Das sportliche Aushängeschild der Stadt: Judo und Rötz gehören einfach zusammen

Ob die Pioniere des Judosports in Rötz damals bei der Gründung der Judo-Abteilung im 1. FC Rötz bereits ahnten, welche großen Erfolge die Sparte im Laufe ihres Bestehens feiern würde? Wohl kaum.
Um wettkampfmäßigen Erfolg ging es bei den Rötzer Judokas im Gründungsjahr 1969 auch noch nicht, vielmehr stand zunächst die körperliche Ertüchtigung beim Ausüben der japanischen Kampfsportart im Vordergrund.
Im Schützenstüberl schwärmte Günther Hauer, der in Amberg den Judosport praktizierte, im Gespräch mit seinem Freund Hermann Drexler von der fernöstlichen Kampfsportart. Es war ein Gespräch, das bei Drexler einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Einen derartig nachhaltigen Eindruck, dass er und Hauer schließlich am 3. Mai 1969 eine Judo-Abteilung ins Leben riefen. Bereits im ersten Jahr zählte die Sparte 40 Mitglieder, in den darauffolgenden Jahrzehnten sorgten die Rötzer in Einzel- und Mannschaftswettbewerben immer wieder für Furore.
Eine sportliche Sensation
Im Jahr 2003, rund 34 Jahre nach der Abteilungsgründung durch Günther Hauer und Hermann Drexler, gelang den Rötzer Judokas dann eine sportliche Sensation. Mit dem Aufstieg in die Zweite Bundesliga feiern die FC-Sportler den bis heute größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. Ein prestigeträchtiger Erfolg, der die Rötzer Judokas in der damaligen Zeit zum sportlichen Aushängeschild der Region werden lässt.
Achim Pregler erinnert sich gerne an den Aufstieg zurück. Seit vielen Jahren als Nachwuchstrainer in der Judo-Abteilung tätig, stand er beim Aufstieg in die zweithöchste deutsche Klasse damals als Kämpfer auf der Matte.
„Der Aufstieg war das schönste sportliche Ereignis“, betont Pregler, den man getrost als Urgestein der Rötzer Judokas bezeichnen darf. Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte gelang den Kämpfern des FC damals bei Aufstiegskämpfen in Esslingen. „Wir sind damals schon am Vortag hingereist und haben in einem Hotel übernachtet, um erholt in die Kämpfe gehen zu können“, erinnert sich Pregler. „Das war zur damaligen Zeit für uns natürlich ein Luxus und eine absolute Besonderheit.“ Die Maßnahme trug Früchte.
Zwei Schlüssel zum Erfolg: großer Siegeswille („Wir wollten immer Erster werden, egal in welcher Liga“) und unbändiger, familiärer Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft und der Abteilung. „Bei uns hat jeder alles für den anderen gegeben“, sagt Pregler. „Von der Bezirks- bis zur Zweiten Bundesliga war der Kern der Mannschaft immer gleich.“ Und die Stimmung nach Kämpfen immer gut. „Wir sind damals immer mit einem großen Bus gefahren, da waren viele Leute dabei. Auf der Hinfahrt war es immer ruhig, jeder war konzentriert. Aber heimzu wurde immer gesungen und Party gemacht“, erzählt Pregler. Nach Siegen, aber auch nach Niederlagen. „Wir hatten immer eine Riesen-Gaudi.“
Einen großen Anteil daran hatte auch der „Scherr Mich“. Als langjähriger Trainer und Abteilungsleiter sowie seit 2005 als Vorsitzender des Gesamtvereins prägte Michael Scherr den 1. FC Rötz bis zu seiner Erkrankung im Jahr 2013 entscheidend mit, die Judo-Abteilung prägte er wie kein Zweiter. „Der Mich hat uns vermittelt, dass nicht nur das Training wichtig ist, sondern auch das Drumherum, das Miteinander“, sagt Pregler. „Dass man gemeinsam feiern muss, dass man gemeinsam Ausflüge machen muss. Unser großer Zusammenhalt ging auch auf Mich zurück.“
1972 schon wurde Michael Scherr Trainer der Rötzer Judokas, von 1980 bis zu seinem Tod war er Judo-Abteilungsleiter. Er gilt als „Vater des Rötzer Judosports“. Nicht nur war er maßgeblich an dem bundesweiten guten Ruf und den sportlichen Erfolgen von Mannschaften und Einzelsportlern beteiligt. Nein. Er engagierte sich auch abseits der Matte unermüdlich für die Judo-Abteilung und den FC. So war er lange federführend verantwortlich für das Rötzer Heimatfest, weiter trieb er beispielsweise den Bau der längst überfälligen, neuen Sporthalle voran.
