Abtransport der Pistenraupe in Unterhütte sorgt für Gerüchte – kein Betrieb des Skilifts?

Von Petra Schoplocher · 5. Februar 2023 um 15:00

Weg ist sie, die Pistenraupe, abtransportiert in einer vermeintlichen Nacht-und-Nebel-Aktion. Sie, die lange Zeit in Unterhütte treue Dienste geleistet hat? Stadtwerke-Chef Stefan Höcherl muss in Anbetracht dieser Bilder und Szenarien schmunzeln.

„Alles ganz harmlos“, erklärt er, weil hinter all dem nicht mehr und nicht weniger als eine Hilfs-Mission steckt. Der Ausgangspunkt: einfach wie plausibel. Im deutlich höher gelegenen Althütte war der Skibetrieb (bereits) möglich, in Unterhütte nicht. Als dann in der vergangenen Woche die Anfrage eintraf, ob die Stadtwerke dem Freizeitzentrum nicht aus der (Pistenraupen)Patsche helfen könnten, musste Höcherl nicht lange überlegen. Zumal die Wetterprognose mit Plusgraden in keinster Weise auch nur annähernd Anlass gab, die Hoffnung auf Skifahren in Unterhütte zu schüren.

Für Piste braucht es fünf Grad Minus

Voraussetzung dafür sei laut Höcherl nicht nur Schnee, sondern idealerweise rund fünf Grad Minus vorab, damit „wir überhaupt die Chance auf eine Piste haben“. Die Anfrage aus Althütte habe insofern ein Gefährt betroffen, das „ansonsten in der Garage gestanden hätte“. Ohnehin sei das Verhältnis zum Freizeitzentrum Althütte entspannt, „wir sehen uns nicht als Konkurrenten“.

Dabei wäre der Lift in Unterhütte vor allem preislich mehr als konkurrenzfähig. Selbst wenn er heuer noch in Betrieb ginge, würde an den Preisen nicht gedreht, betont Stefan Höcherl, der frühestens 2024 mit einer Erhöhung rechnet. Bis dato gelten die „im Vergleich mehr als moderaten Preise“.

Von denen kann in Althütte nicht nach Meinung aller Winter(sport)-Begeisterten die Rede sein. Zwei Euro für eine Schlittenfahrt, das erscheint manch einem überteuert. Zumal eine Zwei-Stunden-Liftkarte für Kinder gerade einmal zwölf kostet. Zum Vergleich: Für einen halben Tag Skivergnügen zahlen Jugendliche und Schüler drei Euro.

Preise hin oder her, ohne Schnee keine Pistengaudi. Und das Alter der Anlage in Verbindung mit der Lage auf 770 Metern über Normalnull – auf dem höchsten Punkt des Hügels wohlgemerkt – sowie als deren Folge die tendenziell weniger werdenden Schneetage nähren nicht unbedingt die Hoffnung auf einen langfristigen Weiterbetrieb, formuliert Höcherl vorsichtig.

Denn klar ist: Schon jetzt nehmen die Stadtwerke eine nicht unerhebliche Menge Geld in die Hand, um überhaupt einen Betrieb zu ermöglichen. Der trotz Defizits wiederum noch halbwegs darstellbar sei, weil bestehende Anlagen weit weniger Auflagen unterliegen würden.

Enormer Investitionsbedarf bei Lift

Die Anlage aufrüsten, in dieser Lage, mit dieser Klima-Prognose? „Wohl kaum vertretbar“, meint der Stadtwerke-Chef. Wohl wissend, dass gerade der Unterhütter Lift Generationen von Waldmünchnern viel bedeutet. Höcherl weiß gleichermaßen um den „enormen Investitionsbedarf“, wollte man den Lift technisch auf modernen Stand bringen. Das sei ohnehin nur noch zulässig, weil es sich um eine bestehende Anlage handelt.

Dann ist da aktuell noch die Energiefrage. Je nach Winterwetter sind zwischen 2000 und 15 000 Kilowattstunden Strom für den Skiliftbetrieb jährlich nötig. Ein Flutlichtabend alleine schlägt dabei mit rund 500 Kilowattstunden zu Buche. In Anbetracht der momentanen Situation hat dies im Herbst den Stadtrat auf den Plan gerufen. Der daraufhin beschloss, einen möglichen Betrieb grundsätzlich auf Freitag bis Sonntag zu beschränken.

Ob und wann die Brettlfans also in Unterhütte die rund 600 Meter hinunterwedeln können, steht noch in den Sternen. Beziehungsweise im Wetterbericht.

Der Lift in Unterhütte

Daten:Über 50 Bügel bringen die Skifahrer 110 Höhenmeter nach oben, wo 600 Meter Piste auf sie warten. Der Lift schafft trotz seines Alters 900 Personen pro Stunde.

Preise:Eine aktuelle Preisliste gibt es (noch) nicht, im Vorjahr kostete eine Halbtageskarte für einen Erwachsenen 9,50 Euro. Angeboten werden Familienpauschalen.

Schnee liegt schon, und die Prognose für die kommenden Tage ist gut. Nur: Geht der Skilift Unterhütte auch in Betrieb?
In die Jahre gekommen: Die Liftanlage wurde 1967 errichtet.