lebenserfahrungen der letzten 20 Jahre fließen mit ein, eine „gewisse Abgeklärtheit“, die er als 20-Jähriger nicht gehabt hätte, sorgen erst für die nötige Tiefe, ist Ferstl überzeugt.
Reise der Unvernunft
Einiges von ihm selbst stecke schon im Roman: „Hoffentlich sehr viel. Wenn in dem Buch nichts von mir drinnen stecken würde, dann würde ich es auch gar nicht lesen wollen“, sagt Ferstl.
Im Roman bricht der Protagonist, Fidelis Lorentz, zu einer langen Reise auf, um seinen Liebeskummer zu vergessen. „Der Erzähler hat das Irrationale zu seinem Motto gemacht“, so Ferstl. Damit stehe er im Kontrast zur selbst auferlegten Härte, der Unsentimentalität, mit der sich dessen Familie eigentlich durchs Leben manövriert.
Der erste Satz zum Roman, der entstand im Übrigen schon vor vielen Jahren, auf seiner Reise nach Nordkorea, die Ferstl – ähnlich wie der Protagonist im Buch – aus reiner Blödelei unternommen hat, „der Protagonist, der Dummes tut, das ist ein Gefühl, das bei mir schon eine Zeit lang zurückliegt“, sagt Ferstl.
Über die Jahre hinweg hat sich dann die Geschichten immer mehr in seinem Kopf gefestigt, Ferstl arbeitete daran, begann mehrmals neu – nebenbei zu seiner „Alltagsarbeit“, dem Verfassen von Drehbüchern.
Als er ein Stipendiat der Jürgen-Ponto-Stiftung erhielt, erschien das Ziel, ein Buch zu veröffentlichen, mit einem Mal realistischer denn je. Als Ferstl schließlich 2019 für sein eingereichtes Manuskript mit dem Münchner Literaturstipendium gewürdigt wurde, dachte sich er sich „Ok, jetzt brauche ich noch ein Jahr.“ Aber gut Ding will Weile haben, und „irgendwann war der Druck so groß, dass ich dachte, jetzt muss ich es einfach runterschreiben“.
Ferstl ist Abgabefristen und strukturiertes Schreiben auf den Punkt eigentlich gewöhnt, doch einen Roman zu verfassen, das sei dann doch etwas ganz anderes als ein Drehbuch zu schreiben, sagt er: „Beim Drehbuch hast den Film im Kopf. Da geht es darum, konkrete Bilder zu finden, damit es eindeutig ist. Beim Roman aber ist jede sprachliche Entscheidung wichtig. Kein Nebensatz ist hoffentlich zufällig, die Sorgfalt ist eine ganz andere.“
Im Frühjahr 2022 hielt er das fertige Manuskript in den Händen, sechs Wochen danach erhielt Ferstl Offerten von verschiedenen Verlagen. Dass sein erster Roman vom Rowohlt Verlag verlegt wurde, davon hätte Ferstl früher nur träumen können, dafür ist er „super dankbar“.
„Wiederholungstäter“: Ferstl ist wieder zu Gast im Kino
Mit der Lesung im Roxy Kino schließt sich für Ferstl nun der Kreis. Denn der Abensberger, der nach Jahren der „Wanderlust“ jetzt wieder in seinen Heimathafen zurückgekehrt ist, hatte auch schon seine Filme, wie beispielsweise Trans Bavaria, hier gezeigt.
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Eine Lesung ist nichts gänzlich Neues für das Roxy Kino, wohl aber, wenn sie mit großflächigen Bildern, mit Musik begleitet wird. „Ich glaube, wenn das Ganze mit Bildern untermalt ist, dann taucht man schon noch ein Stück mehr in die Seele des Autors ein“, ist Gerda Kroiß überzeugt und freut sich auf den besonderen Abend in ihrem Kino.
„Für mich ist das ein Glück, dass Regie meine erlernte Profession ist “, so Ferstl und fügt, halb ernst, an, „aber den Abend sehe ich trotzdem als eine sportliche Herausforderung“. Beim Schreiben des Buchs habe er im Übrigen tatsächlich nie daran gedacht, das Buch zu verfilmen.
Am Schreiben von Romanen scheint er auf jeden Fall Gefallen gefunden zu haben, der nächste ist schon in Arbeit: „Der erste ist ja der schwierigste, auch wegen den Erwartungen, die man an sich selbst stellt“, sagt Ferstl.
Zur Lesung gibt es Musik, Bilder und Wein
Debüt: „Die blaue Grenze“ heißt der Debütroman von Konstantin Ferstl. Am 15. November um 19.30 Uhr ist er im Roxy Kino zu Gast.
Die Lesung wird Ferstl auch mit mancher Anekdote zur Entstehungsgeschichte untermalen und mit Bildern.Ein langjähriger Freund Ferstls, der Filmkomponist Christoph Zirngibl, wird die Lesung musikalisch begleiten. An einem Bücherstand kann man zudem Ferstls Roman kaufen und Wein gibt es auch.
Drehbuchautor: Konstantin Ferstl verfasste in der Vergangenheit viele Drehbücher , sowohl für Kinderserien als auch zu historischen Stoffen. Eine Serie „Racko, ein Hund für alle Fälle“ lief beispielsweise im Bayerischen Rundfunk.
Regisseur: Trans Bavaria, sein Abschlussfilm der Filmhochschule, ein Road Movie über drei Freunde, die zur Abschlussrede von Fidel Castro nach Kuba fahren, kam 2012 in die Kinos und erhielt mehrere Preise.
Zum Buch: Fidelis Lorentz ist Komponist und verdient sein Brot mit Titelmelodien für Fernsehfilme. Als er einen Anruf von seiner großen Liebe J. erhält, ahnt er, dass sie sich trennen will, und steigt kurzerhand in den Zug. Sein Ziel: Pyeongyang, denn wenn man gegen die Zeit anrennen will, dann nur gen Osten (Text: Rowohlt Verlag). Die blaue Grenze, erschienen im Rowohlt Verlag, ISBN: 978-3-7371-0185-1