Die Liste derer, die sich im Laufe der Zeit für die Judo-Abteilung engagiert haben und auch weiterhin engagieren, ist lang. Eine Auflistung aller würde den Rahmen sprengen. Wenn es um besonders viel Herzblut und unglaubliches Engagement für den Sport und die Abteilung geht, kommt man an den Preglers aber nicht vorbei. Den Brüdern Robert, Klaus und Achim hatte es der Judo-Sport angetan. Das Brüder-Trio stand lange und erfolgreich als Kämpfer auf der Matte, Klaus und Achim Pregler begannen nach ihrer aktiven Zeit damit, ihr Judo-Wissen als Trainer im FC weiterzugeben. Nicht nur als Trainer opferten die beiden gerne viele Stunden ihrer Freizeit für die Judo-Abteilung. Ihr Engagement ging stets über die Judo-Matte hinaus. Immer auch mit viel Herzblut und als helfende Hände dabei: Anita und Judith, die Frauen von Klaus und Achim Pregler.
Vom Judo-Virus infiziert war auch Alexander, Sohn von Anita und Klaus Pregler. Dass er neben dem normalen Training noch Privateinheiten mit seinem Vater Klaus in den eigenen vier Wänden absolvierte, war keine Seltenheit. Das zahlte sich aus. Alex, wie er von allen nur genannt wurde, sammelte Medaillen wie andere Menschen Briefmarken. Alexander Pregler war das jüngste Aushängeschild der Rötzer Judokas, ehe er mit 27 Jahren durch einen Gehirntumor viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde. Alexander hinterließ nach seinem Tod im Frühjahr 2020 auch in der Judo-Abteilung eine große Lücke – sportlich wie menschlich.
Corona bremste Judokas aus
Zeitgleich mit dem Tod Alexander Preglers kam das Corona-Virus, das den FC-Judokas zu schaffen machte. Lange konnte aufgrund der Einschränkungen nicht trainiert werden, mehrere junge FC-Judokas hörten mit dem Sport auf. Im Altersbereich zwischen 13 und 18 Jahren fehlen dem FC aktuell Sportler, sagt Andreas Braun, der nicht nur in der Bayernliga für die Rötzer auf der Matte, sondern seit Herbst 2021 auch an der Spitze der Rötzer Judokas steht und mit einer nun äußerst jungen Vorstandschaft die Geschicke der Abteilung leitet. Braun berichtet von derzeit 147 Mitgliedern, die meisten davon seien passive Mitglieder. Drei Trainingsgruppen gibt es derzeit: eine Erwachsenen- und zwei Kinder-Gruppen.
Die Herren-Mannschaft sicherte sich, wie schon 2022, auch in diesem Jahr wieder den Klassenerhalt in der Bayernliga und wird dort auch in der kommenden Saison wieder antreten. Dass der FC eine Truppe für den Wettkampfmodus zusammenbekommt, ist inzwischen aber keine Selbstverständlichkeit mehr. Es fehlt an Judo-Nachwuchs, nicht nur in Rötz. „Wir befinden uns als Judo-Abteilung in einer sehr herausfordernden Zeit“, betont Braun. „Unser Zusammenhalt aber stimmt mich für die Zukunft optimistisch.“


