Geldautomat in Langquaid gesprengt: Bankfiliale verwüstet, Bewohner evakuiert

Von Alexandra Nurtsch · 7. November 2023 um 14:29

Unbekannte haben in der Nacht zum Dienstag einen Geldautomaten in der Volksbank am Langquaider Marktplatz (Landkreis Kelheim) gesprengt. Die drei mutmaßlichen Täter flohen mit ihrer Beute in einem dunklen Auto, vermutlich einem Audi, in Richtung Rohr. Das Bayerische Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen.

Es war gegen 3.30 Uhr, als ein lauter Knall die Menschen aus den umliegenden Wohnungen aus dem Schlaf riss. Rund fünf Stunden später zeugen außen zerborstene Scheiben und eine völlig deformierte Eingangstür von der Wucht der Detonation. Unter einigen Fenstern liegen noch Scherben.

Innenraum der Bankfiliale ist zerstört

Vor dem Wohn- und Geschäftshaus am Langquaider Marktplatz stehen Polizei- und zivile Fahrzeuge. Ein rot-weißes Absperrband der Feuerwehr flattert im Wind. Männer in weißen Anzügen und Helmen sichern Spuren. „Der Innenraum des Gebäudes ist völlig zerstört“, sagt ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamts auf Nachfrage. Dort liegen überall Glassplitter und Teile der Deckenplatten.

Lesen Sie dazu auch: Nach Sprengung in Lohberg: Zwei Bankautomaten im Landkreis Cham stillgelegt

Die Bewohner des Hauses mussten nach der Tat ihre Wohnungen verlassen. Sie fanden Unterschlupf in den Mutter-Kind-Räumen im Haus der Begegnung. Dort wurden sie von der Feuerwehr Langquaid mit heißen Getränken versorgt. Sie konnten erst wieder zurück, als ein Statiker die Sicherheit des Gebäudes untersucht hatte und grünes Licht gab.

Aktuelle Polizeimeldungen finden Sie hier.

Es werde dauern, bis die genaue Schadenshöhe feststehe, heißt es von Seiten des LKA. In den nächsten Tagen soll der Sprengstoff im Kriminaltechnischen Institut in München genauer untersucht werden. Wie viel Geld die Täter erbeutet haben, will das Bayerische Landeskriminalamt grundsätzlich nicht sagen – „um Nachahmer zu vermeiden“, so der Sprecher. Fest stehe jedoch, dass ein Beuteschaden entstanden sei. Dass kurz nach der Tat noch Geldscheine auf der Straße lagen, konnte das LKA nicht bestätigen. Bei der großen Sprengwirkung könne das durchaus vorkommen, hieß es.

LKA sucht Zeugen

Das Bayerische Landeskriminalamt hat die Ermittlungen übernommen und hofft auf Antworten auf folgende Fragen: Wem sind in den Nachtstunden im Bereich des Marktplatzes in Langquaid verdächtige Personen oder Fahrzeuge aufgefallen? Wer hat im Vorfeld in der näheren Umgebung verdächtige Wahrnehmungen gemacht, die im Zusammenhang mit der Sprengung stehen könnten? Wer kann sonst sachdienliche Hinweise zur Tat, den Tätern oder dem Fluchtfahrzeug geben? Hinweise nimmt das Bayerische Landeskriminalamt unter der Telefonnummer 089/12120 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

30 Feuerwehrleute vor Ort

Nach der Tat war ein Großaufgebot der Polizei vor Ort, auch ein Polizeihubschrauber war in Einsatz. Die Feuerwehr Langquaid leuchtete den Einsatzort aus und sperrte den Marktplatz vom Kastnerhaus bis auf Höhe des Rathauses ab. Die Sperrung dauerte bis 8 Uhr morgens. 30 Feuerwehrleute waren mit Kommandant Rainer Wocheslander im Einsatz, die dann auch dafür sorgten, dass die Umleitung für die Busse zu den Schulen und in Richtung Regensburg funktionierte.

Wie eine Volksbank-Sprecherin sagte, bleibe die Filiale bis auf weiteres geschlossen. Kunden werden gebeten, auf die Filialen in Rohr und Rottenburg auszuweichen

Mehrere Fälle in der Region

In den vergangenen Wochen häufen sich die Automatensprengungen in der Region. Vor drei Wochen war der Geldautomat im „Kaufland“ in Neustadt a.d. Donau gesprengt worden. Hier erbeuteten die Täter kein Geld, doch sie hinterließen einen erheblichen Schaden. Die Detonation war auch hier enorm. Das LKA hat auch diesen Fall im Blick. Ob es sich dabei um die gleichen Täter wie in Langquaid handelt, müssten die Ermittlungen zeigen. Dafür sei es noch zu früh, heißt es.

Vor knapp zwei Wochen sprengten unbekannte Täter einen Geldautomaten in Lohberg im Landkreis Cham. Vor vier Wochen war ein Geldautomat in Haidmühle, ebenfalls im Bayerischen Wald, Ziel von Ganoven.

Die Wucht der Detonation war enorm. Foto: Nurtsch