Zu teuer, zu wenig Nutzer: Freie Wähler erklären, warum sie gegen Seilbahn sind

Die Argumente der Freien Wähler (FW) Kelheim gegen die geplante Seilbahn Kelheim-Saal hat der erste Vorsitzende Dennis Diermeier am Montagabend bei einer Info-Veranstaltung im Gasthof Frischeisen in Affecking dargelegt.
Am 19. November findet in Kelheim der Bürgerentscheid zur geplanten Seilbahn statt, die Briefwahl läuft bereits. Wir berichteten. Rund zehn Bürger nahmen teilt. Diermeier wertete das als Anzeichen, dass der Informationsbedarf in der Bevölkerung weitgehend gedeckt sei.
Das zentrale Argument gegen die Seilbahn aus Sicht der FW: Sie könne nicht wirtschaftlich betrieben werden, weil es nicht genügend Fahrgäste geben würde.
Seilbahn Kelheim: Angeblich hohe Kosten, wenig Nutzer
1000 Fahrgäste pro Stunde müssten für den wirtschaftlichen Betrieb befördert werden – das habe der Verkehrsexperte Heiner Monheim bei einer Online-Veranstaltung des Landratsamtes gesagt, erinnert sich Ludwig Birkl, zweiter Vorsitzender der FW Kelheim. Ob wirklich so viele Fahrgäste benötigt würden, wisse er nicht, sagte Diermeier auf Nachfrage. Doch selbst die angeblich von Stadt und Landkreis Kelheim angepeilten 5000 bis 6000 Fahrgäste am Tag dürften unmöglich erreicht werden.
Diermeier berief sich auf Zahlen des Unternehmens Agilis, des Landratsamtes und des Regensburger Verkehrsverbundes (RVV). Demnach nutzen derzeit täglich 1000 Personen den Bahnhof Saal. Dabei handele es sich nicht nur um Kelheimer, sondern auch um Personen aus Saal und dessen Nachbargemeinden.
4500 Menschen würden den Bahnhof pro Jahr mit dem Kexi anfahren. Der RVV verkaufe jährlich rund 2000 Tickets vom Wöhrdplatz zum Bahnhof, dazu kämen 20 bis 30 Nutzer von Monatskarten. Diermeiers Fazit: Der derzeitige Bedarf an öffentlichem Nahverkehr von Kelheim nach Saal ist weit von der benötigten Fahrgastzahl entfernt. Das gelte auch für das Potenzial möglicher Seilbahnnutzer. Derzeit gebe es nach Zahlen der Arbeitsagentur täglich rund 2400 Ein- und 3400 Auspendler, die aufgrund ihres Arbeitsweges als Seilbahnnutzer infrage kämen. Ein Besucher warf ein, dass man dazu noch Schüler rechnen müsse.
Diermeier zweifelte an, ob alle Pendler auf die Seilbahn umsteigen würden, da man bei Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs Flexibilität einbüße. Die Freien Wähler würden angesichts all dieser Zahlen durchaus zugestehen, dass die Zahl der Menschen, die mit einer Seilbahn täglich den Bahnhof Saal nutzen würden, sich auf rund 2000 verdoppeln könnte. Aber das sei immer noch weit von den für einen wirtschaftlichen Betrieb notwendigen Fahrgastzahlen entfernt.
Das Argument, eine Seilbahn könne Touristen anziehen, ließ Diermeier nicht gelten: Das Projekt sei ausdrücklich als Teil des ÖPNV konzipiert worden.
Bei den laufenden Kosten verwies Diermeier auf ein ähnliches Projekt in Heidenheim, Baden-Württemberg. Dort war eine Machbarkeitsstudie zu dem Ergebnis gekommen, dass der Betreib einer 2,36 Kilometer langen Seilbahn jährlich rund 2,6 Millionen Euro kosten würde. Der Betrieb der Kelheimer Seilbahn dürfte mit der angedachten Streckenlänge von etwa 5 Kilometern eher noch teurer werden, so Diermeier. Zudem sei Heidenheim mit 50000 Einwohnern deutlich größer als Kelheim (17322 Einwohner, Stand 2023). Er habe nach eigener Angabe bei einem Busunternehmen aus der Region erfragt, dass ein Expressbus zwischen Wöhrdplatz und Bahnhof Saal nur etwa 330000 Euro pro Jahr kosten würde.
Er gehe davon aus, dass die Machbarkeitsstudie ergeben werde, dass die Seilbahn zwar technisch machbar, aber nicht wirtschaftlich zu betreiben wäre, sagte Diermeier. Daraufhin fragte ein Besucher, warum ein Bürgerentscheid notwendig sei. „Damit wir als Bürger das klare Zeichen setzen: Wir wollen das nicht“, antwortete Diermeier.
Diermeier schreckt nicht vor zweitem Bürgerbegehren zurück
Er ging auch auf den Umstand ein, dass das Bürgerbegehren den Stadtrat nur bis zum September 2024 binden würde, die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie aber erst im dritten Quartal 2024 erwartet werden: „Ich scheue mich nicht, noch ein Bürgerbegehren zu machen.“
Der Bürger Ulf Schroeder meldete sich zu Wort: Ihm sei egal, ob eine Seilbahn gebaut werde oder nicht. Bezüglich des des Bürgerentscheides sei er noch unentschlossen. Allerdings werde eine bessere ÖPNV-Anbindung des Saaler Bahnhofes benötigt. Seine Töchter nutzen regelmäßig die Bahn und er müsse sie häufig abholen, weil der Bus nach Kelheim schon weggefahren sei. Er wolle nicht, dass seine Töchter abends eine Stunde alleine am Bahnhof warten müssen.
Diermeier sagte, Kelheim brauche zwar einen guten ÖPNV – der sei aber nicht Aufgabe der Stadt, sondern des Landkreises. Daher hätten die FW im Kreistag auch gefordert, einen neuen Nahverkehrsplan zu erstellen.
