Unterhütte: Skilift-Aus besiegelt – Fortführung würde im ersten Schritt fast 200.000 Euro kosten

Von Petra Schoplocher · 8. November 2023 um 15:00

Schluss, Aus, vorbei. Der Skilift Unterhütte (Landkreis Cham) wird nicht mehr in Betrieb gehen. Der Stadtrat hat einstimmig und ohne Diskussion beschlossen, nichts mehr in die Anlage zu investieren und sie zurückzubauen. Ein kleines Zugeständnis gab es dennoch.

Der Vertrag mit der Voithenbergschen Gutsverwaltung als Eigentümerin des Grundstücks für Lift und Piste wird nicht sofort gekündigt, sondern soll noch ein bis drei Jahre weiterlaufen, erklärte Bürgermeister Markus Ackermann. Dadurch soll der Ski- und Radsportabteilung des TV Zeit gegeben werden, über die Zukunft ihrer Hütte neben dem Lift nachzudenken. Zudem könne man miteinander in Ruhe kreative Lösungen für den Hang suchen. „Vielleicht gelingt es ja, ihn anderweitig in Wert zu setzen.“

Für ihn sei die Schließung alternativlos, machte Markus Ackermann deutlich. Alleine, um die elektrischen Mängel von einer Fachfirma beheben zu lassen und den strengeren Vorgaben anzupassen, müssten aus dem Stadtsäckel kurzfristig zwischen 150 000 und 180 000 Euro berappt werden. Der tatsächliche Sanierungsbedarf sei indes noch viel höher.

Liftseil ist 23 Jahre alt

Die Grundprobleme würden mit der Akutmaßnahme nicht behoben. Das Seil: 23 Jahre alt, die Pistenraupe: fast 40. Der Flutlichtbetrieb sei aufgrund defekter Kabel schon im Vorjahr nicht mehr möglich gewesen. Hinzu kämen verschlissene Stützen und eine Abwasserproblematik, zählte er weiter auf. „Wir müssen feststellen, dass das Ende der Nutzungsdauer erreicht ist“, fasste das Stadtoberhaupt zusammen.

Hinzu kämen strengere gesetzliche Vorgaben nach jedem neuen Seilbahnunglück, „und ich denke, wir sind uns einig, dass Sicherheit oberste Priorität hat“. Weitere Argumente pro Schließung ist für Ackermann das jährliche Defizit von im Schnitt rund 20 000 Euro.

Das sei bereits in der letztjährigen Rechnungsprüfung moniert worden, seit Längerem habe sich gezeigt, dass sich der Betrieb immer schwieriger gestalte, erinnerte Markus Ackermann.

Und dann seien da ja noch die weniger werdenden Nutzungstage. Die lagen – dem Klimawandel geschuldet – bei zuletzt durchschnittlich sieben pro Jahr (Coronabedingte Schließungen nicht berücksichtigt).

Vor diesem Hintergrund in den Skilift mehrere Hunderttausend Euro zu investieren, sei „nicht verantwortbar“, warb Markus Ackermann für die Schließung. Diese wird rund 70000 Euro kosten, so die entsprechende Schätzung für den Rückbau der Anlage.

Bis zuletzt investiert

Die Stadt habe in den vergangenen Jahren sehr wohl noch investiert, trat er vermeintlicher Kritik pro-aktiv entgegen. So wurden Fundamente freigelegt und entrostet, Stützen neu gestrichen oder auch Stadtwerke-Mitarbeiter Michael Bierl zum Betriebsleiter ausgebildet und bestellt.

Nur Vize-Bürgermeister und CSU-Sprecher Martin Frank ergriff nach Markus Ackermanns Plädoyer noch das Wort. Der Weiterbetrieb sei unverantwortlich, fand auch er. „Eine schwere Entscheidung“, die mit „unwahrscheinlichen Emotionen verbunden“ sei, meinte der begeisterte Skifahrer. „Aber wir müssen sie treffen.“

Schon alleine die Akut-Kosten für die Sicherheit und die Bhebung der technischen Mängel sowie später noch viel mehr, ließen der Kommune keine andere Wahl. Das geböte schon der sorgsame Umgang mit Steuergeldern.

Frank verwies zudem auf die um 500 bis 600 Meter nach oben gewanderte Null-Grad-Grenze und auch die rückläufige Zahl von Skifahrern im Raum Waldmünchen . Alles in allem also „eine Vernunftentscheidung“.